Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Dieser Mann hilft Menschen, ihre Rintelner Vorfahren zu finden
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Dieser Mann hilft Menschen, ihre Rintelner Vorfahren zu finden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 18.05.2019
Jürgen Witte verbringt seine Freizeit mit Kirchenbüchern. Der Rintelner ist Ahnenforscher aus Leidenschaft. Quelle: cok
Rinteln

Ohne Weiteres kann Witte natürlich nicht jedem helfen, der sich aus Kanada und den USA, aus Südafrika oder Europa bei ihm meldet. Aber er hat da seine Quellen, und das sind vor allem die Kirchenbücher der Nikolai- und der Jakobi-Kirche. Jürgen Witte ist Ahnenforscher. In seinen Worten heißt das: „Ich habe die Genealogitis.“

Stammbaum reicht bis 1465: So kommt Jürgen Witte zu seinem Hobby

Die Leidenschaft, in alten Quellen nach Hinweisen auf die Vorfahren anderer Menschen zu suchen, hat ihren Ursprung in den vielen Gesprächen mit seinem Großvater und den dadurch angeregten Forschungen zur eigenen Familie. „Es ist unglaublich faszinierend, was man da herausbekommen kann“, sagt er.

Mehr zum Thema: Auch dieser Lindhorster hat die Ahnenforschung für sich entdeckt

Er weiß jetzt zum Beispiel, dass er Vorfahren in Schweden hat und 25 Cousins und Cousinen in den USA. Bis ins Jahr 1465, also 16 Generationen zurück, kann er den Familienstammbaum beschreiben.

Zu Recherchen nach Pommern und Schlesien gereist

Zusammen mit seiner Frau reiste er nach Ostpreußen, Pommern und Schlesien, dazu nutzte er die Recherchemöglichkeiten über das Internet. Dabei habe er so viel gelernt, dass er dieses Wissen auch für andere Menschen einsetzen wolle, sagt er.

In den Kirchenbüchern, zum Beispiel bei diesem Trauungs-Eintrag von 1737, findet sich nicht jeder zurecht. Jürgen Witte allerdings schon.

Die frühere Nikolai-Pastorin Astrid Bunselmeyer war begeistert von seinem Angebot, ehrenamtlich für die Ahnenforschung zur Verfügung zu stehen. Bis dahin sei es sehr schwierig gewesen, die Anfragen von in der Welt verstreuten Rintelnern zu beantworten.

Darum findet sich nicht jeder in Kirchenbüchern zurecht

Kirchenbücher könne man nämlich nicht einfach so lesen. Dem ungeübten Blick erscheint die alte deutsche Kurrentschrift wie eine Geheimschrift. Die Pastoren, die ihre Einträge über Taufen, Hochzeiten und Todesfälle machten, benutzen oft Abkürzungen, und dazu hat sich auch die Sprache insgesamt so gewandelt, dass man Wortbedeutungen nicht immer einordnen kann.

Der Ausdruck „copuliren“ für „verheiraten“ ist da noch eine leichte Übung.

Geschichten von Musketieren und Korporalen

Inzwischen ist Jürgen Witte, zumindest was die Kirchenbücher von Nikolai- und der Jakobi-Kirche betrifft, längst Profi. „Ich kenne die halb auswendig“, meint er. „Wenn ich einen Namen höre, ahne ich oft schon, wo und wie ich suchen muss und was dabei herauskommen wird.“

Die Jakobi-Kirche etwa war ab 1651 die Pfarrkirche für die hessischen Beamten und Soldaten sowie deren Familien. „Da finden sich ganz andere bestimmte Berufe – Füsiliere, Musketiere, Korporale.“

Diese Hürden muss Witte bei seiner Arbeit meistern

Ohne detektivisches Gespür komme man aus mancher Sackgasse nicht mehr heraus, so Witte. Die eingetragenen Namen enthielten nicht selten Schreibfehler, vor allem, wenn sie nur nach Gehör oder sogar aus dem Gedächtnis aufgeschrieben würden.

Mehr zum Thema: „Es gab Zeiten, da wollte jeder mit Karl dem Großen verwandt sein.“

Da müsse man dann Wohnorte und Geburts- und Sterbedaten vergleichen, um die Identität einer Person festzustellen. „Man braucht Ausdauer, Hartnäckigkeit und Leidenschaft dazu“, sagt er nicht ohne Stolz.

Unbekannte Urgroßväter: Wittes Leidenschaft teilen nicht viele

Was er wirklich schade findet: dass es nicht viele Menschen gibt, mit denen er dieses Hobby teilt. „Ich könnte stundenlang darüber reden“, betont er. „Aber immer wieder höre ich auch: Was interessiert mich das? Die Leute sind doch schon so lange tot und waren ja sowieso nichts Besonderes.“

Dass manche nicht eimal den Vornamen eines verstorbenen Großvaters oder ihrer Urgroßeltern wüssten, findet er erschreckend. von Cornelia Kurth