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Rinteln Stadt Mega-Shitstorm statt Megamarsch in Rinteln?
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Mega-Shitstorm statt Megamarsch in Rinteln?
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20:49 16.04.2019
Die Megamarsch-Strecke führt nach der dritten Änderung zumeist über Asphalt - das ärgert die Teilnehmer. Quelle: mld
Rinteln

Thorsten Kruse, der gemeinsam mit einer Wandergruppe für den Megamarsch trainiert, kommentierte gestern Vormittag am Telefon, er sei mit seiner Trainingsgruppe die zweite Strecke bereits fast komplett abgelaufen. Dann habe er sich am Montagabend die Strecke auf der Homepage des Megamarsches noch einmal angeschaut und wollte nicht glauben, was er gesehen habe: „Alles geändert, jetzt viel Asphalt, wenig Wald. Und das im Weserbergland!“

Viele enttäuschte Kommentare

Der Shitstorm bei Facebook hat inzwischen auch eingesetzt, wie man den vielen enttäuschten oder zynischen Kommentaren entnehmen kann: „Für so 'nen Mist soll man auch noch zahlen“, „Auf den Süntel habe ich mich echt gefreut, die Strecke wird immer unattraktiver“, „Ich weiß nicht, was 62 Kilometer Asphalt mit dem schönen wanderbaren Weserbergland zu tun haben sollen.“ – „Ich habe sowohl die erste wie die zweite Strecke abgewandert, aber jetzt den Spaß verloren.“ – „Ich hab mich so auf den Wald gefreut.“ – „Das ist ja fast eine Autobahn.“ – „Soso, die Behörden wollen also nicht, dass man als weit Angereister das Weserbergland kaputt trampelt.“ – „Ich bin raus.“ – „Nächste Streckenänderung: Rund um den Rintelner Marktplatz.“

Es waren wohl die prognostizierten Teilnehmerzahlen von inzwischen mehr als 1600, die manchen Behördenleiter zum Telefon haben greifen lassen, um die Notbremse zu ziehen. Bernd Gröne, „Betriebsleiter“ beim Megamarsch, mochte das so direkt gestern am Telefon nicht ausdrücken, räumte aber ein, die eigentlich geplante Strecke sei auf „erheblichen Widerstand“ gestoßen. Behörden hätten da völlig unterschiedliche Prioritäten.

Namen wollte Gröne nicht nennen, nur so viel: Es seien unter anderem private Waldbesitzer und vor allem die Naturschutzbehörde, die ihr Veto eingelegt hätten. Auch von Kommunen seien Bedenken angemeldet worden.

Gröne: "Das sind Leute, die einfach wandern, die Natur genießen wollen"

Auch Gröne wirkte am Telefon keineswegs glücklich über die neue Streckenvariante. Er geht davon aus, dass manche völlig falsche Vorstellungen von einem Megamarsch haben: „Da zieht niemand lautstark singend mit Bollerwagen durch die Wälder. Das sind Leute, die einfach wandern, die Natur genießen wollen. Nachts sieht man nur die Stirnlampen. Da gibt es keinen Lärm.“

Anders als Gröne nannte jemand aus dem internen Kreis der mit dem Megamarsch befassten Personen Ross und Reiter: Ursprüngliche Idee sei gewesen, große Teile des Weserberglandwanderweges zu nutzen. Gegen diese Strecke habe sich die Obere und Untere Naturschutzbehörde, die Stadt Hessisch Oldendorf, der Landkreis Hameln-Pyrmont, die Klosterforst, viele private Grund- und Waldbesitzer und vor allem eine Jagdgenossenschaft ausgesprochen: Die Jäger wollten jagen. 1600 Menschen im Wald stören da.

Keinerlei Probleme in Hamburger Naturschutzgebiet

Gröne sagt, 4500 Menschen seien Anfang April beim Megamarsch in Hamburg gewandert, sogar durch den „Grünen Gürtel“, also durch ein Naturschutzgebiet. Es habe keinerlei Probleme gegeben. Sogar die Polizei habe ihm bestätigt: Das könne er jederzeit wieder veranstalten. Auf Nachfragen räumte Gröne dann ein, dass das Planungsteam so langsam unter Zeitdruck gerate. Jetzt kümmere man sich vor allem um den Megamarsch in München am 11. Mai.

„So viele Mitarbeiter haben wir nicht, dass wir fünf Leute nur an die Streckenführung im Weserbergland setzen können. Das ist immer noch ein Start-up-Unternehmen. Wir fahren selbst mit Lastwagen auf die Strecke und kümmern uns um Absperrungen, Dixie-Klos, bauen Verpflegungsstellen auf. Während des Marsches sind Sanitäter auf Quads und Motorrädern unterwegs, auch Security-Mitarbeiter da, wo die Teilnehmer große Straßen überqueren müssen.“

Dass Behörden Sportveranstaltern den Spaß verderben können, weiß Gröne übrigens aus eigener Erfahrung. Er war Radprofi, gewann bei den Olympischen Spielen in Seoul die Silbermedaille und erzählte, bei mancher Rundfahrt hätten sich alle am Ende gefragt: Warum schickt man uns über Straßenbahnschienen und so übles Pflaster?

Von Hans Weimann