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Rinteln Stadt Hinter den Kulissen der „Babalou-Bar“
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Hinter den Kulissen der „Babalou-Bar“
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20:15 24.08.2018
Die Striptease-Stange und der rote Vorhang weisen schon darauf hin, dass in dieser Kneipe nicht nur getrunken wurde.
Die Striptease-Stange und der rote Vorhang weisen schon darauf hin, dass in dieser Kneipe nicht nur getrunken wurde.
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Rinteln

„Unser Pächter hat immer gesagt: ,Mit dem Pimpern verdient man kaum Geld‘“, berichtet Strate. „Wirklich Umsatz hat er nur mit der Kneipe gemacht.“

Zuletzt habe ein Bier etwa drei, ein Cocktail vier Euro gekostet – „da hat viele schon der Preis gelockt“. Außerdem habe man keine Schließzeiten – das heißt: Oft kamen die letzten Gäste vom Marktplatz oder dem „Happy Night“ dann noch zur „Babalou-Bar“. „Dass da immer hübsche Frauen am Tresen saßen, hat natürlich nicht geschadet.“

Wie Strate erzählt, wurde das Gebäude, in dem sich heute die „Babalou-Bar“ befindet, ursprünglich als Pferdestall errichtet. „Das war aber bereits vor dem Ersten Weltkrieg.“ Später sei es dann als Tauschgeschäft in den Besitz seiner Familie gekommen. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus umgebaut“, so Strate. Bald danach dürfte auch das erste Bordell eingezogen sein. „Heute haben wir zum Glück Bestandsschutz“, so Strate, „Die Genehmigung würden wir heute wohl nicht mehr kriegen.“

Neues Gesetz bedeutet Einschnitt

Einen heftigen Einschnitt bringe das seit diesem Sommer gültige neue Prostitutiertenschutzgesetz mit sich. „Wir befürworten das natürlich, auch wenn es für uns zusätzliche Kosten bedeutet“, so Strate. „Aber es geht um den Schutz der Frauen.“ Baulich bedeute das für ihn etwa, dass jedes der vier Zimmer mit einem Notknopf ausgerüstet werden müsse, alle Türen von innen zu öffnen sein müssten und der neue Pächter erst ein umfangreiches Betriebskonzept einreichen und vom Landkreis absegnen lassen müsse.

Eine Frage, die sich aufdrängt: Wo findet man eigentlich einen neuen Bordellbetreiber? Wohl nicht auf eBay-Kleinanzeigen? „Doch doch, da suchen Sie genau richtig“, betont Strate.

Allerdings habe er meist langjährige Pächter gehabt, die ihre Nachfolger dann selbst gesucht hätten. „Ich habe auch schon wieder einen neuen Pächter, er hat fest zugesagt“, betont Strate. Jetzt hänge es daran, was der Landkreis vom Betriebskonzept halte und welche baulichen Auflagen er fordere. „Der Brandschutz muss natürlich überarbeitet werden“, sagt der Bordellbesitzer, aber er sei auch bereit, einiges zu investieren. Zuletzt seien im Jahr 2000 große Summen in das Gebäude geflossen, für etwa 100.000 Euro wurde das Gebäude in den heutigen Zustand versetzt.

Normale Bar mit kleinen Extras

Für einen Blick hinter die Kulissen des momentan leer stehenden Bordell öffnet Strate die Türen der „Babalou-Bar“. Die erste Überraschung für den rotlichtunkundigen Besucher: Hinter der Eingangstüre befindet sich eine augenscheinlich normale Bar. Langer Tresen, Disco-Kugel an der Decke, Spielautomaten an der Wand, Stehtische und Sofas – die gesamte Einrichtung ist noch vorhanden. Einzig ein kleines Podest samt Striptease-Stange weist darauf hin, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Bar handelt.

Die Zimmer, die sich im ersten Stock des Gebäudes befinden, sind spärlich eingerichtet. Ein großes Bett, rote oder rosa Wände, im besten Fall noch ein Spiegel an der Wand. Hier besteht eindeutig Investitionsbedarf. jak