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Rinteln Ortsteile Mehr als 70 Buchen am Waldrand in Todenmann gefällt
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Mehr als 70 Buchen am Waldrand in Todenmann gefällt
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22:07 14.08.2019
Revierförster Holger Puls zeigt einen durchtränkten Stamm, der die bereits vorangeschrittene Zersetzung des Holzes sichtbar macht. Quelle: tol
Rinteln/Todenmann

Von außen sind nicht alle Schädigungen im Baum erkennbar. Doch: Etliche Stämme sind schlichtweg morsch. Zu groß ist deshalb das Risiko, dass eine vier bis fünf Tonnen schwere Buche auch entgegen der gewünschten Fallrichtung zu Boden kracht – auf ein Grundstück, den nahen Parkplatz oder einen Wanderweg.

Aus Sicherheitsgründen werden die Arbeiten mit erhöhtem Aufwand durchgeführt. Allein vier Forstwirte sind mit dem Fällen beschäftigt, zwei weitere fungieren als Sicherungsposten. An der Straße parallel zum Waldrand passt Holger Puls selbst auf. Trotz vieler Absperrungen und Hinweisschilder stehen plötzlich Autos von Bürgern vor ihm und müssen wieder zurücksetzen.
Dort am Waldrand sind die Buchen mit südlicher Neigung, also gen Tal, gewachsen. Beim Fällen soll der Baum allerdings nördlich, zum Hang hin, kippen. Kein leichtes Unterfangen für die Forstarbeiter.

Der generelle Sicherheitsabstand beträgt dort doppelte Baumlänge, also 60 Meter. In etwa fünf bis sechs Metern Höhe wird ein Stahlseil um den Stamm gelegt. Dieses gehört zur Seilwinde eines Forstschleppers, der gut 70 Meter entfernt auf dem Rückeweg steht. Erst danach wird der übliche Fallkerb gesägt und der Fällschnitt gesetzt.

Nun gehen die Forstmitarbeiter in Sicherheit, per Funksignal wird die Seilwinde betätigt. Langsam gerät die Buche in Schräglage und schlägt Sekunden später mit lautem Krachen auf den Waldboden. Kronenäste fliegen dabei meterweit in alle Richtungen.

Zersetzung weit vorangeschritten

Der lange Stamm wird entastet sowie an dessen Fuß der sogenannte Waldbart abgetrennt, also die ausgefranste Bruchleiste, wo der Stamm vom Stumpf abgebrochen ist. Ein Forsttraktor zieht den Stamm schließlich zum Rückeweg. Danach folgt die nächste Fällung.

Ursprünglich waren bei dieser Maßnahme zur Verkehrssicherheit rund 50 Buchen markiert worden. Beim Fällen fielen Holger Puls weitere Bäume auf. „Am Ende werden wir auf 70 bis 75 Buchen kommen“, erläutert der Revierförster. „Das ist schon viel für einen Waldrand.“ Von Todenmann sind es nur 500 Meter bis zum Wanderparkplatz Frankfurt.

Beim Anblick etlicher Stämme schlagen die Forstwirte ihre Hände über dem Kopf zusammen. Bei den gefällten Exemplaren blicken sie auf schwarze Ränder, innen ist das Holz feucht und morsch. Leider ein schlechtes Zeichen: Die Zersetzung ist bereits weit vorangeschritten. Wie viel Holz jetzt hiervon überhaupt vermarktet werden kann, weiß Puls momentan noch nicht.
Ob hier junge Bäume nachgepflanzt werden müssen, ist noch nicht klar.

Ob Baumschulen generell den neueren Bedarf an Nachpflanzungen erfüllen können, steht in den Sternen. Viel hängt von den noch gesunden Bäumen und ihren Früchten ab – den Bucheckern. Zwei Jahre wächst ein Setzling in einer Baumschule heran, ehe dieser im Wald gepflanzt werden kann. Ungewiss ist, was davon überhaupt anwächst, denn im Wald kann nicht gewässert werden. von Tobias Landmann