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Rinteln Stadt Brückentor-Miteigentümer: Bis zur Sanierung könnten Jahre vergehen
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Brückentor-Miteigentümer: Bis zur Sanierung könnten Jahre vergehen
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10:01 13.08.2019
Der Brückentor-Komplex ist vielen in Rinteln ans Herz gewachsen. Miteigentümer Christian Schneidewind allerdings hält eine Sanierung für ungeeignet. Quelle: Archiv, Tobias Landmann
Rinteln

Lange hat sich Christian Schneidewind mit öffentlichen Stellungnahmen zurückgehalten. Dabei kommt ihm in der Diskussion rund um den Brückentor-Komplex eine zentrale Rolle zu.

Brückentor-Komplex: Wem gehört hier was?

Gemeinsam mit seinem Bruder besitzt er den westlichen Teil des Gebäudes, inklusive des ehemaligen „Coop“. Der östliche Teil der Immobilie gehört der Stadt und den Schneidewinds im Gemeinschaftseigentum. Die Stadt besitzt den Saal und das Restaurant, das darüberliegende Hotel gehört den Schneidewinds.

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Mit seiner ersten ausführlichen Stellungnahme nimmt Schneidewind den Sanierungs-Befürwortern kräftig Wind aus den Segeln. Diese hatten immer wieder argumentiert, eine Sanierung sei nicht nur günstiger, sondern gehe auch viel schneller als ein Neubau. Vor allem der Kulturring pochte immer wieder darauf, Rinteln brauche möglichst schnell wieder eine große Veranstaltungsfläche.

Darum geht Schneidewind von weiteren Verzögerungen aus

„So schnell wird das nichts“, betont nun aber Schneidewind. Ihm zufolge müsse vor einer Sanierung die Teilungserklärung mit der Gemeinschaftsordnung für Hotel, Restaurant und Saal überarbeitet werden. Darin sind Rechte und Pflichten der beiden Eigentümer-Parteien geregelt. Etwa auch, wer für anfallende Arbeiten zahlt.

Sie ist 1975 abgeschlossen worden und seitdem unverändert geblieben. Sie sei dadurch vollkommen veraltet und muss dringend überarbeitet werden, findet Schneidewind. Aufgrund vieler schwammiger Formulierungen bezeichnete sie auch Jurist und WGS-Ratsherr Heinrich Sasse als „Einladung zu künftigen Rechtsstreitigkeiten“.

Schneidewind: Bis die Sanierung startet, würden Jahre vergehen

Doch ehe er mit der Stadt in die Verhandlungen einsteigen könnte, müssten umfangreiche Vorarbeiten durchgeführt werden, betont Schneidewind. So müssten das gesamte Grundstück sowie die Gebäude neu vermessen werden. Zudem seien auch die Bestandspläne über den Baukörper sowie die Haustechnik zu aktualisieren. Außerdem müsse die nicht mehr benötigte Haustechnik zurückgebaut werden.

Zwölf Monate Wartezeit sind bei Facharchitekten keine Seltenheit.

Christian Schneidewind , Brückentor-Miteigentümer

Für all diese Arbeiten müsse man auf Facharchitekten zurückgreifen, die allerdings nur nacheinander arbeiten könnten. „Und zwölf Monate Wartezeit sind dabei keine Seltenheit“, sagt Schneidewind. So würden Jahre vergehen, bevor man überhaupt die Sanierung planen könnte.

Und dann müsse man auch noch Firmen finden, die eine derartige Sanierungsmaßnahme zeitnah und preiswert durchführen könnten. „Neu bauen ist immer einfacher als eine Sanierung im Bestand“, sagt Schneidewind.

Schneidewind hat keine Pläne für den Komplex - und will verkaufen

Zwar habe er das Gebäude in den vergangenen 44 Jahren zu schätzen gelernt, dennoch handele es sich für ihn und seinen Bruder um ein Renditeobjekt. Sie hätten keine Pläne, den Brückentorkomplex weiterzuentwickeln. Dementsprechend bevorzugt Schneidewind einen gemeinsamen Verkauf an einen Investor.

Den von ihm geforderten Kaufpreis wollte Schneidewind nicht explizit beziffern. Dieser richte sich nach marktüblichen Kriterien für Renditeobjekte. Er weist aber darauf hin, dass der gegenüber dem Investor Norbert Dittel im Raum stehende Verkaufspreis heute nicht mehr aktuell sei.

"Hervorragend": Das sagt der Miteigentümer zum Zustand des Baus

Den Zustand der Immobilie, insbesondere der Statik, der vonseiten der Politik immer wieder kritisiert wurde, bezeichnet er als „hervorragend“. Sein Vater, der den Komplex errichtet und erst Jahre später einen Teil an die Stadt verkauft habe, habe immer grundsolide gebaut. Hochwasser könne dem Gebäude nichts anhaben, er habe außerdem in seinem Gebäudeteil immer die Substanz erhalten.

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Den Vorschlag von CDU-Ratsherr Kay Steding, einfach die ehemalige Passage zwischen Saal und dem „Woolworth“-Kaufhaus abzureißen und so einen Durchgang zur Weser zu schaffen, hält Schneidewind zwar für machbar, aber für sehr teuer. Der weserseitige Teil der Passage sei für die Statik der beiden anderen Gebäudeteile wichtig. Er könne nicht einfach so entfernt werden.

Für das Erdgeschoss der Passage gibt es potenzielle Mieter

Dabei verrät Schneidewind außerdem, dass es durchaus Mietinteressenten für die ehemalige Passage gebe. Allerdings nur für das Erdgeschoss. „Und wir wollen den gesamten Bereich zusammen vermieten.“

Zunächst heißt es auch für Schneidewind: Warten auf den Bürgerentscheid. „Basisdemokratische Entscheidungen finde ich gut“, betont er. Er appelliert aber dafür, die Sache ohne Emotionen zu betrachten. Fakten kämen in der Debatte manchmal zu kurz. von Jakob Gokl

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Kauft Schneidewind den ganzen Komplex?

Auch die Möglichkeit, er könne selbst das gesamte Brückentor-Objekt von der Stadt kaufen, fasst Christian Schneidewind ins Auge. Dafür brauche er aber auch einige zusätzliche Flächen um das Gebäude, etwa in Richtung Weser.

Schneidewind will nur eine "Anerkennungssumme" zahlen

Die dort errichtete Promenade wolle er dagegen nicht erwerben. Eine Variante, für die sich auf Anfrage dieser Zeitung sogar einige CDU-Ratsherren erwärmen könnten. Allerdings bezeichnet Schneidewind den Kauf nur als „Ultima Ratio“.

Und viel Geld braucht die Stadt durch den Verkauf an Schneidewind auch nicht zu erwarten. Er spricht lediglich von einer „Anerkennungssumme“, die er bereit sei zu bezahlen. Für einen Saal habe er schlichtweg keine Verwendung, es seien also umfangreiche Umbauarbeiten notwendig. jak