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Rinteln Stadt Besser nicht auf der Lkw-Spur fahren
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Besser nicht auf der Lkw-Spur fahren
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20:45 20.08.2018
Es wird laut Verkehrsexperte immer gefährlicher, auf der rechten Autobahnspur zu fahren.
Es wird laut Verkehrsexperte immer gefährlicher, auf der rechten Autobahnspur zu fahren.
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Rinteln

Gibt es eine Lösung für die vielen Lastwagen-Unfälle und Staus? Handke versichert, seine Branche arbeite daran. Politisch müsse gelöst werden, dass Lkw-Fahrer Abstandshaltesysteme nicht mehr abschalten können. Bereits jetzt gebe es Konvoi-Fahrten, vor allem in Holland – in der Testphase. Das werfe allerdings ein neues Problem auf: Wer neben einem solchen Konvoi fahre und bei der nächsten Ausfahrt abfahren wolle, habe dazu kaum eine Chance.

Über dieses und andere Themen hat Handke jüngst in Berlin in einem Arbeitskreis während einer Tagung der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) diskutiert. In diesen Gremien werden unter anderem technische Regelwerke und Wissensdokumente ausgearbeitet.

Fünf Stufen nennen Ingenieure, wenn sie vom autonomen Fahren reden. Level 1 sind Assistenzsysteme wie Abstandsregeltempomat oder Spurwechselwarner, Level 2 Spurführung oder teilautomatisches Einparken, Level 3 Systeme, bei denen der Fahrer jederzeit eingreifen können muss. Beim höchsten Level gibt es keinen Fahrer mehr, nur noch einen Passagier.

Während in Medien suggeriert wird, wir stünden kurz davor, bald alle in selbstfahrenden Wagen unterwegs zu sein, empfiehlt Handke diesbezüglich mehr Realitätssinn. Was Google da vorführe, erinnere eher an „Daisytown“ und „Donald Duck“.

Handke sagt: „Bis ich mit meinem privaten Wagen autonom, also ohne einzugreifen, durch eine Stadt fahren kann, werden wohl noch 20 Jahre vergehen.“ Die Anforderungen seien noch zu komplex, als dass sie ein Rechner fehlerfrei lösen könne. Denn in einer Stadt verändere sich die Verkehrslage von Tag zu Tag. Der Computer müsste beispielsweise jeden geöffneten Gullydeckel, jede neue Baustelle kennen und selbst dann richtig reagieren, wenn plötzlich ein Elefant quer über die Straße in die Grünanlage auf der anderen Seite trabt. Der Verband der Automobilindustrie hat dazu einen witzigen Katalog zusammengestellt. Zu den dort illustrierten „unvorhersagbaren Ereignissen“ gehört auch besagter Dickhäuter.

Schon heute könnte technisch eine Ampel mit Fahrzeugen kommunizieren, „was sie bei Bussen und Straßenbahnen ja auch tut“. Nur sei es eine Sache, „eine solche Technik in ein Fahrzeug einzubauen, das man verkaufen will, eine andere, die komplette Infrastruktur einer Stadt anzupassen“. Das koste viel Geld, das Städte heute schon nicht haben.

Vorstellbar sei, dass Busse und Taxen auf eigenen Spuren unterwegs sind. Das gebe es ja schon in einigen Städten. Nur ganz ohne Fahrer? Handke hat da Zweifel: „Was macht eine Frau mit Rollator, die ein Taxi braucht? Autonom gibt es keinen Fahrer, der aussteigt, ihr in den Wagen hilft und ihren Rollator im Kofferraum verstaut.“

Schneller zu erwarten sei dagegen autonomes Fahren auf der Autobahn. Schon heute gebe es alle Assistenzsysteme, die dafür nötig seien. Ansonsten werde es ein kontinuierlicher Prozess bleiben, wie bisher. Ein Prozess, der mit dem automatischen Scheibenwischer begonnen hat, gefolgt von ABS, ASR und abblendenden Scheinwerfern bei Gegenverkehr.

Ungelöst sei bisher die Situation der „Übergabe“ vom Computer zurück an den menschlichen Chauffeur: Angenommen der Wagen steuert autonom durch einen Stau und Stop-and-go-Verkehr. Dann ist die Strecke wieder frei – und eigentlich müsste jetzt der Fahrer wieder übernehmen. Der ist aber längst eingeschlafen. Was soll der Wagen tun? Bremsen, rechts ranfahren und den Fahrer mit einem Fanfarenstoß wecken?

Und Handke nennt noch einen Punkt, der von Autobauern gern verschwiegen wird: Nur Automatikautos können autonom fahren. Deutschen Autofahrern wiederum zu vermitteln, dass sie dann auf ihre geliebte „sportliche“ Gangschaltung verzichten müssten, das sei auch eine psychologische Herausforderung. Doch schon die Stop-and-go-Funktion im Stau funktioniere ja nur im Automatikwagen. „Da sitzt kein Roboter im Fußraum, der auf die Kupplung tritt.“

Handkes Prognose: In zehn Jahren wird der letzte Schaltwagen gebaut. wm