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Rinteln Ortsteile Stillstand bei Mediation um Bau der Westendorfer Windräder
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Stillstand bei Mediation um Bau der Westendorfer Windräder
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09:27 24.07.2019
Quelle: Symbolbild, dpa
Westendorf

Michael Friedrich, Pressesprecher von Greenpeace Energy, prophezeite in einem emotionalen Moment bei einem Gespräch im Hotel Stadt Kassel, das Wesertal werde vom steigenden Meeresspiegel geflutet, sollten die beiden Windräder in Westendorf nicht gebaut werden. Auch Pressesprecherin Hilke Lind vom Nachfolge-Unternehmen getproject in Kiel bleibt auf der Linie und sieht in ihrer aktuellen E-Mail die Windräder in Westendorf als entscheidend für das Gelingen der Energiewende an.

„Wir sind davon überzeugt, dass Erneuerbare-Energien-Projekte wie in Rinteln, die alle Anforderungen erfüllen, auch realisiert werden sollten. Sonst können die Ziele der Energiewende nicht umgesetzt werden“, meint sie. Nachdem monatelang rund um das Windkraftprojekt bei Westendorf im wahrsten Sinne des Wortes Windstille geherrscht hat, haben Windkraftbetreiber jetzt dank der „Fridays for Future“-Bewegung Rückenwind und drücken auf die Tube. Weil sich die noch von Planet Energy mitinitiierte Mediation offensichtlich festgefahren hat, baut das Nachfolgeunternehmen getproject Druck auf den Landkreis auf und kündigte an, man werde den Windradbau vorbereiten. Denn schließlich geht es auch um viel Geld.

Argumente der Nabu zurückgewiesen

Das Unternehmen wies aktuell in einer E-Mail die Argumente des Rintelner Nabu-Vorsitzenden Nick Büscher zurück, der die Nähe von Windkraft und Naturschutzgebiet für nicht akzeptabel hält. In einem Fachgutachten sei das vorhandene Naturschutzgebiet berücksichtigt worden. Eine vor Kurzem durchgeführte, erneute Überprüfung der gutachterlichen Stellungnahmen habe die Auffassung der Gutachter bestätigt.

Zwischen getproject und Büscher hat sich inzwischen ein regelrechter Dialog entwickelt. Büscher entgegnete prompt: Hier gingen die Auffassungen der beauftragten Planungsbüros und der fachlich versierten Naturschützer des Nabu eben weit auseinander. Die Auenlandschaft Hohenrode habe die Bedeutung des Wesertals als Rast-, Gast- und Brutgebiet gesteigert. Für die Seeadler bestehe durch die Windräder ein Tötungsrisiko.

Noch kein neuer Termin

Beim Landkreis Schaumburg hält man sich bedeckt, um keinen juristischen Fehler zu begehen. So gab Pressesprecherin Anja Gewald auf eine Anfrage nur kurz Auskunft: Es gebe noch keinen neuen Termin im Mediationsverfahren. Bis die Mediation abgeschlossen sei, ruhe die Klage der Stadt Rinteln gegen den Landkreis. Geklagt hatte die Stadt gegen die Entscheidung des Landkreises, das verweigerte Einvernehmen der Stadt zu ersetzen, wie der Vorgang im Juristendeutsch genannt wird.

von Hans Weimann

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