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Rinteln Ortsteile Windräder bei Silixen: Hunderte bei Informationsveranstaltung
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Windräder bei Silixen: Hunderte bei Informationsveranstaltung
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22:13 25.06.2019
Die Aula der Grundschule Silixen ist übervoll: Sebastian Wallenstein von der Bürgerinitiative Gegenwind Extertal/Silixen begrüßt das Publikum. Quelle: mld
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Silixen

Sogar vor den Türen standen die Menschen und hörten zu – und das bei 30 Grad Hitze. Auf etwa 300 Teilnehmer schätzt der Silixer Sebastian Wallenstein von „Gegenwind“ die Publikumsgröße. „Wir wollen beide Seiten erreichen“, umriss er in der Begrüßung das Ziel des Abends.

Pro-Argumente: Je höher die Anlage, desto höher das Potenzial

An dieser Resonanz und den Reaktionen lässt sich ablesen, wie sehr das Thema bewegt und emotionalisiert. Emotionen rief bereits der erste Referent hervor, Lars Schnatbaum von der Energie-Agentur.NRW. In einem Kurzvortrag umriss er, warum die beiden geplanten Anlagen so hoch sein müssten – je höher eine Anlage stehe, desto höher das Windpotenzial und desto zuverlässiger wehe der Wind. Außerdem würde man Schall und Lärm einer Anlage ab mehreren Hundert Metern Entfernung nicht mehr wahrnehmen. Auch hätten Anlagen keinen Einfluss auf die Immobilienpreise. Wertverluste seien vor allem auf den demografischen Wandel zurückzuführen, so Schnatbaum. Gejohle, Gelächter im Publikum.

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Schall und Lärm einer Anlage nimmt man ab mehreren Hundert Metern Entfernung nicht mehr wahr. Immobilien-Wertverluste sind vor allem auf den demografischen Wandel zurückzuführen.

Lars Schnatbaum , Energie-Agentur.NRW

Ähnliche Reaktionen kassierte Rolf Sandmann als Vertreter der Silixer Kirchengemeinde, die zu der Investorengruppe gehört, auf deren Grund die Anlagen entstehen würden. Es gebe auch innerhalb der Kirche unterschiedliche Meinungen, so Sandmann. Doch als Christ habe man Verantwortung für die Schöpfung, und der komme die Weltbevölkerung derzeit nicht nach. Außerdem seien die Auflagen für die Genehmigung der Anlagen sehr streng – und durch Kiesabbau entstünden mehr Schäden.

Kontra-Argumente: Investoren sind Wertverluste, Artenschutz und Gesundheit egal

Als Redner der Kontra-Seite trat Heinrich Brinkmann vom Paderborner „Regional-Bündnis Windvernunft“ auf: Er kritisierte – neben der Sinnhaftigkeit von Windenergie-Anlagen im Allgemeinen sowie der „Fridays for Future“-Bewegung –, dass dieses Vorhaben nur noch der Artenschutz stoppen könne: „Der Mensch steht hinten an.“ Des Weiteren sei den Investoren der Wertverlust von Grundstücken, Artenschutz oder die Gesundheit der Menschen „egal“.

Der Mensch steht hinten an.

Heinrich Brinkmann , Paderborner Regional-Bündnis "Windvernunft"

Maximilian Wolf vom Anlagenbauer Prowind führte aus, dass derzeit alle nötigen Genehmigungen eingeholt werden, es dann zwischen Behörden, Anlagenbauer und beteiligten Verbänden einen sogenannten Scoping-Termin geben wird, bevor Prowind beim Kreis Lippe einen Bauantrag stellen kann.

Unterlagen zum Bauvorhaben ab Mitte Juli für einen Monat öffentlich

Laut Extertals Bürgermeisterin Monika Rehmert werden alle Unterlagen zum Bauvorhaben Mitte Juli für etwa einen Monat online veröffentlicht sowie im Rathaus Extertal ausgelegt, damit sie von allen Interessierten eingesehen werden können. „Schauen Sie sich die Unterlagen an“, so Rehmert. Die Gemeinde werde sich „anwaltlichen Rat“ dazu holen.

Wir sind auch nicht glücklich darüber.

Monika Rehmert , Bürgermeisterin Extertal

Im ursprünglichen Flächennutzungsplan sei von einer Bauhöhe von 240 Metern (160 Meter Nabenhöhe) noch nicht die Rede gewesen, das habe die Gemeinde erst bei einem Infotermin mit Prowind im Oktober 2018 erfahren. „Wir sind auch nicht glücklich darüber“, so Rehmert. Die Stadt Rinteln sehe diesbezüglich „hohes Konfliktpotenzial“, betonte Stadtjurist Joachim Steinbeck. Die Anlagen sehe die Stadt kritisch und habe daher bereits einen weiteren Erörterungstermin ausgemacht.

Viele Bürger sind skeptisch

Durch zahlreiche Fragen und Redebeiträge zeigten viele Bürger, dass sie den Anlagen zumindest skeptisch gegenüberstehen. Wie stehe es zum Beispiel mit Schattenwurf, Lärmemission oder gesundheitlichen Schäden durch Infraschall? Hierzu gebe es noch keine belastbaren ärztlichen Studien, sagte Schnatbaum, woraufhin mehrere Personen widersprachen, unter anderem Philipp Röntgen, ein Internist und Kardiologe, der in Silixen wohnt. Niemand müsse Angst haben, dass die Anlagen zu nah am eigenen Haus stünden, so die Aussage von Prowind: Die rechtliche Grundlage sehe vor, dass der Abstand zur Wohnbebauung das Zweieinhalb- bis Dreifache der Anlagenhöhe betragen müsse.

„Jeder nimmt Strom als selbstverständlich hin“, sprach sich der Krankenhäger Martin Kampmeier für Windkraft aus. Er selbst kenne es, wenn Windenergieanlagen „nur 70 Meter vom Balkon entfernt stehen“, „mehr als Schattenwurf ist da nicht“.

„Ich wollte eigentlich zwei Grundstücke in Silixen kaufen“, so Fabian Pasimeni, „aber jetzt – mal sehen.“ Man müsse an die Folgen von so hohen Anlagen auch noch „in 30 Jahren“ denken: „Wir sind hier die Versuchskaninchen.“

Sebastian Wallenstein und Nick Büscher von der Nabu-Ortsgruppe Rinteln führten außerdem die Belange des Artenschutzes aus, beispielsweise das Vorkommen von Rotmilan und Uhu. „Wir müssen auf unser Paradies achten“, forderte Wallenstein. Man müsse nur nach Steinbergen, dem ehemaligen Luftkurort, schauen, um zu sehen, was passiere, „wenn ein Ort seine Seele verliert“.

Von Marieluise Denecke