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Rinteln Ortsteile Bärenstark: Ein Grizzly im Klosterdorf
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20:01 29.10.2012
 Holzschnitzer Alexander Meier (37) im Möllenbecker Feld mit seinem 2,30 Meter großen Grizzly – mit der Motorsäge aus einer alten Pappel geschnitzt. Quelle: pk
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Möllenbeck (pk)

Der Stamm einer alten Pappel aus Krankenhagen ist zu einem Grizzly im Möllenbecker Feld geworden, wo der 37-jährige Meier arbeiten kann, ohne mit seiner Motorsäge Nachbarn zu stören.

 15 Stunden Schnitzarbeit stecken in dem hölzernen Bären, fünf weitere Stunden werden noch folgen, um die Kanten abzuschleifen. „Dann wird der Bär geölt und mit Grafitspray in Braun, Schwarz und Weiß eingefärbt“. schildert Meier.

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 Zwar hatte er bereits vor zwei Jahren den Grizzly angekündigt. Aber damals steckte sein Hobby, das Holzschnitzen, noch in den Kinderschuhen. „Ich musste erst mal üben“, sagt er. „Mein erster Versuch, einen Bärenkopf zu schnitzen, sah eher aus wie ein kleines Schweinchen.“

 Einen Bezug zu Holz habe er schon immer gehabt. „Mein Vater hat mich von klein auf zum Brennholzmachen mitgenommen“, erzählt Meier, der beruflich als Metaller arbeitet. Als sein Arbeitgeber 2009 Kurzarbeit einführte, hatte Meier plötzlich mehr Zeit als sonst – also was tun? „Mein Cousin arbeitet in der Forst und machte damals schon Holzschnitzerei, das fand ich interessant“, sagt er. Also habe er selbst angefangen, kleine Figuren zu schnitzen – von Anbeginn mit der Motorsäge.

 Seitdem sind viele Späne zu Boden gefallen, und Meier hat sich kontinuierlich verbessert. Etliche Adler, Eulen, Elfen und Pferdebänke habe er gemacht. „Eulen sind der Renner, sie sind der Deutschen liebstes Kind“, befindet Meier. Vor den Büschen an seinem Arbeitsplatz im Möllenbecker Feld liegen ein paar hölzerne Figuren, die ihm misslungen sind und jetzt nur noch als Brennholz dienen. „Das gehört dazu, das hätte mir mit dem Bären auch passieren können, schließlich müssen die Proportionen ja auch passen“, erklärt er. Einen Bären hatte er bereits vorab geschnitzt, für einen Bekannten aus dem Lipper Land. „Aber der Bär ist viel zu dünn geworden“, meint Meier.

 Inzwischen präsentiert Meier sein Hobby auf dem Rintelner Ökomarkt und nimmt an bundesweiten Treffen von Holzschnitzern teil. Zuletzt war er im Schwarzwald, wo er mit 40 anderen Künstlern an einem Wettbewerb namens „Gruppen-Speed-Carving“ (engl. schnitzen) teilnahm. Je vier Künstler mussten in 45 Minuten eine Holzbank schnitzen. Meiers Gruppe belegte den 1. Platz: 385 Euro Preisgeld. Das Geld investiert Meier in weitere Wettbewerbe oder Kurse.

 Das Kunsthandwerk hat er sich selbst beigebracht. Aber im nächsten Jahr möchte er mal an einem Gesichterkurs bei einem Bildhauer teilnehmen. Nicht zuletzt, weil er sehr häufig nach Weihnachtskrippenfiguren gefragt werde. Viele seiner Arbeiten hat er einfach verschenkt. Aber eines Tages könne er sich auch vorstellen, ein Kleingewerbe zu eröffnen.

 Den Bären stellt er zwar zunächst in den eigenen Vorgarten zu den anderen Holzschnitzfiguren in der Lemgoer Straße. Aber wenn ihn jemand haben möchte, sei er zu Verkaufsgesprächen bereit. Doch so ein Holzbär, in den stundenlange Arbeit gesteckt wurde, hat seinen Preis. Für unter 1000 Euro werde der Grizzly wohl nicht zu haben sein. Aber noch ist die Holzschnitzerei nur ein Hobby des Metallers.

 Fast jeden Tag nach Feierabend schnitzt er mit der Motorsäge an seinen Figuren im Möllenbecker Feld. Hier genieße er die Ruhe, die zumindest dann herrscht, wenn seine Motorsäge mal nicht läuft. Das Schönste an der Arbeit mit dem Holz seien die Reaktionen der Leute auf seine Schnitzarbeiten. „Ihr Ah-Gefühl, das Staunen“, beschreibt Meier. Aber jetzt steht erst mal die Winterpause an. „Ich mache die Motorsägen sauber und ruhe mich aus“, sagt Meier. Und im Frühjahr nächsten Jahres soll dann der Grizzly auch vollendet sein.