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Rinteln Stadt Kurzarbeit bei Rintelner Autozulieferern
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Kurzarbeit bei Rintelner Autozulieferern
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22:39 10.10.2019
Symbolbild Quelle: dpa
Rinteln

Es ist nichts, worüber die Unternehmen gern Auskunft geben: „Das ist nicht das angenehmste Thema“, sagt Andreas Eder – Geschäftsführer von Knippschild und Sander – und hüllt sich in Schweigen. Auch der Betriebsratsvorsitzende von Knippschild möchte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht dazu äußern. Wie viele Mitarbeiter insgesamt in Rinteln von Kurzarbeit betroffen sind, und über welchen Zeitraum, ist daher nicht bekannt.

Die Hamelner Geschäftsstelle der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim bestätigt jedoch, dass momentan Kurzarbeit herrsche, betroffen seien eben jene drei hier genannten Unternehmen, ausgenommen sei der Gebläse- und Verdichterhersteller RKR. „Doch das sind nur die Betriebe, die durch die IG Metall vertreten werden“, sagt Gewerkschaftssekretär Mike Wasner im Telefonat mit dieser Zeitung.
Hubert Schmidt, Sprecher der Geschäftsführung bei Stüken, erläutert den Hintergrund der Maßnahme.

Ursache in China

Bereits im zweiten Halbjahr 2018 habe sich angedeutet, dass die Automobilhersteller unter den konjunkturellen Schwankungen leiden würden, und in der Folge auch die Zulieferer wie etwa Continental und Thyssen-Krupp. Ursache dafür sei vor allem der chinesische Automarkt, der weniger Bedarf an deutschen Autos habe. Dazu werde die Produktion mehr und mehr in die absatzstarken Länder verlegt. „Das ist das Bizarre: In diesem Jahr hat Deutschland mehr Autos verkauft als im letzten Jahr, aber weniger produziert.“

In Fertigungsprozessen ist das als „bullwhip effect“ bekannt, also als „Bullenpeitschen-Effekt“: Veränderungen in der Kundennachfrage können zu Schwankungen in der Bestellmenge führen, die sich entlang der Logistik-Kette hin zum Hersteller zu riesigen Wellen aufbauen können. Und das treffe nun auch Zuliefererfirmen wie Stüken, wenn auch in geringem Maße.

49 Azubis bei Stüken

Von 860 Mitarbeitern an den beiden Rintelner Standorten sind mit „zehn bis zwölf“ Mitarbeitern nur ein geringer Anteil betroffen. Wann die Kurzarbeit endet, bestimmt der Bedarf. Grundsätzlich bittet Schmidt, die positiven Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren: Derzeit beschäftige Stüken zum Beispiel 49 Auszubildende und dual Studierende.

Derzeit ist Kurzarbeit in Deutschland auf den Maximalzeitraum von einem Jahr begrenzt. Diese Begrenzung möchte die IG Metall gerne auf zwei Jahre hochgesetzt sehen, erläutert Gewerkschaftssekretär Wasner. Für die Mitarbeiter sowie für die Unternehmen sei Kurzarbeit eine große Chance, erklärt Wasner die Position der IG Metall. Die Mitarbeiter könnten sich in einer Phase der Kurzarbeit weiter qualifizieren und würden ihren Arbeitsplatz behalten, dem Unternehmen würde das Know-how nicht verloren gehen.

Gute Erfahrungen vor zehn Jahren

„Dass das funktioniert, hat man nach Ende der letzten Krise 2009 gesehen: Viele Unternehmen konnten sofort wieder durchstarten“, so Wasner. Die Menschen würden in konjunkturell schwachen Zeiten außerdem nicht „in die Arbeitslosigkeit gedrängt“.

Von Marieluise Denecke

Was ist Kurzarbeit?

Wenn es in einem Unternehmen wegen schlechter Konjunktur weniger zu tun gibt, kann es für eine gewisse Dauer für alle Mitarbeiter oder einige Abteilungen Kurzarbeit verordnen. Die Arbeitnehmer arbeiten dann weniger oder überhaupt nicht, entsprechend wird der Lohn reduziert. Dazu kann es sogenanntes Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit geben.
Laut Sozialgesetzbuch ist Kurzarbeit auf zwölf Monate begrenzt. Bei außergewöhnlichen Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt kann die Höchstdauer ausgeweitet werden. Die IG Metall plädiert für ein „Transformations-Kurzarbeitergeld“, damit Unternehmen, die sich etwa auf Digitalisierung einstellen müssen, Zeit bekommen, sich und ihre Belegschaft umzustellen. mld