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Rinteln Stadt 240-Meter-Windräder bei Möllenbeck könnten 2020 in Betrieb gehen
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt 240-Meter-Windräder bei Möllenbeck könnten 2020 in Betrieb gehen
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22:02 16.05.2019
Die Montage zeigt den Blick von Silixen aus in Richtung Rinteln und Schaumburg, wo eines der 240-Meter-Windräder gebaut werden soll. Quelle: tol
Rinteln/Silixen

Kürzlich trafen sich auf Einladung der Bürgerinitiative „Gegenwind Silixen“ Anwohner, Politiker, Interessierte sowie zwei Vertreter des Investors „Prowind“ aus Osnabrück an der Hilgenrekte in Silixen, wo „Prowind“ von einem Windmesswagen derzeit das Windaufkommen erfassen lässt.

Wie berichtet, will „Prowind“ in zwei sogenannten Konzentrationszonen neben dem Möllenbecker Wald die Anlagen errichten. Der Bauausschuss der Gemeinde Extertal hatte widersprochen, da die Rotorblätter einer Anlage über die Zone hinausragen würden. „Prowind“ hält an dem Vorhaben jedoch fest und will die Genehmigung vom Kreis Lippe einholen.

„Bei den geplanten Anlagen handelt es sich um den Typ GE 5.3-158 des Herstellers General Electric“, teilt Philipp Richter auf Anfrage dieser Zeitung mit. Richter ist Projektentwickler bei „Prowind“ und war am Samstag mit einem Kollegen vor Ort. Die Anlagen werden eine Nabenhöhe von 161 Metern aufweisen, inklusive Rotorblättern eine Gesamthöhe von 240 Metern. Der Rotor-Durchmesser wird 158 Meter betragen.

Zum Vergleich: Der Kölner Dom misst gut 160 Meter, der St.-Nikolai-Turm ist knapp über 50 Meter hoch, ein Fußballfeld ist nach FIFA-Standard 105 Meter lang.
„Das wären die höchsten Windenergieanlagen, die in Deutschland bislang gebaut wurden“, sagt Sebastian Wallenstein, Sprecher der Bürgerinitiative „Gegenwind Silixen“. Der Initiative gehören derzeit nach eigener Aussage 17 Haushalte an. Bislang gebe es eine solche Anlage, als Prototyp, in den Niederlanden.

Das kleine Windrad gibt es schon und misst 99 Meter, der Kölner Dom 160 Meter, der Turm von St. Nikolai knappe 50 – das geplante Windrad bis zur Nabe 160 Meter.

„Prowind“ sagt: Niedrigere Anlagen an diesem Standort lohnen sich nicht. „Bei den aktuellen Vergütungen des einzuspeisenden Stromes“ sei es nicht wirtschaftlich, dort Anlagen mit kleinerem Rotor-Durchmesser – von beispielsweise 117 Metern – zu bauen und zu betreiben, erläutert Richter. Für die wirtschaftliche Betrachtung eines Windparkes seien vor allem die Nennleistung sowie die Fläche, die zur Umwandlung der Energie des Windes genutzt werden kann, entscheidend. Bei einem Rotor-Durchmesser von 117 Metern und einer Nennleistung von 3,45 Megawatt könnten die Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden, so Richter. Bei der nun geplanten Größe würde die Nennleistung 5,3 Megawatt betragen.

Doch es regt sich Widerstand gegen die Pläne von Prowind: „240 Meter hohe Windräder sind weder im Sinne der Natur noch der Anwohner“, sagt etwa der Möllenbecker CDU-Politiker Anthony-Robert Lee, der am Samstag selbst vor Ort war.

Auch Sebastian Wallenstein ist gegen die Höhe der beiden Anlagen – wenn auch nicht, betont er, gegen Windenergie grundsätzlich. „Wir haben schon viele Anlagen im Extertal, aber das hier, das ist die Superlative“, sagt er. Er sieht Flora, Fauna, die Gesundheit der Anwohner sowie den Tourismus im Extertal und in Rinteln gefährdet. „Wie will die Stadt Rinteln sich touristisch vermarkten, wenn die Anlagen erst einmal stehen?“, fragt Wallenstein.

Uhu brütet im Wald

Jetzt sei die Zeit zu handeln, sagt auch Anthony-Robert Lee, der sich gemeinsam mit anderen Rintelner Politikern, Wallenstein sowie dem Rintelner Naturschutzbund (Nabu) im Gespräch befindet. Dessen Vorsitzender ist Nick Büscher, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Nabu Niedersachsen. Er war ebenfalls in Silixen. Er teilt Wallensteins Bedenken hinsichtlich der Nähe zum Möllenbecker Wald: Dort brüte der Uhu, außerdem gebe es den Rotmilan und Schwarzstörche, „die Kartierung läuft noch“.

Philipp Richter von „Prowind“ zählt auf, welche Genehmigungen der Investor laut Bundes-Immissionsschutzgesetz nun einholen muss, bevor er den Bauantrag beim Kreis Lippe stellen kann: Schallimmissionsprognose, Schattenwurfprognose, Gutachten zur optisch bedrängenden Wirkung, Umweltverträglichkeitsbericht, landschaftspflegerischer Begleitplan, Fachbeitrag Artenschutz inklusive Artenschutzprüfung, gutachterliche Stellungnahme zur Standorteignung, Baugrunduntersuchung und Gründungsempfehlung, ein Brandschutzkonzept sowie ein Gutachten zur Gefährdung durch Eiswurf oder Eisfall.

Vor Ort, sagt Naturschützer Büscher, habe „Prowind“ die Zusage gegeben, dass das Unternehmen nicht rechtlich dagegen vorgehen wolle, falls ein Gutachten gegen den Bau spreche.
Darauf will sich Wallenstein nicht verlassen: „Jetzt muss eine öffentliche Diskussion stattfinden“, in die sich auch die Stadt Rinteln, der Landkreis Schaumburg und die Tourismusverbände einschalten müssten, sagt er. Und die Bürger. „Das hier betrifft alle“, betont Wallenstein. mld