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Rinteln Stadt Kleiner Markt – ganz groß
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Kleiner Markt – ganz groß
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20:25 21.10.2018
Christian Fabisch zeigt Kindern auf dem Markt, wie man Apfelsaft herstellt. Miriam (rechts) und Eberhardt (links) dürfen selbst Saft pressen.
Christian Fabisch zeigt Kindern auf dem Markt, wie man Apfelsaft herstellt. Miriam (rechts) und Eberhardt (links) dürfen selbst Saft pressen. Quelle: cok
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Rinteln

Organisatorin Simone Niebuhr von Pro Rinteln nur ausrufen kann: „Wir sind happy!“ Dabei hatte es die Sonne in diesem Jahr vielen Apfelbauern nicht leicht gemacht. Zwar leuchten die Apfelsorten wie immer bunt an Martin Müllers Apfelstand, „aber wir mussten schon sehr aussuchen, was wir anbieten können“, sagt der Inhaber vom Kalletaler Obsthof. „Unsere Plantagen haben unter dem Wassermangel gelitten.“ Er zeigt Fotos, auf denen man erkennt, dass kein Gräschen mehr unter den Bäumen wächst. „Wo sogar das Unkraut verreckt, haben die Bäume wirklich sehr zu kämpfen.“

Der Boskop hatte es besonders schwer, und die beliebte Goldparmäne fällt bei ihm in diesem Jahr fast ganz aus. „Die Äpfel sind insgesamt süß und wohlschmeckend, aber bei manchen Sorten blieben sie zu klein für den Verkauf“, erklärt Müller. Oft entstand an den Apfelschalen Sonnenbrand, und in manchen Äpfeln fand man Würmer, die regelrecht gekocht waren. Höhere Preise nimmt Müller deshalb aber nicht.

"In diesem Jahr hatten wir hier Weinbauklima"

Wo man gut wässern konnte, ist die Apfelernte deutschlandweit besonders reichhaltig ausgefallen. Jürgen Pleitner jedenfalls strahlt übers ganze Gesicht, als er seine „Golden Delicious“ aus dem heimischen Garten präsentiert. „Es heißt ja, die kann es im Norden gar nicht geben“, sagt er. „Aber in diesem Jahr hatten wir hier Weinbauklima.“

Esther Navarette-Fabisch betreibt an ihrem Stand Aufklärungsarbeit über Äpfel mit kleinen Schäden. Kinder dürfen dort Saft pressen und erkennen, dass man dafür auch angeschlagene Äpfel verwenden kann. „Manche hatten noch nie in ihrem Leben selbst gepressten Apfelsaft getrunken“, sagt Navarette-Fabisch. Auch Stadtführerin Katrin Bühne, verkleidet wie eine Apfelkönigin, bringt Kindern den Apfel näher, mit Märchen und Geschichten, die so gut ankommen, dass man sogar zusätzliche Stühle ranschaffen muss.

100 Marmeladen-Variationen

An den Ständen mit Likören und Marmeladen kann man nur überwältigt sein von der Vielfalt des Angebotes. Das „Marme-Lädchen“ hat mehr als 100 Marmeladen-Variationen im Programm, und Anke Kleymann und Detlev Schroeter, die ihre „fast vergessenen“ Früchte wie Eberesche, Mispel oder den Weißdorn direkt im Wald sammeln, kommen kaum noch hinterher, ihre Marmeladen-Proben zu verteilen.

Der Markt mit Imkerverein und den Torten verkaufenden Landfrauen, mit dem Obst- und Gartenbauverein und den Kaninchen, die tatsächlich über Hindernisse hüpfen können – er hätte diesmal ruhig noch länger als nur bis 18 Uhr andauern können. „Kleiner Markt – ganz groß“: So fasst Simone Niebuhr den Erfolg des Tages zusammen.

Von Cornelia Kurth