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Rinteln Ortsteile Schüsse in Steinbergen: Täter zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Schüsse in Steinbergen: Täter zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt
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21:38 24.06.2019
Der 22-Jährige wurde im Dachgeschoss der Steinberger Wohnung erschossen.
Der 22-Jährige wurde im Dachgeschoss der Steinberger Wohnung erschossen. Quelle: Archiv
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Steinbergen

Die Kammer geht davon aus, dass der 29-Jährige das Opfer verletzen und diesem „einen Denkzettel verpassen“ wollte. Vorausgegangen war ein Streit um Drogen.
Von einer Verurteilung wegen Totschlags sahen die Richter ab, weil sich aus ihrer Sicht kein Tötungsvorsatz feststellen lässt. „Der Angeklagte hat nicht auf Kopf, Herz oder andere lebenswichtige Stellen gezielt“, erklärte Norbert Kütemeyer, der Vorsitzende des Schwurgerichts. Das Geschoss habe im Körper eine ungewöhnlich gefährliche Flugbahn genommen und genau eine Arterie getroffen, so Kütemeyer weiter.

Das Projektil war in der Leistengegend eingedrungen und hatte eine Beckenschlagader verletzt. Der Portaner war daraufhin innerlich verblutet. „Die Verletzung war so schwer, dass sein Leben schon nach zehn Minuten nicht mehr zu retten gewesen wäre“, berief sich der Richter auf ein rechtsmedizinisches Gutachten.

Aus der Trainingsjacke gefeuert

Der Steinberger hatte aus der Bauchtasche seiner Trainingsjacke mit einem Trommelrevolver vom Kaliber 6 Millimeter auf den neben ihm am Tresen sitzenden Mann gefeuert. Dies stuft das Gericht als heimtückisch ein. „Weil sich ein Tötungsvorsatz nicht nachweisen ließ, sind Sie nur äußerst knapp an einer Verurteilung wegen Mordes vorbeigeschwappt“, machte Kütemeyer dem Angeklagten klar. Heimtücke gehört zu den sogenannten Mordmerkmalen.

Bei Körperverletzung mit Todesfolge umfasst der Strafrahmen drei bis 15 Jahre. Im Fall des Angeklagten verschiebt sich dies etwas nach unten, weil das Gericht von verminderter Schuldfähigkeit ausgeht. Der Grund: Zur Tatzeit hatte der Steinberger fast drei Promille Alkohol im Blut und außerdem mehrere Arten von Drogen genommen.

Der Alkohol floss damals in Strömen. Zwei Tage vor Heiligabend waren die beiden Männer beim Feiern in der Dachgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses an der Feldstraße in Streit geraten, weil der Steinberger nur 30 Euro dabeihatte, ein Gramm Kokain aber 70 Euro kosten sollte. Nachdem der 29-Jährige eine Tür zugeknallt hatte, sollte er sich entschuldigen. Verärgert verließ er die Feier, holte von zu Hause den Revolver und setzte sich neben den Portaner.

10.000 Euro Schmerzensgeld

„Der Angeklagte wollte ihn verletzen und allen Anwesenden zeigen, dass man mit ihm so nicht umgehen kann“, glaubt Richter Kütemeyer. „Er überlegte, wann der beste Zeitpunkt wäre, um zu schießen.“ Als der Steinberger sich entschieden hatte, kündigte er an: „Jetzt haben wir Spaß.“ Nach dem Schuss aus einer Entfernung von höchstens einem Meter sagte er: „Du Wichser.“ Das hat eine Zeugin gehört, der die Kammer glaubt.

Auch aus diesem „Nachtatverhalten“ leitet das Gericht ab, dass der Steinberger den Portaner verletzen wollte. Er selbst hatte behauptet, der Schuss habe sich beim Spielen mit der Waffe aus Versehen gelöst. Direkt danach richtete er den Revolver „in einer fließenden Bewegung auf alle anderen Anwesenden“, so Kütemeyer. Einer von ihnen verfolgte den 29-Jährigen, der draußen einen weiteren Schuss abgab, ohne zu treffen. Wegen des Geschehens nach der Bluttat ist der Angeklagte außerdem wegen Nötigung und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt worden.

Der Mutter des Opfers, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat, sprach das Gericht 10.000 Euro Schmerzensgeld sowie knapp 8000 Euro Schadensersatz zu.  ly