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Rinteln Stadt Bücherparadies in Rinteln schließt: Hausbesitzer erklärt die Hintergründe
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Bücherparadies in Rinteln schließt: Hausbesitzer erklärt die Hintergründe
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14:19 08.09.2019
Ladengeschäft auf zwei Etagen: Nur eines der Probleme für das Bücherparadies.
Rinteln

Eine Buchhandlung am Anfang der Weserstraße – das gehöre zur Rintelner Fußgängerzone doch einfach dazu, findet Adam Aulich. Schon lange bevor das vor zwei Jahren von ihm erworbene Haus im Jahr 2000 neu gebaut wurde, betrieb die Familie Droste an gleicher Stelle einen Buchladen, erinnert er sich. Doch mit Jahresende wird das 2013 eröffnete Bücherparadies schließen. Der Mietvertrag wurde fristgerecht gekündigt, bestätigt Aulich. Die von ihm genannten Gründe dafür können durchaus als exemplarisch für die Probleme des innerstädtischen Einzelhandels gelten.

Zu viele Etagen und sinkender Umsatz

Die Fläche: Mit 460 Quadratmeter hat das Geschäftslokal von Aulich eigentlich eine gute Größe. Das Problem: Es ist aufgeteilt auf zwei Geschoße. Diese sind zwar über eine Treppe sowie einen Aufzug barrierefrei zu erreichen, trotzdem stelle das Einzelhändler vor Probleme, so Aulich. „Man braucht immer zwei bis drei Mitarbeiter vor Ort, um beide Etagen im Auge zu behalten.“ Das erhöhe die Personalkosten drastisch.

Der Umsatz sinkt: Zusätzlich zur Konkurrenz durch das Internet, haben sich auch die Lesegewohnheiten in den vergangenen Jahren verändert. Immer mehr Menschen greifen statt zu richtigen Büchern lieber zu digitalen e-books.

Nur das Erdgeschoss nutzbar?

Die Abgaben steigen: Um keine neue Straßenausbaubeitragssatzung beschließen zu müssen, hat sich der Rintelner Stadtrat dafür entschieden, die Grundsteuer um 20 Prozent anzuheben, um Straßensanierungen finanzieren zu können. „Das sind auf einen Schlag 500 Euro mehr im Jahr – ich habe als Hausbesitzer keine andere Wahl, als das über die Mietnebenkosten auf unsere Mieter umzulegen“, so Aulich. „Gerade für kleine Läden mit geringem Umsatz ist das schwierig. Ich weiß auch nicht, was die Politik sich dabei denkt. Die Nebenkosten steigen und steigen, der Umsatz wird aber dadurch nicht mehr.“

Wie geht es weiter: Zwar ist der Mietvertrag bereits gekündigt, dennoch laufen mit der Besitzerin des Bücherparadies noch Verhandlungen. „Sie möchte gerne nur das Erdgeschoß nutzen“, erklärt Aulich. Dadurch könne sie sich die zusätzlichen Personalkosten sparen. „Allerdings will sie für die Hälfte der Fläche auch nur die Hälfte der Miete bezahlen“, erklärt Aulich. Und hier entsteht sein Problem. Einen Leerstand in der oberen Etage kann er sich nicht leisten. Er hat das Gebäude erst vor wenigen Jahren erworben. „Und meine Verbindlichkeiten gegenüber der Bank sinken ja nicht plötzlich.“

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Nachmieter fehlen: Seit drei bis vier Monaten sucht Aulich daher einen Nachmieter, der die gesamte Ladenfläche mieten möchte. „Ich habe festgestellt, dass es schwierig ist“, sagt Aulich. Er habe mit großen Handelsketten wie Douglas oder Fielmann gesprochen, aber auch mit der Buchhandelskette „Thalia“. Denen sei Rinteln aber schlicht zu klein gewesen. „Dabei geht die Lage nicht besser“, findet Aulich.

Mieter für Obergeschoss gesucht

Möglicherweise finde sich auch ein Mieter nur für das Obergeschoß, dann gäbe es eine gute Chance, dass das Bücherparadies doch bleibe. Allerdings kämen dann wohl erhebliche Umbauarbeiten auf Aulich zu, derzeit ist das Obergeschoß über eine große Freitreppe mitten im Erdgeschoß zu erreichen. Wie es dann weitergehen soll ist unklar. Doch Aulich zeigt sich zuversichtlich, eine Lösung zu finden. „Einen Leerstand könnte ich mir auch gar nicht leisten“, betont er.

Trotz mehrfacher Anfrage der SZ/LZ war Nina Rittgerodt für diese Zeitung nicht zu erreichen. von Jakob Gokl