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Rinteln Stadt Kirche bleibt hart: Roggenkamp muss gehen
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Kirche bleibt hart: Roggenkamp muss gehen
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00:56 24.12.2018
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Das stieß in der Kirchengemeinde dagegen auf großen Widerstand: Mehr als 300 Unterschriften wurden gesammelt, um seine Rückkehr zu erreichen. Eine Gemeindeversammlung mit wilden Vorwürfen und teils Beschimpfungen folgte.

Von anfang an stand die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises und der Landeskirche Hannover – über die die Ausbildung läuft – unter keinem guten Stern. Denn den tatsächlichen Grund, aus dem Roggenkamp gehen musste, konnte man aus rechtlichen Gründen nicht nennen. Dazu hätte es das Einverständnis beider Seiten gebraucht.

Verhärtete Fronten

Diese Intransparenz führte zu wilden Spekulationen. Die Fronten zwischen Kirche und den Initiatoren der Unterschriftenaktion sind verhärtet. Ein weiteres Treffen vor drei Tagen, mit den Vertretern der Landeskirche, dem Superintendenten Andreas Kühne-Glaser sowie Teilen des Kirchenvorstands brachte keine Veränderung. Roggenkamp wird nicht nach Krankenhagen zurückkehren, die Entscheidung der Landeskirche ist gefallen. Gestern veranstalteten Landeskirche und Kirchenkreis eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz.

Tobias Roggenkamp

In einem schriftlichen Statement teilte Roggenkamp darin mit, „ich habe gerne in Krankenhagen gearbeitet. Doch für die Kirchengemeinde und mich war es Zeit für einen Neuanfang. Ich wünsche allen Gemeindemitgliedern, dass sie auch in Zukunft an der Kirche Jesu Christi bauen.“

Kirchenvorstand für Roggenkamp

Außerdem brach Kühne-Glaser eine Lanze für den Kirchenvorstand. Der habe sich sehr für den Verbleib von Roggenkamp eingesetzt, und habe nur eine Verbesserung seiner Ausbildung angestrebt. Dass Roggenkamp nun gehen müsse, sei alleine die Entscheidung der Kirche gewesen. Auch jetzt arbeite der Kirchenvorstand weiter sehr engagiert zusammen. „Zum Glück. Denn gäbe es in Krankenhagen keinen Kirchenvorstand – schon rein rechtlich müssten wir die Gemeinde dann mit einer anderen zusammenlegen.“

Deutlich wurde in dem Gespräch, dass die Ausbildung aus einer Vielzahl an Gründen verlängert wurde. Nicht alle könne man nennen, da man sonst Probleme mit dem Rechtsanwalt von Roggenkamp bekomme, so Kühne-Glaser.

Wichtig sei aber das Gesamtpaket gewesen. So habe sich etwa der alte Kirchenvorstand aufgrund der langen Vakanz in viele Dinge eingearbeitet, die eigentlich nicht Aufgabe des Kirchenvorstands gewesen seien. Und als Roggenkamp nach Krankenhagen kam, habe man das einfach weiter gemacht.

Aus gutem Willen, wie Kühne-Glaser betont, um dem werdenden Pastor zu helfen. Dadurch sei Roggenkamp aber erst sehr spät – nämlich mit dem neuen Kirchenvorstand – auf Probleme gestoßen, um die er sich zuvor nie kümmern musste. Das nach zu arbeiten sei nun im nächsten Jahr geplant.

Nie Privatperson, immer Pastor

Entscheidend sei auch gewesen, so Kühne-Glaser, dass man sich als werdender Pastor erst in seine Rolle einfinden müsse. „Pastor bin ich 24 Stunden am Tag. 365 Tage im Jahr. Und wenn ich spreche, dann nicht nur als Privatperson, sondern immer auch als Kirche.“ Die Rolle des Pastors gehe weit darüber hinaus, tolle Predigten zu halten.

Entscheidend dafür, dass Roggenkamp nicht in Krankenhagen seine verlängerte Ausbildung absolvieren könne, sei gewesen, dass man dort keinen hauptamtlichen Pastor habe. Es brauche aber jemanden mit reihhaltig Erfahrung an seiner Seite.

Homosexualität nicht der Grund

Tobias Roggenkamp erteilt allen Gerüchten, seine Homosexualität habe möglicherweise zu seiner Abberufung geführt, eine klare Absage: „Das ist ja quatsch. Meine Lebensführung ist nicht der ausschlaggebende Faktor.“ Zu den wesentlichen Faktoren seiner Abberufung dürfe er leider nichts sagen, das sei so mit der Landeskirche vereinbart. Auf Nachfrage erklärt er aber auch: Wäre die Landeskirche bereit, alle Sachgründe, die zur Abberufung geführt haben, offenzulegen, so sei das für ihn auch in Ordnung.

Superintendent Kühne-Glaser dagegen hält von diesem Vorschlag nichts, „Das schadet ihm, das schadet anderen. Ich halte das für nicht notwendig, dass jemand das weiß.“ „Wir sind damit beauftragt, wir haben das Vertrauen und wir haben die Kompetenz, das richtig zu beurteilen.“ Und: „Ich bitte um das Vertrauen, dass wir richtig gehandelt haben.“ Von Jakob Gokl

Offene Gespräche wären wichtig

Kommentar von Jakob Gokl

Offene Gespräche wären wichtig

Es ist schade, dass Tobias Roggenkamp auch bei den letzten beiden Gesprächen nicht anwesend war. Das schriftliche Statement erinnert an die Worthülsen, die nach der Trennung von Helene Fischer und Florian Silbereisen in die Welt gesetzt wurden. Säße Roggenkamp mit am Tisch, könnte er selbst glaubwürdig auf die berechtigten Fragen eingehen. Die Landeskirche wäre gut beraten, auf sein Angebot, offen über die Gründe, die zu seiner Versetzung geführt haben, einzugehen. Das muss ja nicht im großen Rahmen über die Presse geschehen. Schon dank eines Treffens mit aufgebrachten Gemeindemitgliedern, Roggenkamp und der Landeskirche, bei dem Tacheles geredet wird, könnte Krankenhagen friedlich ins neue Jahr starten.