Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Ortsteile Razzia bei Wesergold: Zoll und Staatsanwaltschaft zerschlagen Schwarzarbeits-Netzwerk
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile

Razzia bei Wesergold: Zoll und Staatsanwaltschaft zerschlagen Schwarzarbeits-Netzwerk

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:24 18.06.2021
Eine von 50 bundesweiten Durchsuchungen fand am Mittwoch in Exten statt.
Eine von 50 bundesweiten Durchsuchungen fand am Mittwoch in Exten statt. Quelle: pr
Anzeige
Exten

Die Zöllner der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Hauptzollamts Kiel vollstreckten die Durchsuchung im Auftrag der Staatsanwaltschaft Lübeck. Das teilt das Hauptzollamt Kiel in einer Pressemitteilung mit.

Dabei wurde Vermögen in Höhe von insgesamt knapp 2,3 Millionen Euro entzogen (sogenannter Vermögensarrest), angeordnet vom Amtsgericht Lübeck. Der Aktion am Mittwoch ging laut Hauptzollamt Kiel eine langjährige Ermittlungsarbeit gegen 13 Verantwortliche verschiedener schleswig-holsteinischer Dienstleistungsfirmen voraus.

800 Einsatzkräfte in sechs Bundesländern 

Knapp 800 Einsatzkräfte dieser Besonderen Aufbauorganisation (BAO) "Hydra" durchsuchten am Mittwoch über den Tag verteilt private Wohnungen der Beschuldigten und Geschäftsräume der Firmen in sechs Bundesländern, darunter auch auf dem Firmengelände von Wesergold. Die FKS des Zolls wurde dabei von Einsatzkräften des Bundeskriminalamts, der Steuerfahndung, der Bundespolizei und der Landespolizei unterstützt. Die Einsatzschwerpunkte lagen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Den elf männlichen und zwei weiblichen Beschuldigten im Alter von 31 bis 46 Jahren wird vorgeworfen, seit dem Jahr 2015 gewerbsmäßig eine Vielzahl osteuropäischer Ausländer illegal nach Deutschland eingeschleust und sie ohne die erforderlichen Aufenthaltstitel unangemeldet als Lagerarbeiter beschäftigt zu haben.

Zum Weiterlesen

Weiterhin stehen sie im Verdacht, einen Teil der eingeschleusten Ausländer mit gefälschten Dokumenten ausgestattet und als vermeintliche EU-Bürger in ihren Zeitarbeitsfirmen beschäftigt zu haben. Die Beschäftigungen sollen sie mutmaßlich gar nicht oder nicht in vollem Umfang angemeldet und hierdurch Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuer in Millionenhöhe vorenthalten haben.

"Für die Vermittlung der Arbeitsstelle und die benötigte Arbeitskleidung oder die spartanische Sammelunterkunft und den täglichen Transport zu den jeweiligen Einsatzorten und zurück werden den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern oft monatlich zwischen 300 Euro bis 500 Euro vom Lohn abgezogen", so der Leiter des Hauptzollamtes Kiel, Robert Dütsch. "Da reduziert sich der tatsächlich gezahlte Nettostundenlohn schnell auf maximal fünf Euro pro Stunde."

Vermögen für Schadenausgleich gesichert

Insgesamt wurden 116 Personen festgestellt, die in Verdacht stehen, sich illegal im Bundesgebiet aufzuhalten. Erste Vernehmungen von Beschuldigten und Zeugen wurden durchgeführt. Es wurde umfangreiches Beweismaterial, darunter Computer und Mobiltelefone sichergestellt, die nun durch Spezialkräfte des Zolls für Digitale Forensik ausgewertet werden müssen. Darüber hinaus wurden erhebliche Vermögenswerte zum Schadenausgleich gesichert. Beispielsweise wurden fünf Fahrzeuge der Marken Mercedes Benz (drei Autos), BMW und Opel und ein Grundstück gepfändet.

Den gestrigen Durchsuchungen schließt sich nun die intensive Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls an.

Eine Besonderen Aufbauorganisation (BAO) wird kurzfristig eingerichtet, wenn komplexe Lagen nicht mehr durch eine Allgemeine Aufbauorganisation (AAO) bewältigt werden können. Gründe hierfür können eine besondere Gefährdungslage, ein hoher Personalbedarf, die Einsatzdauer oder auch der Bedarf einer einheitlichen Führung bei vielen unterschiedlichen Zuständigkeiten sein. r