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Rinteln Ortsteile Auf der Schaumburg hat die Touristensaison begonnen
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Auf der Schaumburg hat die Touristensaison begonnen
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20:54 15.04.2019
Beliebt bei Gästen wie Fotografen: die Schaumburg. Quelle: Jörg Brandt
Schaumburg

Bühne erzählt ihren Zuhörern Mystisches, etwa über die Wirkung des Nesselblatts, dem Schaumburger Wappenkraut, und Bärlauch, der rings um die Burg wächst. Sie erzählt von den drei Nägeln vom Kreuz Christi, den Hexen und der Burglinde, die der älteste Baum im ganzen Landkreis ist. Zudem gibt sie Liebesgeschichten zum Besten, von einem Burgherren mit zwei Frauen, und berichtet von tapferen Städtegründern, denn: Ohne die Schaumburger gäbe es wohl viele Küstenstädte im Norden nicht.

Historie und Unterhaltung

Die Touristenführerin versichert, sie bemühe sich, in ihrer Rolle als Gouvernante und Kräuterfrau möglichst historisch korrekt zu bleiben, doch die Gäste wollten unterhalten werden. Soll heißen: Die Pointe zählt. So zeigt sie Gästen auch, wo man den Ursprung des Wortes „Einlochen“ versteht: Die Burg war berühmt für ihre Gefängniszellen.

Bühne ist im Rahmen der „Landsommer“-Events als Gästeführerin unterwegs und macht „kulinarische Burgenführungen“, dann stets in eine Robe aus der Zeit um 1900 gekleidet, mit langem schwarzem Rock, Rüschenbluse, langen schwarzen Handschuhen und Sonnenschirm.

Ob ihre Gäste bedauern, dass es auf der Burg keine Gastronomie mehr gibt? Ja und nein, sagt Bühne. Die Burg habe „Potenzial“ durch den Saal mit Blick ins Tal, aber Kaffee und Kuchen gebe es ja im „Schaumburger Ritter“. Dieses Gasthaus (und Hotel) kann sich rühmen, das älteste im Rintelner Stadtgebiet zu sein. Bereits im 15. Jahrhundert sind dort Bauern und Burglieferanten eingekehrt. Ob und wann es wieder einen gastronomischen Betrieb auf der Schaumburg geben wird, ist nach wie vor offen. Dietmar Weh, Leiter der Bauabteilung der zuständigen Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg, wird ausgesprochen wortkarg, wenn man ihn danach fragt.

Kehrt die Gastronomie zurück?

Dabei ist es keineswegs so, als ob man in Bückeburg Gastronomie nicht könnte – im Gegenteil. Vor drei Jahren sind die Besichtigungs- und Gastronomiebetriebe Schlossküche, Parkcafé, Wilhelmstein im Steinhuder Meer und der Ida-Turm in Eigenregie unter einer GmbH gebündelt worden. Weh bestätigt immerhin, es habe Gespräche mit Stephan und Doreen Kehlenbeck vom „Schaumburger Ritter“ gegeben, doch zu einem Ergebnis sei man noch nicht gekommen. Die Kehlenbecks vermieten die Ferienwohnungen im Torhaus, wo man sich auch standesamtlich trauen lassen kann.

Der – vorerst – letzte Pächter der Burggaststätte, Michael Becker, ist skeptisch, ob es auf der Burg jemals wieder eine Gästebewirtung geben wird. Der Sanierungsbedarf in der Burggastronomie sei erheblich, weil nichts mehr den aktuellen Standards entspricht, weder bei der Technik noch bei den Sanitäranlagen. Und vorbei seien die Zeiten, wo Kurgäste aus Bad Nenndorf und Bad Eilsen busweise eingekehrt seien. Becker sagt, heute kämen Wanderer. „Die haben ihr Essen im Rucksack.“ Und die Touristen wollten eigentlich nur auf die Toilette.

Zwar wird von Kommunalpolitikern immer wieder betont, welchen identitätsstiftenden Wert die Schaumburg für das Schaumburger Land habe, doch die meisten Kommunen haben zurzeit wichtigere Baustellen, als eine Burggastronomie zu fördern.

Die Burg ist gut in Schuss

Fairerweise muss man sagen, es gibt zwar keine Gaststätte auf der Burg, aber die Burg selbst ist gut in Schuss. Ihr Eigentümer, das Fürstenhaus Schaumburg-Lippe, hat stets in das Baudenkmal investiert. So sind im Jahr 2010 zum 900-jährigen Bestehen die Mauern verfugt und gereinigt worden, und am Burgaufgang wurde ein neuer Handlauf installiert.

Auch der Heimatbund der Grafschaft Schaumburg in Rinteln engagiert sich. So hängt auf seine Initiative wieder eine Glocke im „Kühnen Henke“, dem Glockenturm. Und in einer Gemeinschaftsaktion von Stadt und Fürstlicher Hofkammer ist im Rahmen eines Leaderprojekts ein Rundweg um die Burg angelegt und ausgeschildert worden.

Auch Museumsleiter und Historiker Dr. Stefan Meyer betont, die Burganlage sehe heute besser aus als noch vor zehn Jahren. Für ihn komme es jetzt vor allem darauf an, das Umfeld der Burg weiter instandzuhalten. Dazu gehöre beispielsweise, dass man auf der Südseite die Vegetation kurz hält, den kleinen Garten pflegt, die Wege freihält. Und Meyer erinnert daran, dass schon einmal bürgerschaftliches Engagement die Burg vor dem Abbruch gerettet habe. Im Jahr 1840 sollte sie nämlich „auf Abbruch“ verkauft werden.

Die Saison auf der Schaumburg hat in diesem Jahr mit den ersten Sonnentagen begonnen. Auch auf der Homepage des Tourismuszentrums Westliches Weserbergland wird wieder für die Burg geworben: „Sieben Tage die Woche zugänglich und geöffnet.“ Man kann auch nach wie vor auf eigenes Risiko für 50 Cent über die Holztreppen auf den Georgsturm hochsteigen. Die Büchse für den Eintritt hängt an der Treppe. Nur die „gemütliche Burggaststätte“, die noch immer auf der Homepage empfohlen wird, die gibt es nicht mehr.

Von Hans Weimann