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Rinteln Stadt Gras aus deutschen Landen
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21:35 26.05.2017
Indoor-Plantagen werden oft zufällig während eines Polizeieinsatzes entdeckt. Quelle: dpa
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Rinteln/Auetal

Die Konkurrenz für den Schwarzen Afghane schläft nicht: Ob auf Waldlichtungen, im Feld oder in alten Hallen – immer öfter nehmen Leute in der Region das Risiko auf sich, beim Anbau von Cannabis erwischt zu werden. Das Ziehen von deutschem Marihuana, oft mit einem hohen THC-Gehalt, lohnt sich anscheinend.

 2016 gab es in Rinteln und dem Auetal drei Fälle, zwei Indoor und eine Outdoor-Plantage. Im Nachbarlandkreis Hameln-Pyrmont wurden 18 Plantagen entdeckt. Meist handelte es sich um Kleinplantagen (ab 20 Pflanzen).

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 In Niedersachsen ist die Zahl von 79 auf 85 gestiegen (gezählt wird hier erst ab 20 Pflanzen, also ab einer Kleinplantage), wie das Landeskriminalamt (LKA) bestätigt. Kleinplantagen machen zwar den Hauptanteil aus (47 in 2015 und 48 in 2016), den größten Zuwachs verzeichnen allerdings die Großplantagen (von 29 im Jahr 2015 auf 34 in 2016). Profiplantagen (ab 1000 Pflanzen) wurden in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils drei entdeckt.

 Ein Vergleich mit anderen Bundesländern sei zwar derzeit nicht möglich, weil der Bericht des BKA noch nicht vorliege, aber: „In den letzten Jahren wurden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die meisten illegalen Cannabis-Indoorplantagen entdeckt“, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamtes. Laut Suchtbericht der Bundesregierung war Niedersachsen bereits 2010 das Bundesland mit den meisten Cannabis-Plantagen.“ Woran liegt das? „Es scheint preislich interessant zu sein“, vermutet Polizeisprecher Jens Petersen.

 Nach dem härteren Vorgehen der niederländischen Behörden gegen Handel und Anbau von Cannabis hatte sich die Szene 2010 in Richtung Deutschland verlagert. Inzwischen sei die frühere Konzentration der Anlagen in der Nähe der holländischen Grenze einer gleichmäßigen Verteilung über ganz Niedersachsen gewichen, so das Landeskriminalamt.

Hinweise aus Bayern

Ein Fall ist Korte von der Rintelner Polizei in Erinnerung geblieben: Nach einer Trennung schwärzte eine Frau ihren Exmann wegen dessen Grasplantage an. „Trennungen sind oft ein Gewinn für die Polizei“, meint Korte. Als die Polizei das Haus durchsuchte, stellte sie fest, dass der Mann schwer krank war, keine Krankenversicherung besaß und das Gras für den Eigenbedarf zur Schmerzlinderung angebaut hatte. Da es sich außerdem nur um zwölf Pflanzen handelte, wurde das Verfahren später eingestellt.

 Bei einer weiteren 2016 gefundenen Plantage habe ein Hinweis aus Bayern die heimischen Polizisten auf die Spur der Rintelner Grasplantage gebracht. In einer ganz anderen Ermittlung hatte die Polizei in Bayern einen Whats-App-Verlauf eingesehen. Dort schickte der Rintelner Fotos seiner Plantage an den Bekannten in Bayern. Die Rintelner Polizei konnte fünf Pflanzen sicherstellen. Die größte Plantage wurde 2016 im Auetal entdeckt. Etwa 100 Pflanzen wurden in Borstel sichergestellt.

 Das Equipment für Cannabis-Plantagen kann in Deutschland über das Internet und in Geschäften, sogenannten „Grow Shops“, legal gekauft werden. Nur eine Beratung zum Anbau ist nicht zulässig.

 „Oftmals werden Indoor-Plantagen eher zufällig während eines Polizeieinsatzes – zum Beispiel wegen Streitigkeiten oder Ruhestörung – entdeckt“, sagt Petersen. Die meisten werden nach Hinweisen von Bürgern aufgespürt, erklärt ein Sprecher des LKA. „Um die polizeiliche Ermittlungsarbeit zu unterstützen, besteht auch die Möglichkeit, einen Hubschrauber einzusetzen“, sagt der Sprecher.

 Aus der Luft machen sich die Fahnder zum Beispiel mit eine Wärmebildkamera auf die Suche. Die Strahlung der Lampen – oftmals 600-Watt-Natriumdampflampen, die täglich so viel Strom wie eine Durchschnittsfamilie im halben Jahr verbrauchen – verraten den Standort. Manch ein Anbauer investiert deshalb sogar in aufwendige Wärmedämmung.

Von Dorothee Balzereit und Jakob Gokl