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Rinteln Ortsteile Tunnel durch Engern statt Steinbergen?
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Tunnel durch Engern statt Steinbergen?
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19:20 23.11.2018
Große Erdbauwerke: V1 durchbricht den Messingberg mit einem Tunnel, V2 greift auf gewaltige Dammbauwerke zurück, V3 soll Engern unterqueren. V2.1 und 2.2 wurden verworfen.Repro: Momo
Große Erdbauwerke: V1 durchbricht den Messingberg mit einem Tunnel, V2 greift auf gewaltige Dammbauwerke zurück, V3 soll Engern unterqueren. V2.1 und 2.2 wurden verworfen. Quelle: Repro: momo
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Steinbergen

Tom Schmidt und Peter Mix von der Vössing Ingenieurgesellschaft stellten während der Sitzung eine Machbarkeitsstudie zu den möglichen Ortsumleitungen vor. Schnell wurde klar: Wirklich Neues gab es nicht. Die vorgestellten Möglichkeiten wurden in dieser Form bereits im Juni 2017 von der Stadt kommentiert: Zu teuer, zu aufwendig, „der Status quo sei vorzuziehen“.

Besonderes Augenmerk legte man bei der Präsentation der Trassen vor allem auf die vielfältigen Schwierigkeiten, die beim Bau rund um Steinbergen aufkommen. Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Baudenkmäler, hügelige Landschaft und Anwohner grenzen die Möglichkeiten schnell ein.

Vielmehr eine Nichtmachbarkeitsstudie

Dass die Bürgerinitiative für Ortsumgehungen Steinbergen (BIOS) mit den Ergebnissen nicht zufrieden ist, zeigte sich noch in der Sitzung. Manfred Hobein, Teamleiter der BIOS, kritisierte: „Dass die Planungen so keinen Sinn machen, war zu erwarten.“ In seinen Augen sei das Vorgestellte eher eine „Nichtmachbarkeitsstudie“, die zwar fachlich fundiert sei, aber das Thema verfehle. Seitens der Stadt sei man abgebügelt worden, als man mit dem Planungsbüro in Kontakt treten wollte „um ein brauchbares Ergebnis zu erzielen“.

Wohl aber könne man der Studie etwas Positives abgewinnen. „Die Studie bestätigt im Grunde unsere selbst angestellten Überlegungen“, so Hobein. „Es bestätigt vor allem, dass vieles möglich ist“, fügt der Teamleiter mit Blick auf den Bau eines Tunnels hinzu, der unabdingbar für eine Umgehung scheint. Vor allem aber sei die Kostenkalkulation der BIOS richtig: „Da gibt es gravierende Überschneidungen.“

Denn in mühsamer Kleinarbeit hat die Bürgerinitiative über Jahre hinweg eigene mögliche Trassen erarbeitet. Dabei habe man per Luftbild nach und nach alle kritischen Bereiche eliminiert, in denen aus etwaigen Gründen keine Straße verlaufen kann. „Wir haben eine gewaltige Exceltabelle angelegt“, so Jens Wienecke, Ortsratsmitglied und ebenfalls Teamleiter der BIOS. „Dabei haben wir auch mit dem Nabu zusammengearbeitet.“ Immerhin sieben Trassen habe man so erarbeitet. Diese würden durch die vorliegende Studie untermauert.

Nicht genug Ressourcen

Aber auch inhaltliche Kritik gibt es: „Das ist doch Wahnsinn: Warum zieht man einen Tunnel quer durch Engern in Betracht?“, fragt Hobein. „Dann kann man auch gleich Steinbergen untertunneln“, fügt Wienecke an.

Doch wie geht es nun weiter? „Die Umleitung ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans“, so Hobein. So könne im Grunde jederzeit mit Planung und Bau begonnen werden. „Es gibt aber derzeit nicht genügend ‚Manpower‘ für solche Projekte.“ Das wird auch aus einem Schreiben des Niedersächsischen Verkehrsministeriums deutlich. Dort heißt es: „Die Ressourcen stehen derzeit noch nicht ausreichend zur Verfügung.“ Das Land habe Prioritäten zu setzen. Dann müsse die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln die Planungen aufnehmen oder in Auftrag geben. Alles in allem sei das eine langwierige Angelegenheit.

Deswegen wird die BIOS weiter Druck machen, ein neues „Beschleunigungsgesetz“ wolle man anwenden lassen – dazu sei auch ein Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Maik Beermann geplant. „Es fehlt politischer Wille“, sind sich die beiden Mitstreiter einig. Auch aus der Verwaltung wünsche man sich mehr Unterstützung. Denn eine solche Umgehungsstraße sei auch eine Investition. „Jeder würde davon profitieren.“ momo