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Rinteln Stadt Einzigartiges Programm
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Einzigartiges Programm
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08:15 03.05.2017
Sind stolz auf das „Sprint Dual“-Programm für Flüchtlinge: Vertreter der Berufsbildenden Schulen, des Landkreises, der Agentur für Arbeit und der heimischen Betriebe. Und natürlich: die Flüchtlinge selber. Quelle: mld
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Rinteln

Ansonsten läuft er; eine Stunde lang. „Das zeigt nun wirklich, wie engagiert die jungen Menschen sind“, sagt Herbert Habenicht, Leiter der Berufsbildenden Schulen (BBS) Rinteln. Safizadeh geht als Flüchtling hier zu Schule. Gleichzeitig wird er bei Ardagh ausgebildet. Das Programm, das dies ermöglicht, heißt „Sprint Dual“, und es wird von seinen Initiatoren als in dieser Form „einzigartig“ in Niedersachsen bezeichnet.

Das Programm gibt Schulen landesweit einen Rahmen, um junge Flüchtlinge zwei Jahre zu beschulen und durch die Vermittlung der deutschen Sprache, von Grundlagenwissen und der Einführung ins Arbeits- und Berufslebens für den Berufseinstieg zu qualifizieren. In den BBS Rinteln wurde es im Februar begonnen, und schon jetzt zeigen sich alle Mitwirkenden überzeugt.

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Kompetenztest lotet Sprachniveau und Interessen aus

Wie wird festgestellt, ob ein Flüchtling für das Programm infrage kommt? Zum einen gibt es einen Kompetenztest, in dem das Sprachniveau und die Interessen des Flüchtlings ausgelotet werden. Und zum anderen gibt die Schule eine Empfehlung aus, wie Lehrkraft Alexandra Backhaus erzählt. Welcher Bereich interessiert die Flüchtlinge? Was liegt ihnen besonders? Mit welchem Betrieb kommt man überein? Denn die können so auch künftige Fachkräfte akquirieren. Dann nimmt die Schule Kontakt zu heimischen Betrieben auf. Vier Tage ist der Flüchtling im Betrieb und macht dort ein Praktikum, ein Tag ist er in der Schule.

„Am Anfang dachten wir: Das können wir alles allein organisieren“, sagt der stellvertretende BBS-Schulleiter Günter Potthast. Allerdings habe man schnell festgestellt: So einfach ist es doch nicht. Jeder Flüchtling braucht zum Beispiel eine Sozialversicherungs- oder eine Kontonummer, um in einem Betrieb arbeiten zu können. Und wie ist es mit der Versicherung?

Also kamen schnell der Landkreis, die Agentur für Arbeit, das Jobcenter, die Kreishandwerkerschaft sowie die IHK an Bord. Und so hat sich ein Netzwerk ergeben, das sich zum Ziel gesetzt hat, „möglichst viele Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren“.

Altenpflege, Fensterbau und Fleischerei

Zwölf junge Flüchtlinge sind derzeit im Programm. Sie arbeiten beispielsweise in der Altenpflege im „Haus Desiree“ (Bad Eilsen), bei „Schock Fensterbau“ oder bei der Fleischerei Rauch (beide Rinteln). Fünf von ihnen haben bereits feste Zusagen für Ausbildungsplätze. Die, die diese Zusage nicht haben – weil beispielsweise das Sprachniveau oder der Schulabschluss aus Sicht des Betriebs nicht ausreichen – können auch nach Ende des Projekts in den Betrieben bleiben.

Mit dem Programm soll es weitergehen: Es gebe allein für Rinteln schon drei weitere Flüchtlinge, die ins „Sprint Dual“-Programm passen würden, so Jutta Fischer von der Agentur für Arbeit. Betriebe, die aufgenommen werden wollen, können sich an die Agentur wenden. mld