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Rinteln Stadt Impulse zum Nachdenken per Whatsapp
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12:41 11.03.2018
Wer sich anmeldet, erhält bis Ostern jeden Morgen einen Impuls. Das kann ein Bild sein, ein Gedanke, ein Lied – je nachdem.Fotos: rnk, pr.
Julia Schönbeck hat das Projekt vor zwei Jahren ins Leben gerufen. Wer sich anmeldet, erhält bis Ostern jeden Morgen einen Impuls. Das kann ein Bild sein, ein Gedanke, oder auch ein Lied. Quelle: pr.
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Obernkirchen

Wenn die Gedanken leuchten, könnte dies so klingen: „Worte weise wählen. Weise Worte wählen, Wünschen wagen wollen. Wahrsagen, auf Wahrheit warten.“ Bis Ostern wird Julia Schönbeck mit ihrem Team jedem, der sich anmeldet, jeden Morgen einen solchen Gedanken schicken.

Es ist ein Projekt des Kirchenmobils der evangelischen Kirchengemeinde Obernkirchen, das schon zwei Jahre alt ist und sehr spontan entstand, erzählt die 20-jährige Obernkirchenerin am Telefon, sie studiert jetzt in Göttingen. Was vor zwei Jahren als Projekt aus der Taufe gehoben wurde und 30 Menschen folgen ließ, hatte 2017 schon 400 Teilnehmer. Derzeit sind es 270, die in diesem Jahr bis Ostern mitmachen wollen. „Aber das steigt noch“, sagt Schönbeck.

Nachdenkliche Impulse zur Fastenzeit

Der Grundgedanke ist recht einfach: Vom Aschermittwoch bis zum Osterfest gibt es morgen einen Impuls auf das Handy, einen Gedanken, ein Foto, ein Musikvideo, was auch immer. Der Impuls soll eine Frage aufwerfen: „Was in meinem Leben ist wirklich von Bedeutung?“

Denn von Aschermittwoch bis Ostern ist Fastenzeit. Und während das Fasten heute eigentlich nur mit Verzicht in Verbindung gebracht wird, weil man bis Ostern nicht mehr raucht, auf Süßigkeiten verzichtet und nicht mehr trinkt, ist das Fasten für Schönbeck weit mehr als der pure Verzicht auf Nahrung, Flüssigkeit oder lieb gewonnene Gewohnheiten.

Im Christentum versteht sich die Fastenzeit als Vorbereitungszeit auf das höchste Fest im Kirchenjahr: Ostern. Die Fastenzeit gilt auch als österliche Bußzeit. 40 Tage dauert das Fasten, von Aschermittwoch bis Gründonnerstag. Wer nachrechnet, wird feststellen, dass dies keine 40, sondern 46 Tage sind. Der Grund: Die Sonntage sind vom Fasten ausgenommen, da an ihnen die Auferstehung gefeiert wird. Die 40 Tage erinnern an das 40-tägige Fasten Jesu‘ in der Wüste.

Raum für persönliche Gespräche

Ostern bedeutet Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod. Vorgelebt wurde es von Christus selbst. Fasten, sagt Schönbeck, sei heute ein sehr weiter Begriff. „Für uns steht die Fastenzeit für eine Zeit der besonderen Achtsamkeit.“ Aber Fasten könne mehr sein als Verzicht. „Wir wollen diese Zeit nutzen, um Dinge anders zu machen als sonst“, heißt es auf der dazugehörigen Internetseite: „Da sind diese vielen Selbstverständlichkeiten, die Alltagsmomente, die Gewohnheit.“ Aber: „Was geschieht, wenn wir uns Zeit nehmen, uns selbst herauszufordern. Wenn wir eine neue Brille aufsetzen. Wenn wir auf die Dinge am Rand schauen. Auf uns. Wenn wir uns den großen Fragen stellen.“ Und: „Hat das, was an Ostern gefeiert wird, etwas mit mir zu tun?“

Im Vorjahr habe es viel positive Resonanz gegeben. Und weil eigens für diese Aktion eine Telefonnummer eingerichtet wird, seien auch persönliche Gespräche möglich. „Auch dafür ist Raum“, erklärt die 20-Jährige.

Die täglichen Impulse wurden von vielen unterschiedlichen Menschen gestaltet. Schönbeck spricht von einer „guten Mischung“. Ein paar von ihnen hat sie persönlich gefragt, einige hat sie über das Internet kennengelernt. Es seien nicht nur Mitglieder der Kirche, die mitgestalten. Auch wer das Christentum ablehne oder ihm skeptisch gegenüberstehe, könne mitmachen. Jeder von ihnen gehöre zum Team und bringe einen neuen, ganz eigenen Blickwinkel mit. „Die Vielfalt ist es, die die Schönheit ausmacht“, heißt es auf der Internet-Seite. „Und es sollten durchaus eigene Gedanken sein“, sagt Schönbeck. „Das ist ja der Witz, sonst hätte ich ja keine Leute fragen müssen, sondern gleich selbst die Zitate herausgesucht“, sagt sie und kommt noch einmal auf den Fastenbegriff zu sprechen: Wer auf etwas verzichte, der könne den anderen Dingen mehr Aufmerksamkeit schenken. „Wir wollen uns mit großen Fragen beschäftigen und dem ganz Alltäglichen.“

Wie meldet man sich an?

Jeden Morgen wird es einen Impuls geben, der per Whatsapp verschickt wird. „Eine kleine Nachricht am Morgen“, so Schönbeck. Die Teilnehmer sind nicht alle in einer Gruppe, sodass man die Reaktionen anderer nicht sieht und niemand die eigenen. Es werden einzelne Privatchats sein, keine Gruppenchats. Jeder der mag, kann auf den Impuls antworten, eigene Gedanken teilen und ins Gespräch kommen. Das ist freiwillig. Man kann auch einfach nur lesen. Verschickt werden die Nachrichten von Schönbeck. Die Daten werden nach Ostern gelöscht.

Wer mitmachen möchte, speichert die Nummer (01577) 1512168 in seinen Kontakten auf dem Handy ab. Dann muss eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt „Start“ an diese Nummer geschickt werden. rnk