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Rinteln Stadt Beschwerde gegen Kühne-Glaser
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Beschwerde gegen Kühne-Glaser
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19:03 25.03.2019
Petra Sellmann-Sümenicht (von links), Christa Kotowski, Waltraut Bauer und Regina Augustintschitsch finden deutliche Worte über den Umgang der Kirche mit der Causa Roggenkamp.  Quelle: mld
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Krankenhagen

Das Schreiben, das Regina Augustintschitsch, Waltraut Bauer, Christa Kotowski und Petra Sellmann-Sümenicht verfasst haben, ist sechs Seiten lang, eng beschrieben und trägt Stunden voller Arbeit in sich. Und heftige, anklagende Worte, vor allem gegen einen: Superintendent Andreas Kühne-Glaser. Er sei mit seinem langjährigen Kirchenvorstand und ehrenamtlichen Mitarbeitern „respektlos“ und „wenig wertschätzend“ umgegangen, habe eine „Mauer des Schweigens“ aufgebaut, habe teilweise einen „herablassenden Umgangston“ an den Tag gelegt.

Es geht um den Umgang der Kirche mit dem Pfarrverwalter in Ausbildung, Tobias Roggenkamp. Dessen – für die Gemeinde plötzliche – Abberufung im August 2018 hat riesige Wellen geschlagen. Das Schreiben ist an den Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gerichtet, Ralf Meister. Seine vier Verfasserinnen gehören dem ehemaligen Krankenhäger Kirchenvorstand an, der bis Anfang Juni 2018 im Amt war. Die vier waren direkt an der Entscheidung beteiligt, die Roggenkamp für seine Ausbildung nach Krankenhagen holte.

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Tobias Roggenkamp war wie ein Sechser im Lotto für uns“, schildert Augustintschitsch die Freude, mit der er im Ort aufgenommen worden sei.
Umso betroffener habe da seine Abberufung gemacht. „Wir hatten Tränen in den Augen“, sagen die Krankenhägerinnen. Doch schlimmer fast, was danach folgte: Weder eine „offene Aussprache“ noch eine Unterschriftenaktion – an der sich gut ein Viertel der Gemeindemitglieder beteiligte – oder der Besuch der Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr hatten Klärung, eindeutige Gründe für die Abberufung oder mehr Transparenz in den Augen des Ex-Kirchenvorstands hervorgebracht.

Das Schreiben kritisiert vor allem das Verhalten von Superintendent Kühne-Glaser. Ihm werfen die vier Verfasserinnen vor, „seine Aufgabe als Ausbilder und Anleiter“ für Roggenkamp „wesentlich vernachlässigt“ zu haben. Obwohl sich Roggenkamp noch in Ausbildung befunden habe, sei er in der gesamten Zeit auf sich allein gestellt gewesen. Bei Roggenkamp hingegen hätten sie keinerlei Versäumnisse feststellen können. Der Superintendent habe es außerdem in der Zeit nach der Abberufung versäumt, „klärend und vermittelnd in die Kirchengemeinde zu wirken“. Kühne-Glaser sei „wesentlich dafür verantwortlich, dass die Gemeinde tief gespalten ist, dieser Graben darüber hinaus durch das ganze Dorf geht, Freundschaften unter Druck geraten und Unstimmigkeiten selbst Familien belasten“, so die vier in ihrem Schreiben.

Doch auch das Verhalten der Landeskirche kritisieren sie: Warum etwa hat es bei dieser wichtigen Frage keine Visitation oder keinen runden Tisch gegeben? Warum sei der Kirchenvorstand nicht miteinbezogen worden?

"Unwürdig und inakzeptabel"

Durch das Schreiben haben die vier Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Kühne-Glaser eingelegt. Durch eine solche Beschwerde kann gerügt werden, wenn ein Amtsträger seine Dienstpflicht verletzt hat. Das ist in den Augen der vier Krankenhägerinnen hier der Fall. Der Umgang mit Roggenkamp sowie mit Kirchenmitgliedern, die dessen Abberufung nicht akzeptieren wollten, sei „unwürdig und inakzeptabel“. Ein solches Verhalten könne sich „die Kirche im 21. Jahrhundert“ nicht leisten; es schrecke langjährige sowie jüngere Mitglieder ab.

Aus dem ehemaligen Kirchenvorstand, bestehend aus sechs Personen, sind mehrere zur reformierten Gemeinde Rinteln gewechselt, andere sind komplett aus der Kirche ausgetreten. „Keiner von uns kann in dieser Gemeinde einfach so weitermachen“, sagt Petra Sellmann-Sümenicht, die sich wie die anderen Vorstandsmitglieder jahrelang ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert hat.

Das Schreiben haben die vier Frauen am 13. Februar losgeschickt. Auf eine Antwort des Landesbischofs warten sie bis heute. „Nicht einmal eine Eingangsbestätigung“ hätten sie erhalten. Sie wollen ihr Schreiben nicht als bloße Anklage verstanden wissen, sondern als „Gesprächsangebot“. Doch dass dies von der Landeskirche nicht angenommen wird, sagen sie, „das passt in diese ganze Geschichte“. Die Causa Roggenkamp wird sie – wie wohl viele Krankenhäger – weiter beschäftigen: „Unser Zorn und unsere Enttäuschung sind nicht verflogen.“