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Rinteln Ortsteile Nelly Nicolas wirkt Klischees im Bodybuilding entgegen
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Nelly Nicolas wirkt Klischees im Bodybuilding entgegen
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10:06 30.08.2019
Das harte Training zahlt sich aus.Fotos: PR.
Steinbergen

Kaum ein Sport ist so klischeebehaftet wie das Bodybuilding. Bei diesem Wort denken viele an mit Bräunungscreme eingesprühte Männer, die sich auf der Bühne verrenken und vor lauter Muskeln kaum laufen können.

Dass das absolut nicht der Fall ist, beweist Nelly Nicolas aus Steinbergen. Die 28-Jährige war schon immer sportbegeistert, trainierte viermal pro Woche in einem Fitnessstudio, um ihren Körper in Form zu bringen. Die Idee, professionell zu trainieren und auf die Bühne zu gehen, kam jedoch von ihrem Mann: „Danach stellte er mich direkt einem Coach, Michael Diekenwied, vor.“

Strenges Training und Ernährung

Nach diesem ersten Treffen begann direkt die Vorbereitungsphase – bis zu ihrem ersten Wettkampf blieben ihr nur zwei Monate. Für Nicolas war diese erste Wettkampfvorbereitung hart: jeden Tag 60 bis 90 Minuten Training und Essen nach strengem Ernährungsplan. Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett wurden genau festgelegt. Es wurde abgewogen und vorgekocht. Hauptbestandteil ist dabei grünes Gemüse.

Bei regelmäßigen Treffen mit Diekenwied werden die Ernährungs- und Trainingspläne variiert, die Körperform wird beurteilt und der Körperfettanteil gemessen. Zwölf Kilogramm Fett sind es bei Nicolas normalerweise, beim Wettkampf dann nur noch sieben Kilo.

Disziplin zahlt sich aus

In dieser zweimonatigen Phase verliert die Bodybuilderin bis zu zehn Kilogramm Gewicht. Dazu sei viel Verzicht nötig, was aber „eine Sache der Gewohnheit ist“, so Nicolas weiter. Aber auch in der sogenannten „Off-Season“, in der keine Wettkampfvorbereitung ansteht, lässt die Bodybuilderin nicht nach – trainiert wird weiter regelmäßig und Brot, Süßigkeiten sowie Fast Food bleiben eine Ausnahme: „Kuchen esse ich zum Beispiel nur zu besonderen Anlässen, wie beim Geburtstag von meinem Sohn. Im Alltag esse ich dafür lieber ein Stück Fleisch mehr.“

Diese Disziplin hat sich ausgezahlt. Seit ihrem ersten Wettkampf hat sie bei jedem Kräftemessen den zweiten Platz belegt, sicherte sich unter anderem Silber bei den Deutschen Meisterschaften 2015 in der Bikini-Klasse. Dabei geht es nicht nur um Muskelmasse – zu viel kann zu einer schlechteren Wertung führen. Es geht in der Bewertung um eine symmetrische Körperform, weibliche Ästhetik und eine sportlich-feminine Gesamterscheinung. In den anderen Klassen wie der Figurklasse geht es dann mehr um Muskeln – „für mich persönlich ist das aber nichts“, erklärt die 28-Jährige. Immer auf dem ersten Platz zu stehen, sei für sie ohnehin nicht wichtig: „Für mich sind der Weg und der optimale Körper das Wichtigste. Ich tue mein Bestmögliches, aber die Platzierung ist nicht mein Hauptziel.“

Kind und Sport lassen sich gut vereinen

Seit 2018 ihr Sohn Alessio auf die Welt kam, hat die Bodybuilderin nicht mehr an Wettkämpfen teilgenommen, will aber auf jeden Fall wieder auf der Bühne stehen. Kind und Sport lassen sich dabei gut vereinen: „Dadurch, dass mein Studio hier im Haus ist, habe ich den Vorteil, dass ich ganz entspannt trainieren kann, wenn der Kleine schläft. Ich möchte immer für ihn greifbar sein.“

Plötzlich Personal Trainerin

Dieses Studio war anfangs nur ein privater Fitnessraum. Bei der Eröffnung ihres Kosmetikstudios kam eine Kundin auf Nicolas zu, die kein Permanent Make-up und keine Nagelpflege wollte – ihr Wunsch war es, eine Figur zu haben wie die Bodybuilderin. Mit dieser Kundin arbeitete die 28-Jährige zunächst einzeln, stellte Trainings- und Ernährungspläne auf. Anschließend machte sie den Trainerschein, baute ihren privaten Fitnessraum zu einem richtigen Studio um und begann als Personal Trainerin. Mittlerweile trainieren im NK Figur- und Kosmetikinstitut 30 Kunden regelmäßig.

Die Entwicklung von Bodybuilding als Sportart beurteilt Nicolas positiv. Vor allem durch den Fitnesstrend in den sozialen Medien würden die Leute „endlich mal ihren Hintern hochkriegen“, sagt sie und grinst – und durch die zunehmende Bekanntheit kann vielleicht auch mit allen Vorurteilen aufgeräumt werden. von Lea Drewnitzky