Friedel Hotopp: Malermeister mit Künstlerseele aus Rinteln
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Friedel Hotopp: Malermeister mit Künstlerseele aus Rinteln

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13:22 30.12.2020
Jürgen Gödecke neben einem von Hotopp gemalten Wandgemälde, einem Stadtplan von Rinteln.
Jürgen Gödecke neben einem von Hotopp gemalten Wandgemälde, einem Stadtplan von Rinteln. Quelle: Cornelia Kurth
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Rinteln

Damals hatte Friedel Hotopp so einige Rintelner Hausfassaden mit zum Teil direkt in den Putz gearbeiteten Bildern geschmückt, darunter das Boot am Kanuclub Rinteln, den Drucker am Haus des Merkur-Verlags oder - leider wie viele andere Bilder auch nicht mehr existent - ein „Roland“ an der früheren Feuerwehr in der Schulstraße.

Friedel Hotopp, geboren 1912, war ein Malermeister, der so viel lieber Künstler geworden wäre. Seine Lieblingsaufträge waren neben den Wandbildern das Malen von Werbeplakaten, die Beschriftung von Firmenwagen- und Transportern oder das Ausmalen von alten Schriften an Fachwerkhäusern. Sein Betrieb in der Bäckerstraße übernahm aber auch alle Routine-Malerarbeiten.

Unzählige Gemälde

Sein Neffe und Patensohn Jürgen Gödecke hatte gar keine andere Wahl, als beim Onkel in die Lehre zu gehen. „Direkt bei der Konfirmation sagte er zu mir: Du übernimmst mal den Laden“, so Gödecke. So kam es dann auch.

Kaum war Friedel Hotopp 65 Jahre alt geworden, stieg er aus, zog nach Todenmann und verbrachte seine Tage im eigenen Atelier, wo unzählige Gemälde entstanden. Zuvor hatte er sich auf eine dreimonatige Weltreise per Schiff begeben, deren Eindrücke sich oftmals in seinen Bildern wiederfanden.

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Der große Stadtplan in Gödeckes Haus, dem ehemaligen Hotopp-Malerbetrieb, müsste eigentlich im Museum hängen, so sehr erzählt das Gemälde wie nebenbei Geschichten der Stadt, wohl aus den 1950er Jahren. Am noch ganz unbebauten Steinanger wird nicht nur Fußball, sondern auch Handball gespielt. Im Schwimmbad gab es bereits einen Sprungturm; auf der Weser fahren Lastkähne, an der Waldkaterallee waren noch die Briten stationiert und in der Hafenstraße kamen die Pfadfinder zusammen, erkennbar an einem Männlein in entsprechender Uniform.

In die Fußstapfen des Onkels

Die Gödeckes würden dieses Erbe des Onkel aber niemals hergeben, ebensowenig wie ein stilisiertes Relief in ihrer Wohnung, das die einzelnen Stationen im Lebenslauf eines Menschen einfängt. Die allermeisten Bilder, die Friedel Hotopp im Alter malte, sind bei einer Nichte veblieben. Angeblich hatte der Malermeister schließlich kaum noch sein Atelier verlassen, bis er, zu seinem großen Kummer, einen Schlaganfall erlitt, der ihm das Malen unmöglich machte. Vor genau 40 Jahren ist er dann gestorben.

Jürgen Gödecke ist zwar, was den Malerbetrieb betrifft, in die Fußstapfen seines Onkel getreten. Das Künstlerische aber hat er nicht geerbt, wohl aber seine Tochter, die sehr gerne malt und ihren Eltern schon manches Bild geschenkt hat, die nun in der Nachbarschaft der Bilder ihres alten Verwandten hängen. von Cornelia Kurth