Sternenkinder in Schaumburg: Hilfe für Mütter nach frühem Verlust ihres Kindes
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Obernkirchen Stadt So soll Müttern von Sternenkindern in Schaumburg geholfen werden
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Sternenkinder in Schaumburg: Hilfe für Mütter nach frühem Verlust ihres Kindes

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12:40 20.07.2020
Barbara Weißbrich (von links), Barbara Mensching und Katrin Karsubke (Martina Nolte-Bläcker fehlt auf dem Foto) wollen sich gemeinsam um die Mütter von Sternenkindern kümmern. Quelle: Kerstin Lange
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Obernkirchen

Ein Fünftel bis zu einem Drittel aller Schwangerschaften enden ohne ein lebendes Kind. Der Verlust wird oft nicht anerkannt. Die Schwangerschaft war noch nicht bekannt, noch nicht sichtbar.

Andere werdende Mütter erleben, wie ihr Kind im Mutterleib wächst, sich das erste Mal bewegt und verlieren es dann doch noch im fortgeschrittenen Schwangerschaftsstadium oder kurz nach der Geburt. Betroffene trauen sich oft nicht von dem Sterben ihres Kindes zu erzählen. Das kann zu einer erschwerten Verarbeitung der Trauer führen.

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„Wir möchten diese Frauen, die ihre Kinder, verloren haben, auffangen. Egal in welchem Stadium der Schwangerschaft sie waren“, sagt die Hebamme Katrin Karsubke. Gemeinsam mit der systemischen Therapeutin Barbara Mensching, der Klinikseelsorgerin am Klinikum Schaumburg, Martina Nolte-Bläcker, und Barbara Weißbrich vom Ambulanten Hospizdienst Sonnenhof hat sich die Hebamme dem schwierigen Thema angenommen.

Gemeinsam wollen die vier Frauen Müttern nach einer sogenannten „stillen Geburt“ helfen, damit sowohl die körperliche wie auch die seelische Verarbeitung des Verlustes gelingt.

Trauerarbeit, Rückbildung und mehr: So helfen die Fachfrauen

„Auch wenn die Babys nicht lebend zur Welt gekommen oder kurz nach der Geburt verstorben sind, brauchen die Frauen entsprechende Rückbildungsgymnastik“, weiß Karsubke. In normale Rückbildungskurse zu gehen würden sich die Frauen aber meistens nicht trauen, denn dort werde zu viel über die Neugeborenen gesprochen, was den Verlust noch schwerer mache.

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„Betroffenen Frauen, die aus dem Krankenhaus kommen und es gibt das ersehnte Kind plötzlich nicht mehr, fehlen die Energie und der Mut, sich Hilfe zu holen“, weiß Mensching. Das sei besonders tragisch unter dem Gesichtspunkt, dass es sich um Mütter handele, die sich ohne Kind oft nicht als solche fühlen und auch nicht als solche wahrgenommen werden.

„Dementsprechend wenig wird über das Thema Rückbildung nachgedacht“, sagt Karsubke und Weißbrich ergänzt: „Auch die Trauerarbeit wird eher nebenbei abgehandelt.“ So wüssten beispielsweise die wenigsten Betroffenen, dass ihnen ein Rückbildungskurs bereits, ab der Frühschwangerschaft, seitens der Krankenkasse zusteht und auch unbedingt anzuraten sei.

„Dabei bietet ein Rückbildungskurs in dieser besonderen Situation so viel mehr als die rein körperliche Komponente. Er gibt betroffenen Frauen ein wenig mehr das Gefühl, eine Mutter zu sein, die ein Kind geboren hat. Die Wertschätzung dem Verstorbenen kleinen Menschen gegenüber steigt genauso wie der Rolle des Mutterseins gegenüber“, so die erfahrene Hebamme. Dennoch passe die Mutter eines Sternenkindes kaum in einen normalen Rückbildungskurs mit Müttern, auf die zu Hause ein Baby wartet.

Die Hemmschwelle bei Müttern von Sternenkindern ist oft groß

Ein zweiter Aspekt, den die vier engagierten Frauen in ihre Planungen der Zusammenarbeit einbezogen haben, ist die Frage der Hemmschwelle. „Damit die Frauen diese leichter überwinden können, es ihnen leichter fällt, sich Hilfe zu holen, haben wir unser Angebot ins Leben gerufen“, so Mensching.

Dieses Angebot beginnt bereits in der Klinik. Dort ist die Klinikseelsorgerin Martina Nolte-Bläcker die erste Ansprechpartnerin für die Frauen. Sie macht diese auf die Kurse aufmerksam, die Mensching und Karsubke gemeinsam anbieten.

Damit die Frauen diese leichter überwinden können, es ihnen leichter fällt, sich Hilfe zu holen, haben wir unser Angebot ins Leben gerufen.

Barbara Mensching , systemische Therapeutin

In diesen Kursen soll der körperliche und seelischer Anspruch der Mütter von Sternenkindern erfüllt werden. An sieben Abenden möchten die Hebamme und die systemische Therapeutin mit vier bis acht Frauen fachlich angeleitete Rückbildungsgymnastik betreiben und im Anschluss, ebenfalls fachlich angeleitet, in ein gemeinsames Gespräch finden. Dabei soll jeder Abend einem Thema zugeordnet werden. Kennenlernen, entspannen und die körperlichen Veränderungen sind ein Thema, aber auch Mementos wie "Ich stelle euch mein Kind vor", ein Werkzeugkoffer für die Seele, Trauer, der Umgang mit Geschwisterkindern oder Folgeschwangerschaften werden thematisiert.

Nach einer Abschlussveranstaltung sollen die Frauen mit ihren Partnern oder Familien quasi weitergeleitet werden, nämlich an die Trauerbegleiterin des Ambulanten Hospizdienstes Sonnenhof, nämlich zu Barbara Weißbrich.

Sie bietet eine Elterntrauergruppe Sternenkinder an, die einmal pro Monat in den Räumen des Hospizdienstes Obernkirchen, Auetal und Umgebung, An der Stiftsmauer 3 in Obernkirchen stattfindet.

Werbung für das Projekt läuft - Hoffnung auf Annahme

„Bislang gab es im Advent Trauerandachten für alle Angehörigen von Sternenkindern und im Frühjahr eine Gedenkfeier in der Kapelle, aber wir möchten die Betroffenen weiter begleiten“, so Weißbrich.

Das Frauen-Quartett hat bereits Werbung für ihr Projekt gemacht. Sie haben mit Gynäkologen im Landkreis Schaumburg gesprochen und waren in Kliniken. Außerdem gibt es einen Flyer mit Informationen.

„Wir sind startklar, jetzt hoffen wir, dass die Frauen unser Angebot auch annehmen“, sind sie sich einig.

→ Kontakt: Die Kurse finden dienstags ab 19.30 Uhr in der Bahnhofstraße 32 in Bückeburg statt, die Trauergruppe trifft sich zur gleichen Zeit in Obernkirchen. Für beide Angebote sind Anmeldungen unbedingt notwendig. Mensching und Karsubke sind unter Telefon (0177) 2144263 zu erreichen und Weißbrich unter (05724) 961-144 oder per E-Mail an hospizdienst@sonnenhof-obernkirchen.de.

Von Kerstin Lange