Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Obernkirchen Stadt Stiftsgebäude instabil
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Stiftsgebäude instabil
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:24 28.11.2018
Blick nach draußen: Die Fenster haben unter einer Erdschicht gelegen. Nach und nach werden sie freigelegt.
Blick nach draußen: Die Fenster haben unter einer Erdschicht gelegen. Nach und nach werden sie freigelegt. Quelle: leo
Anzeige
Obernkirchen

Die Statik des Gebäudes war enorm geschwächt. Erde und Steine haben gegen die Hauswand gedrückt. „Der Druck war so stark, dass sich die Wand des Schafstalls hätte nach innen wölben können“, erklärt Äbtissin Susanne Wöbbeking.

Die Erdarbeiten sind ein Teil der geplanten Sanierung des bisher ungenutzten Gebäudes. Ein Statiker hatte erhebliche Baumängel festgestellt. „Auch das Dach und die Holzböden sind sanierungsbedürftig“, sagt Wöbbeking. Bei einer bauhistorischen Analyse stellte sich heraus, dass der Stall aus dem 14. Jahrhundert stammt. Das war bisher nicht klar. „Dass der Schafstall sehr alt ist, war klar, aber dass er aus dem 14. Jahrhundert stammt, nicht“, sagt Wöbbeking. Spezialisten hatten anhand der Jahresringe der verbauten Holzbalken feststellen können, wie alt das Bauholz ist. „Jahresringe sind von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Sie wurden mit anderen Jahresringen in einem Kataster verglichen“, erklärt Wöbbeking.

Bis zum Fundament freigelegt

Eine Obernkirchener Tiefbaufirma rückte vor Kurzem mit einem Bagger an. Große Mengen Erde und Gesteinsbrocken müssen abgetragen werden. Das Gelände soll später stufenweise zum Schafstall und der Zehntscheune abfallen. Das Mauerwerk ist teilweise bereits bis zum Fundament freigelegt worden. Die Steine mussten gereinigt werden. Zeitgleich müssen die Fugen neu verfugt werden. Die Erdarbeiten gestalten sich schwierig. Immer wieder stößt der Baggerfahrer mit der Schaufel auf tonnenschwere Standsteinbrocken. „Der bisher größte wiegt bestimmt 2,5 Tonnen“, erzählt ein Arbeiter. Diese Felsen kann der Bagger nicht anheben. „Man muss sie rollen. Der Bagger schafft es nur, die Brocken an einer Seite anzuheben“, erklärt der Baggerfahrer. Der Aushub kann zudem nur mit kleinen Lastwagen fortgeschafft werden. Größere Lkw passen nicht durch das schmale Eingangstor des Stiftes. Aus diesem Grund konnte auch kein größerer Bagger zum Einsatz kommen.

Das sanierungsbedürftige Dach wurde bereits von Spezialisten hergerichtet. Einige Sandsteinplatten waren heruntergefallen. Andere drohten noch abzustürzen. „Um die Platten zu befestigen, sind damals Eisennägel verwendet worden – die sind mit der Zeit verrostet“, sagt Äbtissin Wöbbeking. Um das Gebäude originalgetreu zu restaurieren, wurden alte Sandsteinplatten verwendet. Ziel sei es, den Schafstall zurück in den Ursprungszustand zu versetzen. Aus diesem Grund wurde auch ein Schleppdach vor der Zehntscheune abgerissen.

EU-Förderung

Der Innenausbau läuft noch. Finanziert wird die Sanierung des Gebäudes unter anderem mit EU-Fördermitteln. Die Kosten für Arbeiten auf dem Wirtschaftshof werden von der Klosterkammer Hannover getragen.

Nach der Sanierung soll der Schafstall für Veranstaltungen wie Lesungen und Ausstellungen genutzt werden. Der neu gewonnene Platz für Veranstaltungen sei aber nicht der Grund für die Sanierung gewesen. „Wichtig ist uns, dass das denkmalgeschützte Gebäude vor dem Verfall gerettet und restauriert wird – wer hat schon ein Gebäude aus dem 14. Jahrhundert?“, stellt Wöbbeking klar. Wann die Arbeiten abgeschlossen sind, steht noch nicht genau fest.

Von Leonhard Behmann