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Rinteln Ortsteile Wohnen an Engerns meist diskutierter Unfallstelle
Schaumburg Rinteln Rinteln Ortsteile Wohnen an Engerns meist diskutierter Unfallstelle
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22:18 28.10.2019
Iris und Bernd Lange leben gemeinsam seit 1991 an der Berliner Straße zwischen Engern und Westendorf, nahe dem Bahnübergang. Sie haben schon viele Unfälle mit ansehen müssen, sagen sie. Quelle: Marieluise Denecke
Engern

„Es macht mir nichts aus, Wunden zu verbinden, und als Ersthelfer müssen wir inzwischen immer seltener raus, weil fast jeder jetzt ein Handy hat“, erzählt Iris Lange beinahe nebenbei. Für die meisten Menschen dürfte es glücklicherweise eine Seltenheit sein, Ersthelfer an einer Unfallstelle zu sein. Das Ehepaar Lange hingegen musste schon oft los, wenn es mal wieder vor ihrer Hautür gekracht hatte; bei einem tödlich verletzten Fahrradfahrer habe sie drei Stunden lang geholfen, so Iris Lange.

Dort, wo das Ehepaar wohnt, gibt es keinen Fuß- oder Radweg, Fahrzeuge dürfen aktuell bis zu 70 Stundenkilometer fahren. Eine Bedarfsampel an der nahen Neelhofsiedlung ist jetzt, nach jahrelangem Drängen des Ortsrates, gerade erst gebaut worden. Die Langes und viele andere Bürger sehen diese Maßnahmen, doch sie gehen ihnen nicht weit genug: Ein Fuß- und Radweg müsste ihrer Meinung nach durchgehend von Engern bis Westendorf gebaut werden, außerdem sei die Installierung eines Blitzers nötig; zumindest müsste die Polizei öfter kontrollieren.

Kein Platz zum Ausweichen

Seine Mutter, die in der Nähe wohne und auf einen Rollator angewiesen sei, sei derzeit zwischen dem Verkehr „gefangen“, erzählt Bernd Lange. Zahlreiche Menschen würden von einem Fuß- und Radweg profitieren: Es gebe viele, die dort auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad entlangfahren würden, dazu kämen Schulkinder, Menschen mit Kinderwagen und Rollatoren, Radfahrgruppen, Inlineskater. Platz, dem Verkehr auszuweichen, haben sie derzeit auf der L438 kaum: Neben der Straße verlaufen Gräben, Lastwagen und Autos donnern knapp daneben vorbei.

Weil die Weser in den vergangenen beiden Sommern zu wenig Wasser geführt habe, seien noch mehr Lastwagen unterwegs, weil das nahe gelegene Kieswerk Güter via Straße statt via Fluss transportieren müsse. Außerdem würden die landwirtschaftlichen Fahrzeuge immer breiter und verknappten den Weg auf der Berliner Straße zusätzlich. Wenn Stau auf der A2 sei, verstärke sich der Verkehr zusätzlich.

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Die Langes verstehen, dass es schwierig sein kann, Tempolimits oder Blitzer durchzusetzen: Eigentlich ist die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln zuständig, nicht die Stadt Rinteln, doch die Stadt muss auf den Ortsratssitzungen zur Verkehrslage Stellung nehmen. Beide müssten sich doch aber einigen können, sagt Iris Lange: „Sie sind in der Pflicht, es für Bürger sicherer zu machen.“

Gerne möchte sie alle, die eine Änderung herbeiführen können, zu sich nach Hause bitten; dazu einladen, hier einmal Fahrrad zu fahren oder an der Straße spazieren zu gehen. Oft habe sie selbst in letzter Sekunde in den Straßengraben springen müssen. Auch Bernd Lange hat eigene Erfahrungen: Er habe zweimal einen Auffahrunfall gehabt, weil er zu seinem eigenen Grundstück hatte abbiegen wollen und sein Hintermann zu schnell gewesen sei.

Beinahe-Unfälle werden nicht erfasst

Langes warnen davor, die Verkehrssituation rein über die Statistik zu bewerten: „Viele Beinahe-Unfälle werden gar nicht erfasst“, sagt Iris Lange. Sie sind gespannt, wie viel die Bedarfsampel an der Neelhofsiedlung bewirken wird und was die angedachte Verkehrszählung in Engern sowie die Verkehrsschau, die die Stadt mit der Polizei in diesem Monat durchführen will, bringen.

Sie sind sich sicher: Der Unfall im Juni, bei dem ein 77-jähriger Radfahrer ums Leben gekommen ist, hätte durch mehr Sicherheitsmaßnahmen verhindert werden können. „Es soll nicht noch einen Toten geben“, sagen sie.

Von Marieluise Denecke