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Rinteln Stadt Bei Brigitte Dunker ist die Rente gleich null
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Bei Brigitte Dunker ist die Rente gleich null
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00:19 30.01.2019
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Rinteln

„Ich würde so gern mal wieder durch die Stadt gehen, mir was Schönes kaufen oder einen Kaffee trinken“, sagt sie. „Aber das überlege ich mir vorher fünf Mal.“

Zusammen mit Witwenrente und Wohngeld kommt sie auf ein Einkommen von 820 Euro im Monat. Nach Abzug von Miete und Nebenkosten bleiben 300 Euro für das tägliche Leben. Ihre eigene Rente ist kaum der Rede wert. Dunker hat schon mit achtzehn Jahren geheiratet und war gerade neunzehn Jahre alt, als sie ihr Kind bekam. Bereits drei Jahre später war sie geschieden und seitdem alleinerziehende Mutter.

Rentenbeiträge kamen nie zusammen

„Natürlich hab‘ ich da auch gearbeitet, das musste auch sein, denn mein Ex-Mann zahlte keinen Unterhalt für mich und das Kind“, sagt sie. „Das waren meistens Putzstellen und meistens ohne offizielle Anstellung, in den Siebziger- und Achtzigerjahren sah es schlecht aus mit der Kinderbetreuung für Alleinerziehende.“ Rentenbeiträge kamen da nicht zusammen. Erst als der Sohn selbstständig wurde, machte sie den Lkw-Führerschein und konnte damit Vollzeit arbeiten.

Wohngeld statt Grundsicherung

„Ich war eine leidenschaftliche Autofahrerin, ich liebte meinen Beruf“, sagt sie. „Aber jetzt habe ich kein Auto mehr, nicht mal ein Fahrrad.“ Irgendwie klappt es nicht, darauf zu sparen. „Immer kommt was dazwischen, zum Beispiel jetzt ein Receiver fürs Fernsehen, wegen der Umstellung auf digital.“ Einkaufen tut sie nur beim Discounter, wo sie auch das Futter für ihren Rambo besorgt.

„Und ja, ich rauche – Selbstgedrehte. Ich habe mein Leben lang geraucht. Aufhören, das schaffe ich jetzt nicht auch noch.“ Viel Geld besaß Brigitte Dunker nie, auch nicht als Lkw-Fahrerin. Ihr zweiter Mann war selbstständig, Schulden hatten sich angehäuft, die beiden gaben ihre Wohnung auf und zogen auf den Campingplatz. Schließlich wurde der Mann schwer krank, sie kümmerte sich um ihn, bis er vor acht Jahren starb. Grundsicherung bekomme sie nicht, sagt sie. Man habe ihr auf dem Sozialamt erklärt, dass sie mit Wohngeld besser dastünde.

Einen Tag am Meer

Gerade macht ihr etwas Sorgen, dass sie demnächst ins Krankenhaus muss und dafür noch einen neuen Schlafanzug braucht. „Ich war früher schon einige Male bei der Kleiderkammer“, sagt sie. „Die Sachen da passen mir leider nicht.“ Auch die Tafel habe sie vor Jahren mal besucht. Da wolle sie aber nicht mehr hin, weil man oft lange warten müsse, und sie hat einen kaputten Rücken. „Ja, vom Geld her bin ich schon arm“, sagt sie. „Aber ich habe mich damit arrangiert.“

Eine große Hilfe und Freude ist ihre junge Nachbarin, eine alleinerziehende Mutter, mit der sie sich freundschaftlich versteht und auf deren Kind sie manchmal aufpasst. Im letzten Sommer sind sie zusammen ans Meer gefahren, früh morgens los an die Nordsee, Picknick und Spielzeug dabei, am späten Abend wieder zurück. „Den ganzen Tag am Strand, das war so schön! Und wir kamen mal raus.“ Unbedingt wollen sie das in diesem Jahr wiederholen.

Von Cornelia Kurth