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Rinteln Stadt Klärschlamm-Vererdungsanlage an der Bernser Landwehr erweitert
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Klärschlamm-Vererdungsanlage an der Bernser Landwehr erweitert
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21:24 21.10.2019
Besichtigen das Klärschlamm-Vererdungsbecken Nummer 1: Werner Volker (von links), Patrick Schulz, Andreas Gerber und Manfred Bathke. Quelle: tw
Bernser Landwehr

Vor Jahr und Tag ist die Erweiterung fast ein Politikum gewesen. Direkte Anwohner der Kläranlage Auetal fühlten sich von der Planung überfahren, befürchteten Gestank, eine Beeinträchtigung der Sicht, Mückenschwärme – und in letzter Konsequenz einen Wertverlust ihrer Grundstücke.

„Die Anwohner haben ihre Widersprüche inzwischen zurückgezogen“, freut sich Werner Volker. Der Geschäftsführer des Wasserverbandes Nordschaumburg: „Der Landkreis Schaumburg als Baugenehmigungsbehörde musste gar nicht erst darüber entscheiden.“

Mit Strauchwerk und Büschen begrünt

Dazu dürfte nicht zuletzt der etwa zwei Meter hohe Erdwall beigetragen haben, den der Wasserverband durch die Firma Muckhoff Bau GmbH aus Lippetal auf der zu den Grundstücken gelegenen Seite der – besonders umstrittenen – Nachlagerfläche hat aufschichten lassen. „Er wird auf seiner Krone noch zusätzlich mit Strauchwerk und Büschen begrünt“, sagt Diplom-Ingenieur Manfred Bathke vom Ingenieur-Büro für Bodenkunde und Wasserwirtschaft mit Sitz in Hannover.

Eingebettet werden sollen das neue Becken sowie auch die Nachlagerfläche in eine als Ausgleichsmaßnahme angelegte Streuobstwiese, auf der auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern lokale, aber seltene Apfelbäume angepflanzt werden sollen: „Angedacht sind Sorten wie ,Gelber Dickstiel‘, ,Schöner aus Wiedenbrück‘ und ,Wilhelm‘“, zählt Bathke auf.

700.000 Euro Kosten

Ringsherum sollen im April Grassamen mit einer Wildblumenmischung eingesät werden. Zwar liege die Endabrechnung noch nicht vor, doch werde es Volker zufolge gelingen, den anvisierten Kostenrahmen von knapp 700.000 Euro für die Gesamtmaßnahme einzuhalten.

„Was die Nachlagerfläche angeht, so werden wir sie im Herbst des kommenden Jahres zum ersten Mal brauchen“, sagt Andreas Gerber, Technischer Leiter beim Wasserverband. Dann nämlich soll das dann volle dritte Becken geräumt und der Klärschlamm auf der neuen Fläche ausgebracht werden.

„Klappt es mit einer Verwendung in der Landwirtschaft, könnte er frühestens 2021 auf die Felder“, rechnet Volker. Alternativ könnte man die vererdete Biomasse aber auch an Unternehmen abgeben, die das darin noch enthaltene Phosphat mittels eines speziellen Verbrennungsverfahrens gewinnen.

Zeitfenster vergrößert

Derweil hat sich das Zeitfenster für die Nutzung der Vererdungsbecken offenbar deutlich vergrößert. „Die Prognose sah 2007 eine etwa achtjährige Beschickungsdauer der Beete mit Klärschlamm bis 2015 vor, jetzt haben wir bereits 2019“, so Volker nicht ohne Stolz.

Kontrolliert wird der Zustand der Pflanzen laut Patrick Schulz, Fachkraft für Abwassertechnik, „zweimal im Jahr mittels einer Drohne, die die Vererdungsbecken überfliegt“. Die Mitarbeiter der Kläranlage selbst könnten schließlich nur die Pflanzen an den Rändern sehen.

Verschärfungen der Düngerverordnung

Bei dem zu vererdenden Klärschlamm handelt es sich laut Volker um Biomasse, die sich am Ende der Schmutzwasserreinigung am Boden eines Ruhebeckens sammelt. Diese Biomasse wurde früher, so wie sie aus der Kläranlage kam, als phosphathaltiger Dünger an landwirtschaftliche Betriebe abgegeben. Aufgrund erfolgter Verschärfungen in der Klärschlamm- und in der Düngerverordnung hatte sich der Wasserverband Nordschaumburg bereits im Jahr 2007 entschieden, den anfallenden Klärschlamm in eigens hierfür gebauten, mit Schilf bepflanzten Becken zu vererden. Dabei handelt es sich um einen biologischen Prozess, bei dem sich die Menge des weitgehend aus Wasser bestehenden Klärschlamms um etwa 92 Prozent reduziert.

Thomas Wünsche