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Rinteln Ortsteile „Der Stadt geht es nur ums Geld“
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile „Der Stadt geht es nur ums Geld“
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09:36 25.05.2018
Kindergarten an zwei Standorten, U3-Betreuung und Vereinsfeiern unter einem Dach? Dagegen protestiert der Elternrat.
Kindergarten an zwei Standorten, U3-Betreuung und Vereinsfeiern unter einem Dach? Dagegen protestiert der Elternrat. Quelle: rnk
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Deckbergen/Schaumburg

„Wir freuen uns natürlich, dass überhaupt etwas gemacht wird“, sagt Sven Peters vom Elternrat, der die Interessen der Eltern vertritt, deren Kinder in der Einrichtung am Kirchplatz betreut werden. Ihm und seinen drei Mitstreiterinnen gehen die Pläne gehörig gegen den Strich – und die Vorgehensweise der Stadt. Zu viert haben sie unsere Zeitung daher zum Gespräch gebeten.

Beschlossen hat der Rat die Pläne Ende November 2017, die Ausschüsse waren bereits Anfang November (wir berichteten) mit dem Thema durch – doch zu einem Gespräch mit Vertretern der Stadt sei es erst Ende Januar gekommen, und zwar auf Wunsch des Elternrates. „Da standen die Pläne schon fest, wir konnten uns nicht mehr einbringen“, erzählt Peters. Er fühle sich, als würden die Pläne „von oben herab“ von der Stadt diktiert werden. Er stellt sich die Frage: „Sind die Meinung der Eltern und die der Kindergartenleitung denn nicht erwünscht?“

Erhebliche Mängel

„So funktioniert doch keine Demokratie“, echauffiert sich Elternratsmitglied Sarah Winewski. „Wir wissen doch, was die Kinder brauchen.“ Lange sei außerdem schon klar, dass der Kindergarten teilweise erhebliche Mängel aufweist. Dies hatte auch diese Zeitung immer wieder berichtet. Doch ausgebessert wurden bislang nur „Kleinigkeiten“, sagt der Elternrat.

Nun lehnt er die Pläne der Stadt geschlossen ab, aus Zweifel, dass sich die Ansprüche von Kindergarten mit U3-Betreuung und Dorfgemeinschaftshaus in einem Gebäude wie dem in Schaumburg miteinander vereinbaren lassen.

Der Elternrat sieht etliche Baustellen: Wenn am Sonntag eine große Feier im Dorfgemeinschaftshaus stattfand, wie soll ab Montagmorgen wieder regulärer Kindergartenbetrieb herrschen? Wenn der Kindergarten im hinteren Gebäudeteil untergebracht werden soll, sollen dann die Kinder immer über den Parkplatz laufen müssen? Außerdem suggeriere die Stadt einen Kindergarten mit Waldpädagogik – doch zum Wald ginge es nur mit einem erheblichen Umweg. Da sei der Weg von der Ortsmitte in Deckbergen aus bis zum Wald ebenso lang.

„Zwei Ansprüche, die nicht zusammen funktionieren“

Laut Peters stehen die Umbaupläne längst fest. Diese sehen unter anderem vor, dass sich Kindergarten und DGH einen großen Raum teilen – als Bewegungsraum für die Kinder und Veranstaltungsraum inklusive Theke für Vereine und Feuerwehr. „Zwei Ansprüche, die nicht zusammen funktionieren“, so Patrizia Jonek vom Elternrat.

Laut Aussagen der Stadt solle das DGH durch den Umbau künftig als Mehrgenerationenhaus fungieren, in dem Vereine auch Aktionen für die Kinder anbieten. Nur: Das funktioniere jetzt schon nicht, kritisiert der Elternrat. Er befürchtet, dass die Stadt Rinteln durch die Betitelung als Mehrgenerationenprojekt Fördermittel für das DGH abgreifen will, doch dass diese angedachte Kooperation hinterher lediglich auf dem Papier bestehen wird.

„Der Stadt geht es hier nur ums Geld“, kritisiert Winewski. „Dabei sind doch die Kinder die Zukunft.“ Dabei werde den Schaumburgern natürlich ein saniertes DGH gegönnt, betonen alle vier Elternratsmitglieder. Jedoch nicht auf Kosten des Kindergartens.

Alle Einrichtungen in Laufweite

Der Elternrat befürwortet einen Neubau oder den Umbau eines bestehenden Gebäudes in Deckbergen. So würden Krippe, Kindergarten und Grundschule in Laufweite zueinander bleiben. Das habe viele Vorteile. Unter anderem sei dies ausschlaggebendes Argument für junge Familien, um nach Deckbergen zu ziehen. Kinder würden so zudem von klein auf alle Einrichtungen kennenlernen, und Elterntaxis könnten vermieden werden.

Der Elternrat befürchtet, dass sich auch durch den geplanten Neu- und Umbau für über eine Million Euro, wie es derzeit von der Verwaltung kalkuliert wird, die Lage vor Ort nicht bessern wird. Und dass weitere Eltern ihre Kinder aus der Deckberger Einrichtung nehmen könnten. „Wir wünschen uns eine vernünftige, zukunftsfähige Lösung für Deckbergen“, sagt Gesa Köster. Doch nicht auf die Art, wie es geplant sei. mld

Noch zahlreiche Detailfragen zu klären

Mit den Vorwürfen und Befürchtungen des Elternrates konfrontiert, versucht Hans-Georg Dlugosch vom Amt für Bildung und Kultur zu beschwichtigen: „Wir können den Kindergarten noch längst nicht bauen“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Es seien noch etliche Fragen und Einzelheiten zu klären. Wegen der Doppelnutzung des Gebäudes in Schaumburg „müssen wir unterschiedlich verfahren“, so Dlugosch. Der Teil des DGH komme wahrscheinlich für EU-Fördermittel in Frage, der Umbau des Kindergartens wiederum eventuell für andere Fördertöpfe. „Es gibt noch zahlreiche Detailfragen zu klären“, so Dlugosch. Zwar gebe es schon eine grobe Planung, die jedoch noch „mit niemandem besprochen“ sei. So fehlten noch der Abschluss der Grobkostenschätzung, die Absprachen mit der Kirche (der Kindergarten befindet sich in Trägerschaft der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Deckbergen) sowie Absprachen mit der Landesschulbehörde, die auch für Kindergärten zuständig ist. Die weiteren Planungen müssten zudem noch in den politischen Gremien besprochen und beschlossen werden. Auch die Trägerschaft des erweiterten Kindergartens ist laut Dlugosch noch ungeklärt. Gespräche mit der Dorfgemeinschaft, welche Wünsche und Ansprüche sie an das sanierte Dorfgemeinschaftshaus hätten, habe es aber bereits gegeben.