Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Rinteln Stadt Keine Stelle fühlt sich für die ausgesetzten Waschbärwelpen zuständig
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Keine Stelle fühlt sich für die ausgesetzten Waschbärwelpen zuständig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 31.05.2019
Die beiden ausgesetzten Waschbären haben auch schon Namen: Zorro und Esperanza.
Die beiden ausgesetzten Waschbären haben auch schon Namen: Zorro und Esperanza. Quelle: momo
Anzeige
Rinteln

Der ein oder andere wird es schon gehört haben: In Steinbergen sind anonym zwei Waschbärbabys abgegeben worden. „Sonntagabend fand ich einen Karton in meinem Windfang“, erklärt Astrid Lane die Situation gegenüber unserer Zeitung.

So etwas käme häufiger vor, wenn sich jemand seiner Tiere entledigen wollte. Doch Waschbären sind selten: „Meistens sind das aber Katzen oder Meerschweinchen.“ Diesmal aber seien es Waschbärwelpen gewesen, zwei an der Zahl. Einen Namen haben sie von Tierschützerin Lane auch schon: „Zorro und Esperanza.“

Astrid Lane mit einem ihrer „Bärchen“.

Ein beigefügter Brief erklärte die Situation. Die beiden seien von einem anderen Finder aufgefunden worden, an einer Straße. Eine Mutter für die beiden Welpen sei auch nach Stunden nicht aufgetaucht, die Situation sei gefährlich gewesen. Der Finder nahm die beiden Babys mit – und blitzte bei Tierärzten und Wildtierstationen ab.

Der Unbekannte hatte über das Internet von Lanes Engagement für Tiere und im Tierschutz gehört und stellte sie vor deren Tür ab – in der Hoffnung, die Steinbergerin wisse, was zu tun sei. Doch auch Lane machte dieselbe Erfahrung: Niemand fühlt sich zuständig. „Die Tierheime nehmen Waschbären nicht auf, weil es eine invasive Rasse ist. Privatpersonen ist es nicht erlaubt und Jäger betrachten sie als Schädlinge“, versucht Lane, die verzwickte Lage zu verdeutlichen. „Als Privatperson trage ich auch die vollständigen Kosten alleine, solange ich sie bei mir habe.“

Sie hofft nun auf das Kreisveterinäramt, damit die Waschbären in der Wildtierstation in Sachsenhagen untergebracht werden können. Entgegen einer anderslautenden Polizeimeldung seien die Waschbären noch immer in der Obhut Lanes. „Die Polizei hat mich an eine private Waschbärhilfe weitervermittelt“, so Lane. „Dort gab man mir aber eher Tipps zur Haltung, nicht, wie ich sie loswerden kann.“

Behalten kann Lane die beiden nicht, so sehr sie ihr auch ans Herz gewachsen sind. „Ich habe ja auch noch andere Tiere, unter anderem Babykatzen – und artgerecht wäre das auch nicht.“

Sie stört, dass es keine Lobby oder Auffangmechanismen für die „Bärchen“ gibt, wie sie sie nennt: „Was tut denn jemand, der ein Junges findet? Man kann es ja auch nicht einfach sterben lassen.“

Vielleicht ist es diese Einstellung, die Lane immer wieder in diese Situation geraten lässt: „Die Leute wissen halt, dass ich im Tierschutz bin“, erklärt sie. „Also lieber so, als sie auszusetzen.“
Nur die wenigsten hätten einfach „keinen Bock“ auf ihre Tiere. Trotzdem: „Es wäre ganz nett, wenn man mich fragt, bevor man einfach etwas bei mir abstellt.“ Es hätte Sonntagabend immerhin auch reichlich schiefgehen können: „Wenn eine befreundete Tierschützerin mir nicht mit Welpenmilch ausgeholfen hätte, hätte ich sie nicht füttern können.“ momo