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Rinteln Stadt Feuerwehr Rinteln übt Kritik: Schaulustige behindern Löscharbeiten
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Feuerwehr Rinteln übt Kritik: Schaulustige behindern Löscharbeiten
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20:55 26.01.2020
Scharen von Schaulustigen behindern immens die Arbeit der Feuerwehr. Und: Im Feuerwehrgerätehaus in Rinteln soll ein Logistikzentrum für die gesamte Feuerwehr entstehen. Bei der Hauptversammlung blickt unter anderem Ortsbrandmeister Thomas Blaue (Mitte) auf ein bewegtes Jahr zurück.  Quelle: tol
RINTELN

224-mal ist die Ortsfeuerwehr Rinteln im vergangenen Jahr alarmiert worden. Dann führt für die Feuerwehrleute kein Weg daran vorbei, alles stehen und liegen zu lassen, um zum Einsatz zu eilen. „Dieses Ehrenamt ist absolut verpflichtend“, betonte Ortsbrandmeister Thomas Blaue während der Jahresversammlung im Ratskellersaal.

Umso mehr freue er sich, dass die Stadt alle Beschaffungsanträge zu hundert Prozent genehmigt habe, dass Polizei, Stadtwerke, das Technische Hilfswerk und die Rettungswache zusammen mit der Feuerwehr an einem Strang zögen. Auch die Nachsicht der Familien und die Bereitschaft von Arbeitgebern, die Feuerwehrleute entsprechend freizustellen, trügen dazu bei, dass die unverzichtbare Feuerwehrarbeit erfolgreich verlaufen könne.

Der Rückblick auf das Jahr 2019, den Zugführer Sven Thiele unterhaltsam gestaltete und mit Fotos von einzelnen Einsätzen ergänzte, ließ erkennen, wie unterschiedlich und manchmal auch absurd die Situationen sind, zu denen die Feuerwehr gerufen wird.

Außer der obligatorischen Katze auf dem Baum oder einem im Fallrohr festgeklemmten Vogel, neben den ständigen Brandstiftungen am Baumarkt in der Nordstadt, dem klassischen angebrannten Essen und den Heckenbränden an heißen Tagen stand die Feuerwehr auch bei Verkehrsunfällen bereit, hatte sie einen Menschen aus der Weser zu retten und rückte auch zur Notlandung eines Segelfliegers an, der laut Thiele gar nicht habe fassen können, plötzlich von lauter Rettungskräften umringt zu sein.

Das im Zuge der Hauptversammlung als Feuerwehrleute beförderte halbe Dutzend Nachwuchskräfte: Jan-Henrik Pollmeyer, Tristan Kadriu sowie Zoe Mühlenhoff. Niklas Geisler und Michael Wöbse wirken von nun an als Oberfeuerwehrmänner. Tom Kubatzki stieg auf in den Rang eines Ersten Hauptfeuerwehrmannes. 

Drei Großbrände seien zu bewältigen gewesen, so Thiele, darunter der Brand im alten Veltheimer Kraftwerk. Das Erschreckendste daran sei nicht der Brand an sich gewesen, sondern dass auch in diesem Fall, wie so oft, ganze Scharen von Schaulustigen gestört und die Anfahrt für die Löschfahrzeuge im Umkreis von zwei Kilometern behindert hätten.

Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote sah ebenfalls besorgt auf das „Gaffer-Problem“. Vor zehn Jahren sei es noch unvorstellbar gewesen, dass man bei Unfällen Sichtschutzwände hätte aufbauen und auf Gewalt gegen Einsatzkräfte hätte gefasst sein müssen. Tröstlich immerhin: Die Anzahl der Fehlalarme habe sich drastisch verringert, von 75 im Jahr 2018 auf jetzt nur noch 53.

Ein wichtiges, zukunftweisendes Thema sei die „Feuerwehr 4.0“, das heißt, die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Leitsysteme, erläuterte Blaue. Der Leitstand in Rinteln ist bereits auf digitale Technik umgerüstet. Damit flächendeckende Einsätze rund um Starkregen oder Hochwasser noch besser koordiniert werden könnten, werde ein „Whiteboard“ für die Einsatzbesprechungen angeschafft.

Insgesamt sei geplant, das unterstrich auch Bürgermeister Thomas Priemer, am Feuerwehrgerätehaus ein Logistikzentrum für die gesamte Stadtfeuerwehr aufzubauen. Im März werde man über die Anbaupläne informieren.

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Von hoher Bedeutung für die Sicherheit der Feuerwehrleute sei das in den vergangenen dreieinhalb Jahren erarbeitete Hygienekonzept, so Blaue, das bereits am Einsatzort für die Dekontaminierung von Mensch, Kleidung und Geräten sorge. Er habe mit der Verwaltung der Stadt darüber gesprochen, dass dieses Konzept konsequent weiterentwickelt werden müsse.

Außer Kinderfeuerwehrwartin Anette Krüger und Jugendfeuerwehrwartin Rilana Meyer mit ihren Jahresberichten kam auch der Chef der Altersabteilung, Horst Werner, zu Wort. Seine Aufzählungen von all den vergnüglichen Treffen samt vorzüglichen Speisen für die altgedienten Feuerwehrleute machten vor allem deutlich: Der Lohn der freiwilligen Arbeit für die Feuerwehr besteht auch in einer besonders nachhaltigen Geselligkeit. Von Cornelia Kurth