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Rinteln Ortsteile Im Revier Dobbelstein wachsen Bäume für den Klimatest
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Im Revier Dobbelstein wachsen Bäume für den Klimatest
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00:23 23.03.2019
Revierförster Stefan Körbel überprüft den Wuchs frisch gepflanzter Bäume. Quelle: who
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Hohenrode

Die Bäume haben sich bisher als wuchsfreudig, vital und standfest erwiesen. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art liege in Kalifornien an den Westhängen der Sierra Nevada in Höhenlagen zwischen 1350 und 2500 Meter, so Körbel. Die höchsten Exemplare werden dort bis zu 100 Meter hoch und haben in Brusthöhe einen Durchmesser von zwölf Meter. Mammutbäume können 3200 Jahre alt werden – eine kaum vorstellbare Zeitspanne. Körbel sagt auch, es sei einer seiner großen Wünsche, diese Bäume einmal in ihrer Heimat sehen zu können.

Anpflanzungen gehen auf Revierförster Kassner zurück

Die Mammutbäume hat der ehemalige Revierförster Hubertus Kassner pflanzen lassen, der inzwischen im Ruhestand in Rinteln lebt. Es sind nicht die einzigen ungewöhnlichen Anpflanzungen Kassners in diesem Revier. Auf seine Veranlassung ist auch die Esskastanie (Castanea sativa) am Unteren Schlangenweg angepflanzt worden, ein Laubbaum, der aus Südeuropa kommt. Sein Holz gilt als besonders dauerhaft, ähnlich wie Eichenholz, werde also gern als Konstruktionsholz verwendet, sogar im Wasserbau, schildert Körbel. „Die stärkehaltigen Früchte sind schon von den Römern als Nahrungsmittel geschätzt worden.“ Was Wanderern auffallen könnte: Die Blüte der Esskastanie ist auffällig und wird gern von Bienen auf Nahrungssuche angeflogen.

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Stärkere Exemplare der Esskastanie stehen im Revierteil Friedrichsburg und sind etwa 100 Jahre alt. Körbel erinnert daran, dass die Esskastanie 2018 „Baum des Jahres“ gewesen ist. „Deshalb haben wir mit den Kindern im Waldkindergarten ,Heidestrolche‘ in Strücken Jungbäume gepflanzt.“

Körbel: "Seiner Zeit weit voraus"

Für Körbel war sein Vorgänger Kassner, der das Revier Dobbelstein mit einer Vielzahl von Baumarten bereichert hat, „damit seiner Zeit weit voraus“. Wie der Sturm „Friederike“und die nachfolgende Borkenkäferkatastrophe gezeigt hätten, müsse der Wald zunehmend Klima-Extreme bewältigen. In dieser Hinsicht hätten Kassners „Versuchsanbauten“ einen „hohen Zeigewert“. Man könne sehen, welche Baumarten bei verändertem Klima in unseren Breiten gut zurechtkommen und welche nicht.

Klar ist, alles hängt auch vom Standort ab. Ein Flachwurzler wie die Fichte leidet am meisten, Mischwälder kommen besser mit Trockenheit und Hitze klar.

All die Baumarten, die Kassner in den Jahren zwischen 1968 und 1999 hat anpflanzen lassen, sind aufgelistet und dokumentiert: 25 unterschiedliche Laubbaumarten, darunter Elsbeere, Mehlbeerbaum, Tulpenbaum, Fächerblattbaum, Walnuss, Edelapfel und Wildobst. Hinzu kommen 16 Arten von immergrünen Bäumen wie Tränenkiefer, Küstentanne, Helmlockstanne, Eibe, Riesenlebensbaum, Scheinzypresse, Säulenwacholder – und eben die Mammutbäume.

Von Hans Weimann