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Rinteln Ortsteile Lebensgefahr: Pappeln in Rinteln sollen 2020 gefällt werden
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Lebensgefahr: Pappeln in Rinteln sollen 2020 gefällt werden
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09:31 08.08.2019
Von den Pappeln in Rinteln geht eine Gefahr für die Öffentlichkeit aus. Daher wurde bereits ein Weg gesperrt. Doch nicht jeder hält sich an das Verbot. Quelle: Tobias Landmann
Rinteln

Die Spitze von St. Sturmius und der schöne Nikolai-Kirchturm, beide gerade noch zu sehen hinter einer dichten Pappelreihe: Von Steinbergen über die Westumgehung kommend eröffnet sich ein schöner Blick auf die Weserstadt.

Rinteln-Panorama wird sich bald verändern

Doch der wird sich bald verändern. Denn die direkt an der Exter stehende Pappelreihe ist überaltert, regelmäßig brechen große Äste ab, der darunter verlaufende Fußweg musste bereits komplett gesperrt werden. Im kommenden Jahr soll nun eine Fachfirma anrücken und die Pappeln mit großem Aufwand zunächst von oben zurückschneiden – und schließlich fällen.

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Wegen der akuten Gefahr wurde der bei Spaziergängern und Hundebesitzern beliebte Weg über den Pioniersteg hinter der alten Jugendherberge an der Straße Am Bären bereits vor Monaten gesperrt. Doch das dafür verwendete Gitter wurde regelmäßig beiseitegestellt.

Selbst bei Windstößen könnten dicke Äste herunterfallen

„Eine unglaublich dumme Aktion“, findet Tiefbauamtsleiter Uwe Quindt. Die Pappeln seien derart gefährlich, dass selbst bei einem kräftigen Windstoß ein dicker Ast herunterfallen könne.

Der Pioniersteg hinter der ehemaligen Jugendherberge ist mit einem Gitter versperrt. (Foto: Tobias Landmann)

Daher griff Quindt noch tiefer in die Trickkiste und ließ den Pioniersteg mit einem über das Geländer hinausstehenden Eisengitter fest verschweißen. „Das soll dort aber nicht auf Dauer so bleiben“, erklärt Quindt. „Sondern nur so lange, bis die alten Pappeln gefällt wurden.“

Darum ist die Fällung der alten Pappeln so teuer

Bauhofleiter Ulrich Hartmann hatte bereits Anfang des Jahres gefordert, die nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzten Pappeln zu fällen. Das wird allerdings teuer, denn für Baumkletterer sind die alten Bäume mittlerweile zu gefährlich.

Es muss schweres Gerät herangeschafft werden. Kosten im mittlerweile fünfstelligen Bereich sind wahrscheinlich. Deswegen soll die Maßnahme erst im nächsten Jahr durchgeführt werden, die Kosten dafür werden im Haushalt verankert.

Gibt es Alternativen zu einer Fällung der Bäume?

Auch der Nabu Rinteln hat gegen eine Fällung keine fachlichen Einwände, bestätigte die Ortsgruppe in der Vergangenheit gegenüber dieser Zeitung.

Wir könnten auch sagen, wir belassen das Gelände naturnah und überlassen es sich selbst.

Matthias Wehrung , CDU-Ortsrat

Ortsratsmitglied (CDU), der sich immer schon vehement für das Stadtgrün eingesetzt hatte, sieht dagegen noch eine weitere Möglichkeit. „Wir könnten auch sagen, wir belassen das Gelände naturnah und überlassen es sich selbst.“

Dann müsse der Weg dauerhaft gesperrt bleiben und von der Stadt eine Ausweichroute ausgewiesen werden. „Die Bäume sind ortsbildprägend, aber mittlerweile eben gefährlich.“

Warum definitiv keine neuen Pappeln gepflanzt werden

Er könne aber auch mit der Alternative, einer Neuanpflanzung, gut leben. Diese favorisiert auch Tiefbauamtschef Quindt. „Wir wollen den Bereich möglichst natürlich wiederherstellen“, sagte er. Man werde junge, hitzebeständige Bäume neu anpflanzen.

Pappeln werde man nicht erneut wählen, denn diese Bäume kämen mit den klimatischen Bedingungen in Deutschland nicht mehr zurecht. „Wir pflanzen da natürlich keine Setzlinge, sondern Bäume mit einem vernünftigen Stammdurchmesser.“

Quindt warnt: Unter den Pappeln herrscht Lebensgefahr

Matthias Wehrung plädiert dafür, Robinien anstelle der Pappeln zu pflanzen. Mit ihnen habe man in Rinteln bereits gute Erfahrungen gesammelt, etwa am Ostertor.

An das Verbot sollte man sich wirklich halten.

Uwe Quindt , Tiefbauamtsleiter

„Die sind in ein paar Jahren wieder relativ hoch, haben zwar anfangs weiches Holz, aber in der Lebensmitte ist es sehr hart. Dann gibt es auch nicht wieder so viele Probleme.“ „Robinien blühen schön“, findet Wehrung, „und sind gut angepasst an die herrschenden klimatischen Bedingungen.“

Bis dahin herrsche allerdings, und das ist Quindt wirklich wichtig, Lebensgefahr unter den Pappeln. „An das Verbot sollte man sich wirklich halten“, appelliert er. von Jakob Gokl

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