Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Ortsteile Goldgräberstimmung im Auetal
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Goldgräberstimmung im Auetal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 19.05.2017
Wie aus dem Weltall: Ulrich Clemens (links) und Christian Sprenger von der Firma Scanblue zeigen, wie die neue Technik funktioniert. Quelle: la
REHREN

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind Begriffe, die immer häufiger zu hören und zu lesen sind. Genau das ist der Markt, auf dem sich Scanblue bewegt – ein Markt, der sich rasant entwickelt.

„Wir scannen Objekte dreidimensional ein, gestochen scharf und in HD-Fotoqualität, und zwar mit ganz geringem Datenvolumen“, erklärt Ulrich Clemens von der Firma Scanblue. Diese digitalisierten Objekte finden dann mithilfe der VR- und AR-Technologie ihren Weg in Online-Shops und virtuelle Welten.

Es ist schwer vorstellbar, wie das Ganze funktioniert und aussieht. Unsere Zeitung durfte jetzt einen Blick hinter die Kulissen werfen, bekam Erklärungen und konnte die neue Technik selbst ausprobieren.

Neuste Technik zum Anfassen

Scanblue hat entsprechende Scanner und die dazugehörige Software entwickelt, baut die Scanner und verkauft diese, hat aber in Rehren auch eine Scan Factory eröffnet, wo Objekte für Firmen eingescannt werden. „Das können Schuhe, Werkzeuge, Haushaltsgeräte, Bekleidung, Möbel bis hin zu ganzen Autos sein“, erklärte Clemens.

Der „3-D-Scandesigner“ Elbonit Hajdari zeigt, wie es geht. Auf dem Scanner der Firma Scanblue steht eine Figur. Diese wird, während sie sich langsam dreht, fotografiert. „Zwölf Fotos reichen in diesem Fall“, so Hajdari. Mithilfe der Scanblue-Software wird das 3-D-Modell erstellt, und die Oberfläche erhält eine hochaufgelöste Textur. Dann bewegt sich die Figur dreidimensional über einen Bildschirm. „Gelernt habe ich diesen Beruf nicht, denn eigentlich gab es den vor Kurzem noch nicht. Aber ich habe Freude am Fotografieren und wohl auch das richtige Auge, denn das benötigt man für diese Arbeit“, erzählt der Scandesigner.

Weiter geht es in den Vorführraum. Dort setzt die Schreiberin dieser Zeilen eine VR-Brille auf, bekommt zwei Controller in die Hände, die als Greifer dienen sollen – und steht plötzlich in einem völlig anderen Raum. Christian Sprenger hatte diesen virtuellen Raum zuvor auf dem PC eingerichtet. Die Größe festgelegt, Fenster „eingebaut“, den Fußboden ausgewählt. Nun hat man die Möglichkeit, den Raum über die Greifer selbst zu gestalten. Die Objekte dafür findet man in einem „Shop“. Man wählt sie aus, nimmt sie und setzt sie dort ab, wo man es sich vorstellen kann. Sessel, Deko-Artikel wie die Figur, die Hajdari zuvor gescannt hat, sind in der Auswahl zu finden. Es ist ungewohnt, sich in dem Raum zu bewegen, aber es ist phantastisch. Noch atemberaubender ist das Ganze mit der „HoloLens-Brille“.

Die Zukunft in 3D

„Sie tragen da jetzt die allerneueste Technik von Microsoft, die offiziell noch nicht auf dem Markt ist“, erklärt Clemens.

Mit dieser Brille befinde ich mich in dem Vorführraum und sehe, was ich auch ohne diese Brille sehen würde. Allerdings kann ich auch hier über ein Menü Gegenstände auswählen, die virtuell erscheinen und die ich dann von allen Seiten betrachten kann. Zum Beispiel kann ich eine Waschmaschine, die ich in den Raum gestellt habe, anschauen, drum herumgehen und mir einen deutlichen Eindruck davon verschaffen.

Genau das ist das Geschäftsmodell von Scanblue. Dinge einscannen und virtuell in 3-D darstellen. „Das Geschäft boomt. Und wir halten Patente, sodass wir die Einzigen bleiben werden, die das weltweit können. Ob Schuhe, Kleidung, Einrichtungsgegenstände, Unterhaltungselektronik – alles wird von uns, im Auftrag von Firmen aus ganz Deutschland und der Welt, gescannt. Das Einkaufen im virtuellen 3-D-Shop wird in Kürze Normalität sein“, weiß Clemens. In Rehren herrsche Goldgräberstimmung. Allerdings können schon jetzt nicht mehr alle Aufträge angenommen werden. „Wir brauchen dringend mehr Mitarbeiter und werden die Technologien künftig auch zusätzlich im Franchising vermarkten“, so Clemens. Derzeit arbeiten knapp 50 Mitarbeiter in Rehren für Scanblue, aber etwa 100 weitere werden benötigt für das Scannen, den Bau der Scanner und vieles mehr. Grafiker, Medien- und Gamedesigner, 3-D-Modeller, 3-D-Scandesigner, Fotografen, Maschinenbauingenieure, Softwareentwickler aus allen Bereichen, 3-D-Animateure, Finanzbuchhalter und Mitarbeiter im Controlling werden dringend gesucht.

„Wir wissen, dass wir für die neuen Berufe, wie zum Beispiel die 3-D-Scandesigner, keine ausgebildeten Kräfte finden, diese Berufe werden ja noch nicht ausgebildet. Aber wer gerne fotografiert und ein gutes Auge hat, der wäre schon geeignet. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter in allen Bereichen und arbeiten sie entsprechend ein“, so Clemens.

Demnächst wird sich die Firma Scanblue in Rehren mit einer Einweihungsfeier der Öffentlichkeit präsentieren. la