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Rinteln Ortsteile Krankenhagens langer Weg zur Fußgängerampel
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Krankenhagens langer Weg zur Fußgängerampel
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22:43 24.06.2019
So wirklich sicher fühlt man sich auf der „Querungshilfe“ nicht, wenn die Lastzüge vorbeirauschen. Hier wäre ein möglicher Standort für eine Fußgängerampel. Quelle: wm
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Krankenhagen/Rinteln

Exten hat zwei, Möllenbeck ebenfalls, die Hohenroder sollen demnächst ihre erste bekommen – nämlich eine Bedarfsampel für Fußgänger an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt. Jetzt möchte auch Krankenhagen endlich die Signalanlage an der Landesstraße, die bereits vor zehn Jahren zum ersten Mal vom Ortsrat gefordert worden ist. Auch der nächste Kandidat steht schon in den Startlöchern: Engern wünscht sich für die Bewohner der Neelhofsiedlung ebenfalls eine Fußgängerampel.

Landesbehöre: Zu wenig Fußgänger, zu wenig Verkehr - aber anderer Zeitgeist

Bisher hatte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr solche Ansinnen immer mit dem Hinweis abgelehnt, es gebe nicht genügend Fußgänger, die die Straße überqueren wollten, und zu wenig Verkehr. Gemäß dem klassischen Grundsatz: Die „Leichtigkeit (und Sicherheit)“ des (motorisierten) Verkehrs hat Vorrang. Der „grüne“ Zeitgeist tickt inzwischen anders: Die Interessen der Fußgänger und Radfahrer rücken mehr in den Fokus.

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Zur Erinnerung: Noch im Dezember 2011 wurde eine Ampel an der B238 in Möllenbeck „mangels Bedarf“ abgelehnt. Ein „Nein“ hörten die Hohenroder noch vor sechs Jahren für eine Ampel an der Landesstraße 433. In Engern hatte man damals gleich die Segel gestrichen. „Ich sehe hier keine Mehrheit (für eine Ampel), also ziehe ich unseren Antrag zurück“, hatte Ortsbürgermeister Dieter Horn (SPD) damals im Finanzausschuss festgestellt.

Ironie der Geschichte: Die Neelhofsiedlung bekam ihre Ampel doch, zumindest zeitweise, und zwar während des Ausbaus der Steinberger Kreuzung. Der Verkehr ist deshalb nicht zusammengebrochen und Anwohner bedauern, dass die Ampel inzwischen wieder verschwunden ist.

Die besten Argumente hatte zuerst Exten: An der Mittelstraße queren regelmäßig Kinder auf dem Weg zur Schule und zum Kindergarten.

Behörde genehmigt, Stadt bezahlt

Der Deal für Bedarfsampeln war und ist: Die Landesbehörde genehmigt die Anlage, aber zahlen muss die Stadt Rinteln. Nach Ausstattung und Standort kostet so eine Anlage ab 35 000 Euro aufwärts. Nach Möllenbeck und Hohenrode schöpfen jetzt auch die Krankenhäger wieder Hoffnung, dass es diesmal klappen könnte. Denn es gibt einen konkreten Anlass: Im Vorjahr ist die Landesstraße 758 von Bösingfeld bis zum Bögerhof, also der Grenze zwischen NRW und Niedersachsen, saniert worden und hat eine neue Fahrbahndecke erhalten. 2020 soll es mit der Landesstraße weitergehen, die in Niedersachsen die Nummer wechselt, aus 758 wird 435. Der Ausbau ist von Krankenhagen bis zur Kreuzung in Exten geplant.

Bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln will man sich allerdings noch nicht endgültig festlegen. Behördenleiter Markus Brockmann erklärte in einer E-Mail: „Eine verbindliche Zusage, dass wir in 2020 bauen werden, kann ich noch nicht geben. Darüber werden wir in der zweiten Jahreshälfte im Zusammenhang mit unserer Bauprogrammaufstellung 2020 entscheiden, wenn auch der finanzielle Rahmen für 2020 feststeht. Eine konkrete Bauvorbereitung steht noch aus.“

Unabhängig davon sähe es Gerald Sümenicht, Ortsbürgermeister für Krankenhagen, gerne, dass die Stadt vorsorglich schon einmal die Kosten für eine Ampelanlage in den Haushalt 2020 aufnimmt. Für Sümenicht ist klar: „Krankenhagen ist jetzt an der Reihe.“

Ortsbürgermeister Sümenicht: "Krankenhagen an der Reihe"

Dann wäre da noch die Frage des Standortes. Im Sinne einer Schulwegsicherung wäre das in Krankenhagen an der Kreuzung Extertalstraße, Friedrichshöher Straße und Kirchanger. Denn in diesem Bereich liegen Schule und Kirche.

Ein Problem allerdings, das auch die Ortsdurchfahrt Krankenhagen betrifft, kann eine Fußgängerampel nicht lösen: die drastische Zunahme des Lkw-Verkehrs. Vielfach handelt es sich dabei um Mautflüchtlinge und Autofahrer, die die ständigen Staus auf der A2 in Richtung Süden über den „Lipper Highway“ entgehen wollen.

In Exten appelliert man seit Sommerbeginn zumindest in Sachen Geschwindigkeit an die Moral der Autofahrer: An beiden Ortseingängen sind Geschwindigkeitsanzeiger aufgestellt worden. Ein Smiley signalisiert dem Autofahrer, was er gerade auf dem Tacho hat. So eine Tempo-Anzeige wäre sicher auch in Krankenhagen sinnvoll, denn an die dort vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer hält sich kaum jemand.

Von Hans Weimann