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Rinteln Stadt Bluttat an der Bäckerstraße: Mutter bittet um Gerechtigkeit
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Bluttat an der Bäckerstraße: Mutter bittet um Gerechtigkeit
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23:03 09.10.2019
Polizei und Rettungsdienst am Einsatzort an der Bäckerstraße. Quelle: Archiv
Rinteln/Bückeburg

Nach ihrer Zeugenaussage äußert die Mutter noch einen Wunsch. „Ich bitte darum, dass Sie für Gerechtigkeit sorgen, denn er hat meine Tochter getötet und mich von innen zerrissen“, sagt sie zu den fünf Richtern, übersetzt von einer Dolmetscherin. Gleich danach betritt der Vater den Bückeburger Schwurgerichtssaal.

Nachdem sich der 43-Jährige gesetzt hat, beginnt er sofort zu weinen und bringt minutenlang kein Wort hervor. Wenige Meter entfernt greift der Angeklagte ebenfalls zum Taschentuch.
Im Totschlagsprozess gegen den 28-Jährigen, der seine von ihm getrennt lebende Frau (22) in deren Wohnung an der Rintelner Bäckerstraße mit 27 Messerstichen getötet haben soll, haben am Mittwoch Familienangehörige ausgesagt. Einige beschrieben den Messerstecher, der die Tat bereits gestanden hat, als gewalttätigen Menschen.

Ehefrau und Mutter geschlagen

So soll der Afghane nicht nur seine Ehefrau wiederholt geschlagen, sondern einmal deren Mutter (39) mit einem Faustschlag das Nasenbein gebrochen haben. Zu diesem Übergriff soll es gekommen sein, als die Familie vorübergehend im Iran lebte, wo der Mann in einem Schlachthof arbeitete. „Die Nase meiner Mutter musste im Krankenhaus operiert werden“, so der Bruder (18) der getöteten Frau. Den kleinen Bruder des 18-Jährigen soll der erwachsene Mann „so verprügelt“ haben, „dass er auf dem Boden lag“.

In einem anderen Fall soll der jetzt Angeklagte seine Frau an den Haaren gezogen und mit dem Kopf auf den Boden geschlagen haben. „Ich habe ihn angefleht, dass er seine Frau nicht mehr schlagen soll“, erinnert sich die Mutter des Opfers. „Er hat sie oft geschlagen.“ In Freiburg/Elbe (Landkreis Stade), wo das Paar zusammengelebt hatte, soll der Mann seiner Frau im Streit ein Messer an den Bauch gehalten haben.

"Hier gehe ich nur sechs Jahre in den Knast – und das ist mir egal"

Bei einer polizeilichen Vernehmung hatte der Bruder der getöteten Rintelnerin einige Sätze zu Protokoll gegeben, die deren Mann sinngemäß zu seiner Frau gesagt haben soll: „Er sagte öfter, dass er keine Angst habe, sie zu töten.“ Denn: „Das ist hier ja Deutschland. Da gehe ich nur sechs Jahre in den Knast – und das ist mir egal.“ Das Paar, Cousin und Cousine, hatte geheiratet, als die Frau 15 war.

Nach der Bluttat, begangen in der Nacht zum 12. März, hatte der Messerstecher die gemeinsamen Kinder, zwei kleine Mädchen, bei der Familie seines Onkels in Wunstorf abgegeben. Eine der Töchter erzählte dem Verwandten: „Mein Vater hat etwas Schlechtes getan. Er hat mit einem Messer in den Bauch meiner Mutter gestochen.“ Dies berichtete der Onkel als Zeuge im Prozess.

Klärendes Gespräch als Vorwand

Den Angaben zufolge soll sich der Täter gewaltsam Zugang zur Wohnung seiner Frau verschafft haben. Angeblich wollte er nur die Kinder zurückbringen und mit seiner Frau ein klärendes Gespräch führen. Die 22-Jährige war verblutet, getroffen von tödlichen Messerstichen in Brust, Bauch und Hals. Die Mutter, begleitet von anderen Familienangehörigen aus Rinteln, hatte ihre Tochter in der Wohnung gefunden. „Dann habe ich angefangen zu schreien“, erinnert sie sich. „Er hat alle ihre Wünsche zerstört.“ ly