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Rinteln Stadt Kunstrasen verbieten?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Kunstrasen verbieten?
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08:31 14.06.2019
Imke Byl, Landtagsabgeordnete der Grünen. Quelle: wm
Rinteln

Das berichtete Imke Byl, Landtagsabgeordnete der Grünen, anlässlich der Kreismitgliederversammlung der Grünen am Mittwochabend im Rathaus der Weserstadt.

Eine Nachricht, die auch Rinteln betrifft. Denn die Arbeitsgemeinschaft der Rintelner Sportvereine hatte beantragt, die Stadt möge einen Kunstrasenplatz und eine Kunststofflaufbahn an der Burgsfeldsweide anlegen. Auch an der neuen IGS soll Granulat aus Altreifen verbaut werden. Und zwar für ein zehn mal 15 Meter großes Kleinspielfeld.

Karl-Heinz Frühmark, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Sportvereine, erläuterte gestern in einem Telefongespräch, dass er von diesen EU-Plänen gehört habe. Doch das sei noch nicht in der Arbeitsgemeinschaft besprochen worden. Sollte die EU ein Verbot umsetzen, betreffe das nicht nur den Fußball, sondern auch die Leichtathletik.

Granulat bessere Alternative

Beim Landkreis betonte man auf Anfrage, dass das Kleinspielfeld, eigentlich eine Erweiterung des Pausenhofes, mit Kunststoffgranulat beschichtet werden soll, um bei einem Sturz Verletzungen zu vermeiden. Granulat sei hier eine bessere Alternative als Asphalt.

Die Landtagsabgeordnete Byl hatte vor den Grünen ein Horror-Szenario entworfen: Nicht nur der Plastikmüll, den man in der Landschaft sehe, sei ein Problem, sondern vor allem Makro- und Mikroplastik. Und hier kommen die Kunstrasenplätze ins Spiel, genauer deren Verfüllung mit Granulat. Für ein Fußballfeld seien das rund 35 Tonnen – was etwa einer Million PET-Flaschen entspreche.

Erhöhte Krebsrate bei Torhüterinnen

Bei einer Untersuchung, woher Mikroplastik stamme, stehe Reifenabrieb an erster Stelle, Kunstrasenplätze rangierten auf Platz fünf. In den USA gebe es bereits eine Diskussion, weil man bei Torhüterinnen eine erhöhte Krebsrate festgestellt habe. Torhüterinnen, die sich häufig auf Kunststoffrasen fallen lassen müssen.

Byl betonte, Plastik im Meer gehe ihr auch persönlich nahe. Ihr Vater lebe auf Borkum, jedes Mal sehe sie den Müll am Strand. Plastik im Meer inklusive der toten Fische und Vögel sei sicher das emotionalere Thema, aber langfristig halte sie Plastik im Boden für gefährlicher. Einfach, weil niemand wisse, wie viel da drin sei und wie man das wieder herausholen könne. Erforscht sei so gut wie nichts. Byl wies darauf hin, dass das sogar die Landesregierung bei einer Anfrage der grünen Landtagsfraktion eingeräumt habe.

Man sei sich noch nicht einmal einig, worum es sich bei Mikroplastik handele. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge seien das Partikel – kleiner als fünf Millimeter, größer als ein Mikrometer. Teilchen, die unter anderem von Reifenabrieb, vom Verschleiß größerer Plastikteile, vom Waschen synthetischer Textilien und eben auch von Sport- und Spielplätzen mit Kunststoffbelägen stammen.

30 neue Mitglieder

Die Begeisterung für grüne Politik ist auch in Schaumburg spürbar. Wie Monika Tautz und Wilhelm Klusmeier, Vorstandssprecher beim Grünen-Kreisverband, anlässlich der Mitgliederversammlung erklärten, habe der Kreisverband in jüngster Zeit rund 30 neue Mitglieder aufgenommen.

Kreisfraktionschef Michael Dombrowski berichtet, auch in der Politik gebe es Erfolge. So sei jetzt beim Landkreis eine halbe Stelle geschaffen worden, um den Kataster für Ausgleichsmaßnahmen auf dem aktuellen Stand zu halten. Wer bei einem Bauvorhaben Flächen versiegelt, ist gesetzlich zu ökologischen Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet. Die Untere Naturschutzbehörde kontrolliert, ob diese sachgerecht ausgeführt werden. Die Erstellung des Katasters ist ein mühsames Geschäft, denn die Kreisverwaltung ist nicht an allen Baugenehmigungen kreisweit beteiligt.

Von Hans Weimann