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Rinteln Ortsteile Gegen diese Eindringlinge sind Bäume wehrlos
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21:46 28.08.2018
Diese Fichte ist vom Borkenkäfer befallen. Förster Stefan Körbel legt mit dem Schäleisen Fraßgänge unter der Rinde frei. Die Markierung besagt, dass der Baum gefällt werden muss.
Diese Fichte ist vom Borkenkäfer befallen. Förster Stefan Körbel legt mit dem Schäleisen Fraßgänge unter der Rinde frei. Die Markierung besagt, dass der Baum gefällt werden muss. Quelle: who
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Der August ist nicht die Hauptsaison für den Holzeinschlag im Wald. Trotzdem ist zurzeit im Revier Dobbelstein das Geräusch von Motorsägen zu hören, gefolgt vom dumpfen Aufschlag fallender Bäume.

Borkenkäfer vermehrt sich explosionsartig

Der Grund hierfür ist die lang anhaltende Trockenheit, die eine explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers begünstigt hat. Und ehe der Käfer zur lebensbedrohenden Gefahr für den Fichtenwald wird, müssen befallene Bäume jetzt möglichst schnell aus den Beständen gebracht werden.

Stefan Körbel, seit August 2016 Leiter des Reviers Dobbelstein, erklärt, was es mit dem Insekt auf sich hat: „Die Borkenkäfer kommen grundsätzlich in jedem Jahr vor, nur eben nicht so zahlreich, dass sie eine Gefahr für den Wald bedeuten.“

Dem Käfer, von dem es weltweit etwa 5000 Arten gebe – davon mehr als 150 in Europa – komme als Primärkonsumenten eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf des Ökosystems zu. Denn der Borkenkäfer mit seiner Gefräßigkeit leiste wertvolle Dienste bei der Zersetzung abgestorbener beziehungsweise kränkelnder Bäume.

Kein normales Jahr

So sei es jedenfalls in „normalen Jahren“, erklärt der Förster. Aber 2018 mit Orkan „Friederike“ und mit überlangen Hitzeperioden sei eben kein normales Jahr, besonders für den Wald, unterstreicht Stefan Körbel. Denn der Extremsommer hat außergewöhnlich viele Bäume Durst leiden lassen, sodass die Buchen schon jetzt und lange vor dem Herbst ihr Laub abwerfen. „Sozusagen als Schutzreaktion, um nicht infolge von Transpiration und Wasserverdunstung über die Blätter zu vertrocknen“, erläutert Körbel.

Daneben ist Nadelbäumen wie etwa den Fichten im Taubenberg ebenfalls anzusehen, dass sie Durst leiden. Größere braune Bereiche in den Kronen zeigen die Wasser-Unterversorgung an, die dann meist auch ein Indiz für den Borkenkäferbefall darstellt.

So arbeiten die Schädlinge

Borkenkäfer – bei der Fichte ist es der sogenannte Buchdrucker – bohren sich durch die äußere Borke und legen unter der Rinde ihre charakteristischen Brutsysteme an. Die Larven ernähren sich dann von den saftführenden Schichten des Baumes. Diese Schicht ist die Lebensader des Baumes, sodass der Borkenkäferbefall meist zum Absterben führt.

In Normaljahren kann der Baum durch den Harzfluss vielfach die Käfer am Eindringen in die Rinde hindern.

„Im Durstsommer 2018 dagegen haben die Käfer ideale Brutbedingungen“, sagt Körbel. Die Fichten hätten durch die Trockenheit dem Käfer kaum etwas entgegenzusetzen. Aufgrund der Trockenheit werden nicht nur zwei Käfer-Bruten möglich, „sondern es ist sogar mit einer dritten Käfergeneration zu rechnen“, schätzt der Förster.

Nur rasches Arbeiten verhindere oder dämpfe die Ausbreitung des Käfers“, erläutert Körbel. Inzwischen sei ein Harvester bestellt, also eine Holzvollerntemaschine der Niedersächsischen Landesforsten, der die abgelegten Bäume entasten und zuschneiden soll. who