Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Ortsteile "Hier blüht euch was": Wo Todenmann der Natur mehr Raum geben will
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile "Hier blüht euch was": Wo Todenmann der Natur mehr Raum geben will
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:22 01.10.2019
Rund um die neue Feuerwehr in Todenmann sollen künftig blühende Pflanzen im Mittelpunkt stehen. Gemäht werden soll kaum noch Quelle: Jessica Rodenbeck
Todenmann

Wenn Maria Rollinger gewusst hätte, was ihr bei der jüngsten Ortsratssitzung blüht, hätte sie sich für den Abend vielleicht etwas anderes vorgenommen.

Denn der Vortrag, den die Extener Nabu-Aktive auf Einladung von Ortsbürgermeister Helmuth Künneke zum städtischen Projekt „Hier blüht euch was“ hielt, wurde von einigen der zahlreich vertretenen Zuhörer sehr kritisch aufgenommen. So kritisch, dass sich zwischenzeitlich sogar der stellvertretende Ortsbürgermeister Björn Rinne genötigt sah, die Gemüter zu beruhigen.

Eigentlich hatte alles ganz friedlich angefangen

„Ich finde es ein Ding, dass Frau Rollinger sich hier wiederholt für eine gute Sache rechtfertigen muss“, wandte er sich an einige Herren, die den Vortrag zuvor immer wieder unterbrochen hatten.

Dabei hatte eigentlich alles ganz friedlich angefangen. Rollinger hatte das Konzept „Hier blüht euch was“ vorgestellt, das aus dem 2017 beschlossenen Aktionsplan „Bienenfreundliches Rinteln“ hervorgegangen ist. Und sie hatte nicht nur grundsätzliche Erklärungen im Gepäck, sondern auch zahlreiche Vorschläge, wie man auch Todenmann ohne großen Aufwand insektenfreundlich gestalten könnte.

Hintergrund:
Warum sind Bienen so wichtig für die Umwelt?

Anhand von Fotos regte sie beispielsweise an, die Straßenränder nur noch einmal jährlich – im Frühsommer – zu mähen und dann von Juli bis September nicht mehr. So würde das Gras nicht zu lang werden, und die wilden Blühpflanzen wie Nachtkerze, Rainfarn und Schafgarbe hätten die Möglichkeit, sich zu entwickeln. „So könnten die Insekten auch nach der Kirschblüte noch Nahrung finden.“

Rintelns Bauhof hat keine Einwände gegen das Projekt

Doch schon hier gab es erste Einwände. Selbst wenn man alle Straßenränder in Deutschland zusammennehmen würde, kämen dabei gerade einmal 10000 Hektar heraus, rechnete ein Zuhörer vor. „Wieso regen wir uns darüber auf?“, fragte er, zumal der Bauhof es doch gar nicht schaffe, im Frühsommer alle Flächen zu mähen, warf ein Anderer ein. „Wir sind doch froh, wenn die überhaupt mal kommen!“

Dass der Baubetriebshof nicht hinterherkommt, stimme ihres Erachtens nicht, entgegnete Rollinger. Bisher habe es vom Bauhof, mit dem man im Gespräch sei, auch keine Einwände gegen das Projekt gegeben.

Die Emotionen kochen hoch

Außer den Straßenrändern stellte Rollinger die vielen Hänge, die es im Kirschendorf gibt, in den Vordergrund. Diese seien ja nur sehr aufwendig zu mähen. „Sparen Sie sich die Arbeit, lassen Sie es blühen“, regte sie an – ein Vorschlag, mit dem gerade einige ältere Semester nicht viel anfangen konnten.

Insbesondere, als Rollinger einen Hang zeigte, der durch einen Maschendrahtzaun abgegrenzt wird, kochten die Emotionen hoch. Neben der Frage, wie denn ein Hang „mit hohem Kraut“ aussehen würde, und der Ansicht, dass dort „nur Unkraut“ wachse, wurde Rollinger auch die Frage gestellt, wie man denn den Maschendraht sauber halten solle, wenn da einmal das Gras reingewachsen ist.

Lesen Sie auch:
Verschönerungsverein Rinteln sucht den schönsten Balkon - das ist der Gewinner

„Ich mache hier nur Vorschläge. Was Sie daraus machen, ist Ihre Sache und die Sache des Ortsrates“, erinnerte Rollinger.

Eine Blühmischung ist nicht erforderlich

Und Vorschläge hatte die Extenerin auch für das Gelände um die Mehrzweckhalle und die unterhalb gelegene Böschung am Ortseingang. Sie schlug einen gemähten Weg einmal rund um die Halle herum vor, rechts und links vom Weg sowie an den Hängen solle hingegen – bis auf den einen Schnitt im Frühsommer – nicht mehr gemäht werden.

Einzelne Bereiche, wie beispielsweise der um die Sitzecke oder der Spielplatz, müssten selbstverständlich weiter kurz gehalten werden. Und für die Bekämpfung der Kratzdistel, die auf einem Teil des Geländes wächst, riet sie, sich professionelle Unterstützung holen.

Generell müsse man keine extra Blühmischung aufbringen, erklärte sie auf Anfrage des stellvertretenden Ortsbürgermeisters. Das, was von allein wächst, sei ideal an die Region angepasst.

Pilotprojekt soll an Feuerwehr und Mehrzweckhalle starten

„Ich bin aber keine Fundamentalistin“, stellte sie klar. Ihrer Meinung nach dürfe man auch den Menschen und seine Bedürfnisse nicht aus der Kulturlandschaft herauslassen. In einer geschlossenen Ortschaft spreche daher nichts gegen blühende Pflanzen, beispielsweise aus der Blühmischung „Rintelner Blütenzauber“.

„Mich würde das Projekt neue Feuerwehr reizen“, resümierte Ortsbürgermeister Künneke. Sein Vorschlag, offiziell Partner des Projekts „Hier blüht euch was“ zu werden, wurde dann auch einstimmig angenommen. Erstes Pilotprojekt soll der Bereich um die neue Feuerwehr und die Mehrzweckhalle werden. Ebenso einstimmig fiel ein Antrag auf entsprechende Haushaltsmittel aus. von Jessica Rodenbeck

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.