Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt 1610 Teilnehmer beim ersten Megamarsch in Rinteln
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt 1610 Teilnehmer beim ersten Megamarsch in Rinteln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:52 26.05.2019
Gut gelaunt lassen die Wanderer Kilometer um Kilometer hinter sich. Quelle: tol
Rinteln

Die Organisatoren hatten um diese Tageszeit den Zieleinlauf noch nicht einmal aufgebaut. Kurz nach 8 Uhr folgte Hermann Fischer aus Zwickau, ebenfalls ein Extremsportler. Für den 66-Jährigen war es der neunte Megamarsch und das 54. Mal, dass er eine solche Distanz geschafft hat, wie Fischer, noch sichtlich entspannt, beim Zieleinlauf verriet.

Wie Fischer waren auch die nächsten „Finisher“ Christian Wedig aus Minden und Alexander Liebert aus Hannover von der Strecke begeistert: „Hat Spaß gemacht, immer an der Weser entlang, wir kommen bestimmt wieder.“

Blasen an den Füßen werden ausgeblendet

Was treibt einen Wanderer über eine 100-Kilometer-Distanz? „Ab Kilometer 80 nur noch der Wille, die Beine wollen da nicht mehr“, waren sich Alexander Römer (Mannheim), Oliver Kryzanowski, Andreas Traup (beide Aschaffenburg) und Joachim Schmitz (Aachen) einig, die sich am Sonntag kurz nach 11 Uhr ihre Urkunden abholen. Blasen an den Füßen, schmerzende Gelenke? Das werde ausgeblendet. Gehumpelt werde erst nach dem Zieleinlauf.

Oft ist es auch die Motivation durch Freunde und Familie. Ganz plakativ hat das Jakob gemacht, der am Samstag am Start seinen Vater Matthias Redeker aus Seggebruch mit einem „Matze“-Schild überraschte. Es hat gewirkt: Redeker kam ins Ziel. Ob er es noch einmal machen würde?. Redeker lachte: „Fragen Sie mich das besser morgen.“

"Runner's High" fehlt beim Wandern

Eine Gruppe aus NRW, alles geübte Marathonläufer, bilanzierte: Wandern sei härter als jeder Marathon, vor allem fehle „Runner’s High“, das Hochgefühl, das pusht.

Von den meisten Teilnehmern, die wieder auf dem Marktplatz eintrafen, kam überwiegend positive Resonanz: „Tolle Veranstaltung“, „gute Organisation“, in Emmerthal sei die Sporthalle mit Matten ausgelegt gewesen. Dort habe man sich umziehen können. Dass man auf viel Asphalt habe laufen müssen, sei zwar nicht ideal gewesen, aber: „100 Kilometer sind 100 Kilometer.“ Soll heißen: Am Ende zählt die Leistung, eine Distanz zu Fuß geschafft zu haben, die selbst mit dem Fahrrad eine Herausforderung ist.

Matthias Gräbner, Geschäftsführer des Touristikzentrums Westliches Weserbergland, und Bernd Gröne, der als „Betriebsleiter“ den Megamarsch managt, hörten diese Kommentare sicher mit Genugtuung.

Optimale Wetterbedingungen am Samstag

Vielversprechend war schon der Auftakt am Samstagnachmittag: 17 Grad, bedeckter Himmel, ab und zu Sonne, kein Regen. Optimale Bedingungen. Es war ein buntes Wandervolk, das da in die Nacht hineinmarschierte. Läufer in perfektem Outdoor-Dress, in Jäger-Tarnkleidung, leger in Jeans und Jacke. Die meisten hatten einen Rucksack geschultert, Trinkflaschen in den Seitentaschen, Wanderstöcke dabei. Am Marktplatzbrunnen wurden Rucksäcke aus- und wieder eingepackt: Auch nichts vergessen? Schnell noch ein Bier: Alkoholfrei, versteht sich.

Ein Wanderer hatte eine EU-Fahne dabei, ein anderer als Maskottchen einen Teddy in den Rucksack gesteckt. Ein Kind hielt ein Plakat hoch: „Du schaffst das, Opa.“

Startschuss mit Countdown

Mit einem „Kommt heil zurück!“ wurden die 1610 in Gruppen mit einem klassischen Countdown auf die Strecke geschickt. Am Pferdemarkt leitete die Polizei die Wanderer über die Kreuzung auf die Weserbrücke, dann ging es weiter auf dem Weserradweg.

Abgehakt war die wochenlange Debatte um die Streckenführung, die auch auf der Megamarsch-Facebook-Seite für Emotionen gesorgt hatte. Noch am Start rätselten Teilnehmer, warum man nicht auf „zertifizierten Wanderwegen“ laufen dürfe, die mit Steuergeldern eingerichtet worden seien, für jedermann zugänglich – auf denen man doch auch laufen könne, wenn man über die sozialen Medien eine Wandergruppe organisiert.

Brut- und Setzzeit? Ein Wanderer zückte einen Kalender und zeigte, dass der Deutsche Wandertag Anfang Juli stattfindet, also noch in der Brut- und Setzzeit. Bäume, die – vom Borkenkäfer gefällt – auf den Wanderweg fallen? Die meisten hielten das für Satire.

Auf 100 Kilometer lösen sich 1610 Wanderer in Gruppen auf

Tourismusmanager Gräbner und Megamarsch-Manager Gröne sind optimistisch, dass sich die Streckenführung beim nächsten Mal optimieren lässt, vielleicht dann sogar tagsüber durch Waldgebiete führt. Gröne ist überzeugt, es habe auch deshalb beim ersten Mal Probleme gegeben, weil sich viele Waldbesitzer unter einem „Megamarsch“ nicht so recht etwas hätten vorstellen können. Jetzt wüssten sie: „Das läuft absolut diszipliniert, da zieht niemand singend mit dem Bollerwagen durch das Unterholz.“ Und selbst 1610 Teilnehmer lösen sich auf hundert Kilometern in kleine Gruppen auf.

Von Hans Weimann