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Rinteln Stadt Hindernisse bei der Wohnungssuche
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Hindernisse bei der Wohnungssuche
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21:45 29.07.2018
Barrierefreie und innenstadtnahe Wohnungen sind in Rinteln Mangelware.
Barrierefreie und innenstadtnahe Wohnungen sind in Rinteln Mangelware. Quelle: Archiv
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Rinteln

Bislang lautet die Antwort: „Eine Wohnung zu finden, die barrierefrei und bezahlbar ist, ist ein Glücksfall“, so Pollmann.

Ein Blick in ein großes Onlineportal, über das viele Menschen Wohnungen suchen, bestätigt den Eindruck. Angeboten werden in der Kernstadt Objekte wie eine 158-Quadratmeter-Wohnung mit vier Zimmern (Kaltmiete 1185 Euro) – mehr wahrscheinlich, als ein Rentner-Ehepaar braucht und bezahlen möchte – oder eine 2-Zimmer-Wohnung mit knapp 40 Quadratmetern in der Südstadt, die schnell zu eng werden könnte. Eine neuwertige, barrierefreie Drei-Zimmer-Wohnung in der Virchowstraße kostet kalt mehr als 500 Euro. Günstige Wohnungen in Fußwegentfernung zu den Geschäften, barrierefrei? Fehlanzeige.

Nur ein Angebot

Auf der Homepage der städtischen Siedlungsgesellschaft GVS findet sich unter der Rubrik „leer stehende Wohnungen“ genau ein Angebot. Die Rubrik „Behindertengerechtes und barrierefreies Wohnen“ zählt lediglich die „Alte Feuerwehr“ auf, eine Anlage für betreutes Wohnen. Dies sei tatsächlich das einzige barrierefreie Angebot der GVS, sagt Mitarbeiter Günther Brandt auf Nachfrage. Die 44 Wohnungen würden gut nachgefragt, es gebe bereits eine Warteliste.

Manfred Pollmann erzählt, er erhalte öfters Anfragen von älteren Rintelnern, die sich seit Jahren eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss in Innenstadtnähe wünschen – aber nicht fündig werden. Wenn es solche Wohnungen gebe, dann seien sie für die meisten Menschen zu teuer, sagt Pollmann.

„6,50 Euro kalt pro Quadratmeter können sich viele Menschen nicht leisten“, kritisiert er. Denn viele Menschen müssten mit gerade einmal 800 bis 900 Euro Rente pro Monat auskommen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete beträgt in der Innenstadt laut jüngstem Grundstücksmarktbericht übrigens 6,20 Euro pro Quadratmeter.

Streit zwischen SPD und WGS

Mit den Diskussionen um Kollegienplatz und Brückentorkomplex war auch politisch wieder Bewegung ins Thema gekommen und hatte 2016/2017 zum Streit zwischen SPD und WGS geführt (wir berichteten). Es ging um eine Grundsatzfrage: Sollten Angebot und Nachfrage für bezahlbaren Wohnraum sorgen oder sollte er durch die Politik zielgerichtet geschaffen werden?

Nach Meinung von FDP und WGS sollte der „freie Markt“ das Angebot an Wohnungen regeln. Aber: „Markt bedeutet doch auch, Auswahl zu haben“, kritisiert Pollmann. Laut ihm sollte es Aufgabe der GVS sein, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen.

Achim Lüders, Immobilien-Fachmann von der Sparkassen Schaumburg, kann die hohe Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum bestätigen, vor allem in Bad Nenndorf und Bückeburg, doch auch in Rinteln. Entweder suchen Interessenten für sich oder aber als Geldanlage. Gerade Altbauten seien schwierig, barrierefrei umzubauen – Neubauten hingegen seien heutzutage meist barrierefrei.

Mangel an Grundstücken

Doch: Die meisten Menschen wollen barrierefrei in Laufnähe zur Innenstadt wohnen. „Da würde mir gerade nur der Bauplatz in der Krankenhäger Straße einfallen, ansonsten nichts“, zeigt Lüders das große Problem in Rinteln auf: Mangel an bebaubaren Grundstücken. Gerne würde die Sparkasse mehr barrierefreie Wohnungen bauen und anbieten. „Interessenten wären da“, so Lüders. Aber: „Was wir nicht haben, können wir nicht anbieten.“

Auch bei der Volksbank in Schaumburg liegt eine hohe Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen vor, bestätigt Fachmann Christian Gregor. Auf der Verkäuferseite gebe es viele Menschen, die bereits im mittleren Alter ihr Wohnhaus in einem Ortsteil verkaufen und dafür barrierefrei in Innenstadtnähe wohnen möchten.

Derzeit gebe es jedoch kein entsprechendes Angebot im Bestand der Volksbank. „Und Altbauten barrierefrei umzubauen, ist beinahe unmöglich“, sagt Gregor – allein Denkmal- und Hochwasserschutz machten eine freie und unkomplizierte Planung schwierig. Wenn es ein Angebot in ansprechender Lage gäbe, ist sich Gregor sicher, dann werde man das auch gut vermarkten können.

Von Marieluise Denecke