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Rinteln Stadt Das sind Priemers Ideen für den Kollegienplatz
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Das sind Priemers Ideen für den Kollegienplatz
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08:07 15.08.2019
Kollegienplatz von oben: Links oben befindet sich die reformierte Jakobi-Kirche, rechts unten ein Teil des alten Rathauses. Darüber die baufälligen Schnittger-Pavillions. In der Bildmitte ist die Hildburg-Schule, oben der Altbau, davor der Neubau. Der Platz vor der Schule ist ebenfalls denkmalgeschützt, darf also nicht verbaut werden. Quelle: Archiv
Rinteln

Thomas Priemer möchte den Platz dennoch mit Leben füllen, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Was Priemer am Kollegienplatz ansiedeln möchte

Auf jeden Fall sollen sich künftig mehrere Institutionen die Räume der heutigen IGS teilen. Geht es nach Priemer, soll das Mehrgenerationenhaus vom derzeitigen Standort an der Ostertorstraße (ehemalige „Kulisse“) an den Kollegienplatz ziehen. Die Academia-Hochschule will Priemer dort ebenfalls ansiedeln – zunächst mit dem bereits laufenden Wochenendunterricht, zukünftig sei aber das Ziel, auch ein ganzwöchiges Präsenzstudium in Rinteln zu etablieren. Außerdem platzt das Stadtarchiv aus allen Nähten – die drei Standorte im Bürgerhaus Rinteln, im Museum Eulenburg und im Rathaus könnten zentral am Kollegienplatz zusammengeführt werden. Alternativ könnte auch die Stadtbücherei ihr neues Zuhause am Kollegienplatz finden, das Stadtarchiv stattdessen neben der Eulenburg angesiedelt werden. Vorteil für die Stadtbücherei: Derzeit ist der Raum etwas eng, außerdem über zwei Stockwerke verteilt.

Über den Wunsch der Polizei, ihr suboptimales Hauptquartier am Hasphurtweg zu verlassen und an den Kollegienplatz zu ziehen, hat diese Zeitung bereits berichtet. Priemer betont, die Stadt würde einen Umzug durchaus begrüßen.

Wenn man Mehrgenerationenhaus, Polizei und Stadtbücherei oder Stadtarchiv am Kollegienplatz zusammenführe, könne man das Gebäude mit vergleichsweise geringen Kosten sinnvoll nachnutzen, sagt Priemer. Größte Investition werde wohl der Einbau eines Aufzuges sein, der im Gebäude leider keinen Platz finde. Außerdem werde man in die energetische Sanierung investieren. Ansonsten sei die Hildburgschule baulich gut in Schuss. Das gilt allerdings nicht für die sogenannten „Schnittger-Pavillons“ vor dem Gebäude in Richtung Klosterstraße. Diese sind nicht denkmalgeschützt, könnten also abgerissen werden. Gleichwohl blute ihm bei dem Gedanken daran ein wenig das Herz, gibt Priemer zu.

Was der Bürgermeister für keine gute Idee hält

Anders sähe es aus, wenn – wie vor Jahren noch diskutiert – ein großer Einzelhändler am Kollegienplatz angesiedelt würde. „Diese Pläne sind aber seit geraumer Zeit Makulatur“, sagt Priemer. Denn ein Supermarkt funktioniere nur mit direkt angrenzendem Parkplatz. „Niemand schiebt heute noch seine Einkäufe quer über die Straße“, so Priemer. Das hieße, ein Parkhaus müsse entweder unterirdisch (schon aus archäologischen Gründen schwierig) oder als zusätzliches Geschoss über dem Gebäude (hier hakt es am Denkmalschutz) angebaut werden. In jedem Fall wäre es eine teure und für Investoren unattraktive Lösung.

Auch eine Wohnbebauung will Priemer nicht weiter verfolgen. „Der Markt funktioniert, in Rinteln wird viel gebaut“, findet er.

Den Umzug der Grundschule Süd, wie von der CDU seit Jahren gefordert, hält Priemer ebenfalls für unrealistisch. „Das würde richtig teuer werden.“ Eine Grundschule habe ganz andere bauliche Anforderungen. Vor allem sieht der Bürgermeister aber ein Problem beim Schulhof. Priemer zitiert die Befürchtungen des Grundschulkollegiums, ihre Schützlinge könnten mehr oder weniger ungehindert versuchen, sich auf den Weg in die Innenstadt zu machen. Den Schulhof einzuzäunen, hält Priemer sowohl für eine unschöne als auch aus Denkmalschutzgründen schwierige Idee. „Ich denke über so eine Lösung nur gemeinsam mit den Grundschullehrern, der Landesschulbehörde und der Denkmalschutzbehördenach.“

Einen Umzug von Teilen der Verwaltung aus dem alten oder neuen Rathaus an den Kollegienplatz schließt Priemer dagegen aus. Der Platz reiche aus.

Was sich durch diese Pläne außerdem verändern würde

Das Gebäude des Mehrgenerationenhauses an der Ostertorstraße platzt aus allen Nähten. Außerdem seien ständig kostspielige Investitionen, etwa in den Brandschutz und die Technik, notwendig. Priemer würde das Gebäude nach einem Umzug am liebsten abreißen und das Gelände für eine Wohnbebauung freigeben lassen. Wenn das Stadtarchiv aus dem Bürgerhaus am Marktplatz auszieht, könnten sich dort die Touristikzentrale Westliches Weserbergland sowie das Standesamt vergrößern.

Beide brauchen dringend mehr Platz. Ein vernünftiges Stadtarchiv zu führen, ist eine kommunale Pflichtaufgabe. Hier müsse die Stadt sowieso reagieren, so Priemer. Das derzeitige Polizei-Gebäude am Hasphurtweg gehört zum größten Teil einem privaten Immobilienbesitzer, nur die Garagen gehören dem Land Niedersachsen. Diese würden bei einem Umzug wohl verkauft.

Wie die Planungen für den Kollegienplatz weitergehen

Das Thema soll ab Frühjahr 2020 in den Ausschüssen der Stadt besprochen werden. In dem Jahr ist auch ein niedriger fünfstelliger Betrag für Planungskosten im Haushalt vorgesehen. Realisiert werden können etwaige Pläne erst nach dem Umzug der IGS. Frühestens 2021 könnte es so weit sein.

Von Jakob Gokl

Kurze Geschichte des Kollegienplatzes

1817  wurde das Gymnasium eröffnet, anfangs ein Schulleiter, sechs Lehrer.

1847  erwarb die Stadt Rinteln den Kollegienplatz vom hessischen Staat.

1876  wird das „neue“ Gymnasium eingeweiht. In dem Gebäude befindet sich heute die IGS.

1882  wurde die erste Turnhalle gebaut. Sie existiert nicht mehr.

1906  Erweiterung des damaligen Gymnasiums um das Direktorenhaus und naturwissenschaftliche Räume.

1945  Britische Truppen nutzen das Schulgebäude als Militärunterkunft. Ab Dezember 1945 wird es wieder als Schule genutzt.

1956  Der Platz reicht nicht aus. Anbau des Seitenflügels und der Neubau einer Turnhalle, beide stehen heute noch. Ab diesem Jahr trägt das Gymnasium den Namen Ernestinum.

1970  Der Landkreis übernimmt das Gymnasium von der Schule samt Gebäude.

1974  Neubau des bestehenden Gymnasiums Ernestinum, Umzug an die Burgfeldsweide.

1975  Einzug Pestalozzi-Schule und Orientierungsstufe I.

2004  Hildburgschule zieht an Kollegienplatz.

2015  Haupt- und Realschule bilden die IGS am Kollegienplatz sowie an der Ostertorstraße.

2016  Beschluss Neubau IGS an der Burgfeldsweide, Stadt Rinteln erhält Grundstück Kollegienplatz zurück.