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Rinteln Stadt Die erste Frau an der Spitze der türkisch-islamischen Gemeinde Rinteln
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Die erste Frau an der Spitze der türkisch-islamischen Gemeinde Rinteln
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22:16 24.10.2019
Hanife Azman, Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde (links), mit ihrer Freundin, der Dolmetscherin Ayse Akgül.  Quelle: Cornelia Kurth
Rinteln

„Ich komme ursprünglich vom Schwarzen Meer“, sagt sie. „Die Frauen dort sind stark. Das bin ich auch.“

Ja, sie wirkt wirklich stark, eine hochgewachsene, klug und gelassen wirkende Frau, die ihr Kopftuch wie ein Schmuckstück trägt. Im Handumdrehen hat sie es geschafft, Gemeindemitglieder zu verschiedenen Spendenaktionen zu motivieren, damit das Geld für die jetzt endlich in Angriff genommenen Renovierungen am Moscheegebäude zusammenkommt. „Viele unserer Männer dachten, eine Frau hätte es zu schwer, sich durchzusetzen“, sagt sie. Sie hat bisher das Gegenteil bewiesen.

Keine Frauenrechtlerin

Im Gespräch mit dieser Zeitung allerdings ist sie auf die Übersetzung durch ihre wortgewandte Freundin Ayse Akgül (43) angewiesen. Die springt zwischen der deutschen und der türkischen Sprache hin und her, als sei es ein und dieselbe Sprache. Das ist hier auch nötig. Während Ayse Akgül nämlich schon seit ihrer Kindheit für ihre Familie und andere Türken als Dolmetscherin fungierte, bewegt sich Hanife Azmans Deutsch in engen Grenzen. „Ich habe zu lange gedacht, dass ich doch wieder in die Türkei zurückkehre“, sagt sie.

Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass Azman nicht als Frauenrechtlerin in der Gemeinde auftritt. Niemals würde sie ihr Kopftuch ablegen. Auf keinen Fall wäre sie dafür, dass die Frauen gemeinsam mit den Männern im selben Raum der Moschee beten („Es wäre sehr unangenehm, sich beim Beten zu bücken, wenn Männer direkt hinter einem sitzen.“), und selbstverständlich hält sie sich an die Regel, dass sie sich nicht mit einem fremden Mann allein in einem Raum aufhält, nicht einmal mit dem Imam.

Frauen und Männer vor Gott gleich

„Das sind Dinge, die mir mein Glaube vorschreibt und die ich deshalb annehme“, sagt sie. „Aber das ändert nichts daran, dass Frauen genauso klug sein können wie die Männer.“ Im Islam seien Frauen und Männer vor Gott gleich und deshalb gleichberechtigt, erklärt sie. „Alle Regeln gelten ja auch umgekehrt.“

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Sie habe schon gemerkt, dass manche Männer es nicht „so toll“ fänden, wenn ihre Frauen selbstständig seien und auch außerhalb der Familie Verantwortung übernehmen würden. Bei ihren nächsten Worten lacht sie, und ihre Freundin lacht ebenfalls, als sie übersetzt: „Ich glaube, sie sind dann einfach eifersüchtig.“

Ihr gehe es in erster Linie darum, die Angelegenheiten der Gemeinde voranzutreiben. Die Renovierungsarbeiten seien so lange liegen geblieben – und nun in vollem Gang. Das überzeugt. „Ich hab das natürlich nicht allein gemacht“, betont sie. „Wir arbeiten alle sehr gut zusammen.“

Azman möchte Vorbild sein

Die Frauen in der Gemeinde seien sehr glücklich über ihre Wahl. „Ich glaube, dass ich da ein Vorbild bin“, meint sie. „Ein Vorbild für andere Frauen, an sich zu glauben.“ Vielleicht, das hoffe sie, werde es nach ihr weitere Frauen als Vorsitzende der Gemeinde geben.

Im Übrigen wolle sie auch für ihre Tochter, die aufs Gymnasium gehe, ein Vorbild sein. „Natürlich habe ich ihr alles über unseren Glauben beigebracht, das ist meine Pflicht als Muslimin“, sagt sie. Aber sie übe keinen Druck auf ihre Kinder aus, auch das sei eine Regel des Korans. „Wie sie ihren Glauben leben, das ist ihnen, wie allen anderen auch, selbst überlassen“, meint sie.

von Cornelia Kurth