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Rinteln Ortsteile Jetzt erzeugen beide Eisenhämmer Strom
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Jetzt erzeugen beide Eisenhämmer Strom
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20:36 21.05.2018
Am meisten fasziniert sind Besucher, wenn Wolfgang Ehrich das Schmiedfeuer glühen lässt und das Gartengerät – wie hier eine Hacke – danach auf dem Amboss bearbeitet.
Am meisten fasziniert sind Besucher, wenn Wolfgang Ehrich das Schmiedfeuer glühen lässt und das Gartengerät – wie hier eine Hacke – danach auf dem Amboss bearbeitet. Quelle: wm
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Exten

Darüber freuten sich Horst Vöge vom Heimatverein Exten, die vielen Helfer, Ortsbürgermeister Bernd Kirchhoff und Sieghard Kretzer.  Der untere Eisenhammer tut das zuverlässig bereits seit 30 Jahren mit der „neuen“ Turbine (die erste Turbine lief hier ab 1902).

Am oberen Eisenhammer ist das möglich, nachdem im Frühjahr das neue Wasserrad mit der Eichenholzwelle montiert worden war. Seit der Heimatverein ein eigens geformtes „Fingerblech“ am Einlauftrog vor den Schaufeln des Wasserrades habe montieren lassen, das das Wasser verwirbelt, sei auch die Geräuschkulisse niedriger geworden, schilderte Vöge.

Inzwischen sei der neue Schwanzhammer nach klassischem Vorbild eingebaut, und damit könne man auch mit praktischen Vorführungen im oberen Eisenhammer beginnen: „Etwas Einarbeitungszeit brauchen wir allerdings noch.“

3,25 Millionen Kilowattstunden Strom in 30 Jahren

3,25 Millionen Kilowattstunden Strom hat der untere Eisenhammer in den 30 Jahren produziert. Kretzer weiß das so genau, weil er jeden Tag in einer Kladde den erzeugten Strom notiert, dazu das Wetter und welche Vögel er an der Mühle gesehen hat, wann die ersten Schwalben gekommen sind und wann er die erste Bachstelze entdeckt hat.

„Wasserkraft“, sagt Kretzer, „definiert sich aus der Fallhöhe des Wassers.“ Wenn Kretzer erzählt, werden die arbeitsreichen Tage in den Eisenhämmern wieder lebendig, was er auch mit humorvollen Anekdoten ausschmückt.

Arbeit, die "blank und jung hält"

Kretzer hat nämlich nicht nur landwirtschaftliche Geräte hergestellt, sondern wusste sie auch zu handhaben. „Ich habe in jungen Jahren sogar noch den Weizen mit der Sense gemäht.“ Und Kretzer erzählt, dass sein Großvater einmal auf zwei Pflüge gezeigt habe, die auf dem Hof abgestellt gewesen seien. „Eine Pflugschar war blank, die andere verrostet – und mein Großvater hat gesagt: ‚Siehst du, es ist die Arbeit, die dich blank und jung hält.’“

Die Wandlung des Stahls im Feuer und unter dem Hammer auf dem Amboss, das fasziniere ihn noch heute, denn das sei das Geheimnis der Extener Spaten gewesen: die Schmiedearbeit.

Außer seiner Arbeit hatte Kretzer ein zweites Hobby, dem er leidenschaftlich nachgegangen ist. Er gehört mit zu den „Urgesteinen“ des Rintelner Luftsportvereins und hatte lange Jahre mit Gerd Bullerdiek ein eigenes Segelflugzeug. Seeadler, wie sie heute wieder an den Hohenroder Kiesteichen zu sehen sind, hätten ihn manchmal im Flug begleitet: „Das sind Burschen, davor hat man Respekt.“

Selbst fliegen und schmieden kann Kretzer, inzwischen 82, nicht mehr, „obwohl ich noch ein paar Rohlinge habe, aus denen man was machen könnte“. Die praktische, körperlich herausfordernde Arbeit übernahm deshalb gestern am Mühlentag Wolfgang Ehrich.

Spaten halten mindestens zwei Generationen

Auch Ehrich ist überzeugt, dass es in Familien, die Handwerkskunst zu schätzen wissen, noch Spaten aus Exten gibt: „Die halten mindestens zwei Generationen. Da geht höchstens mal der Holzstiel kaputt, wenn man unbedingt eine Baumwurzel aushebeln will.“ Doch Ehrich relativiert: Zwar könnten sich Discounter-Spaten nicht mit Extener Qualität messen, doch die Technologie habe sich weiter entwickelt. Heute sei es möglich, auch industriell erstklassige Spaten herzustellen. „Nur, zum Dumpingpreis gibt es die natürlich nicht“, so Ehrich.

Dass beim Mühlentag beide Eisenhämmer als historische Industrie-Anlagen mit besonderem Flair wieder große Besucherscharen anlockten, die mit Bratwürstchen, Kaffee und Kuchen bestens versorgt wurden, versteht sich von selbst. Dass die Eisenhämmer etwas Besonderes sind, hat sich – wie am Mühlentag an den Kennzeichen der geparkten Wagen abzulesen – in der ganzen Region herumgesprochen.

Damit sind Kirchhoff und Vöge auch zufrieden. Vöge wünscht sich nur eines: „Mehr ehrenamtliche Helfer, die mal mit anfassen, wenn es die Maschinen zu reinigen und zu schmieren gilt.“ wm