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Rinteln Stadt Brandschutz bei Hirschkuppe und Burghof-Klinik überprüfen
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Brandschutz bei Hirschkuppe und Burghof-Klinik überprüfen
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22:27 14.10.2019
„Mehr Kontrolle geht nicht“: Brandschutztreppe am Kloster Möllenbeck. Quelle: tol
Rinteln

Außer einer Sondersitzung des Rates, die einberufen werden soll, sowie einer Kostenobergrenze für einen eventuellen Hallenneubau war es vor allem ein Antrag, der jetzt einige Gemüter hochkochen lässt: Neuhäuser fordert, dass außer städtischen Gebäuden auch Gebäude in Privatbesitz brandschutztechnisch überprüft werden sollen – und zwar jene, „in denen sich dauerhaft Menschen aufhalten“. Konkret benannte Neuhäuser das Kloster Möllenbeck inklusive ehemalige Jugendherberge, die Burghof-Klinik und den Jugendhof Hirschkuppe.

Die Diskussion hat Georg Schmidt mitverfolgt – Neuhäusers Antrag sorgt jedoch für gewisse Erheiterung bei dem Geschäftsführer der Burghof-Klinik. „Natürlich erfüllen wir alle Auflagen, und der Brandschutz befindet sich auf dem aktuellen Stand“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Klinik hat derzeit sieben Standorte in Schaumburg, vier davon in Rinteln. Das Haus 1, die sogenannte „Burg“ in der Ritterstraße 19, wird seit rund hundert Jahren zur Behandlung psychisch Kranker genutzt. „Natürlich ist diese historische Bausubstanz besonders beschaffen“, sagt Schmidt.

Brandschutz in Burghof-Klinik auf aktuellem Stand

Gerade erst habe man für dieses Gebäude die Liste in Sachen Brandschutzmaßnahmen komplett abgearbeitet. „Wir sind natürlich nach Recht und Gesetz verpflichtet, den Brandschutz auf aktuellstem Stand zu halten“, so Schmidt. Die Brandschutzkonzepte würden von Fachingenieuren erarbeitet und dann umgesetzt, so Schmidt.

Auch Jürgen Kruska, Seniorchef des JugendhofsHirschkuppe“ in Steinbergen, kann sich nur wundern: Bei ihm sei der Brandschützer praktisch ein- und ausgegangen, als man in den Jahren 2012 bis 2018 an- und umgebaut habe. Ein extra beauftragtes Ingenieurbüro habe speziell für die Einrichtung ein Brandschutzkonzept entwickelt, das auch dem Landesjugendamt vorgelegt worden sei: „Mehr Kontrolle geht nicht.“ Mit der Feuerwehr habe eine Ortsbegehung stattgefunden.

Der Jugendhof habe in den Brandschutz mehrere Hunderttausend Euro investiert. Für das brandsichere Treppenhaus plus zwei brandsicheren Fluchtreppenhäuser, Brandschutztüren und Fenster hätte man ein Einfamilienhaus bauen können. Die Einfahrt sei für Rettungsfahrzeuge verbreitert worden, es gebe einen beleuchteten Sammelplatz, zwei Balkone, die die Feuerwehr über Leitern erreichen könne, Brandabschnittswände seien eingebaut worden.

Privatkrieg nicht auf Rücken von Steuerzahlern austragen

Für keine gute Lösung halte er allerdings, dass Alarme – also auch Fehlalarme – direkt bei der Leitstelle auflaufen und jedes Mal die Feuerwehr ausrücken muss. Kruska schilderte, im Jugendhof seien rund um die Uhr Erzieher im Haus, jeder habe ein Handy und könne sofort klären, ob es tatsächlich brennt oder einer der sehr empfindlichen Brandmelder aus einem anderen Grund ausgelöst hat.

Mit seiner Meinung von der Diskussion hält Kruska nicht hinterm Berg: „Seinen politischen Privatkrieg mit Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer sollte er nicht auf dem Rücken von Steuerzahlern und Arbeitgebern austragen.“ von Hans Weimann und Marieluise Denecke 

Rufschädigung?

Auch der WGS-Parteikollege von Gert Armin Neuhäuser, Heinrich Sasse, findet kritische Worte für dessen Antrag: „Müssen Rintelner Firmen jetzt eine ‚private Baupolizei‘ fürchten?“, fragt Sasse in einem Statement gegenüber dieser Zeitung. Die Hirschkuppe sowie die Burghof-Klinik seien seriöse „Ankerfirmen“ in Rinteln und würden nun vor Neuhäusers „Flinte des Brandschutzes“ in die Öffentlichkeit gezerrt.

Statt einer neuen Wendung in der Diskussion um den Brückentorsaal sieht Sasse darin „eine neue Runde in einem inzwischen mehr als unsinnig geführten Schlagabtausch.“ Diese Diskussion werde nun „auf dem Rücken der Kinder“ der Hirschkuppe ausgetragen. Durch diesen Antrag sollen wohl die genannten Unternehmen öffentlich und „rücksichtslos“ in den Verdacht gebracht werden, dass der Brandschutz nicht in Ordnung sei. Sasse sieht darin letztlich „öffentliche Rufschädigung“, an der sich „hoffentlich“ weder die WGS-Ratsfraktion noch die übrigen Rintelner Stadträte beteiligen werden.  mld