Mittagsruhe wird in Rinteln abgeschafft
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Rinteln Stadt Mittagsruhe wird in Rinteln abgeschafft
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20:49 30.12.2019
Keine Pause mehr beim Rasenmähen: Zwischen 13 und 15 Uhr gilt künftig die Mittagsruhe nicht mehr.
Keine Pause mehr beim Rasenmähen: Zwischen 13 und 15 Uhr gilt künftig die Mittagsruhe nicht mehr. Quelle: dpa
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RINTELN

Gert Armin Neuhäuser von der WGS hatte eine ganze Reihe von Veränderungsvorschlägen in den Rat eingebracht. Die alte Verordnung war 2010 erlassen worden und hatte sich dabei an vorherigen Fassungen orientiert. So war da zum Beispiel noch zu lesen, dass es verboten sei, auf öffentlichen Straßen, Bänken oder Stühlen zu liegen oder zu übernachten. Dieses Verbot mache es Obdachlosen geradezu unmöglich, sich in der Stadt aufzuhalten, so Neuhäuser. Das wäre verfassungswidrig. Der entsprechende Absatz wurde jetzt gestrichen.

Kein Duschen in Teichen

Geblieben ist ein anderer, im ersten Moment kurios wirkender Punkt: das Verbot nämlich, sich in öffentlichen Brunnen, Wasserbecken, Flüssen, Bächen, Teichen oder sonstigen Wasserläufen zu waschen. Wäre es denn so schlimm, wenn jemand keine andere Möglichkeit sieht, sich zu säubern? Das fragte diese Zeitung Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp. Seine Antwort: „Stellen Sie sich vor, jemand würde zum Beispiel in der Graft stehen und sich dort mit Shampoo die Haare waschen – muss ich noch mehr sagen?“

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Neuhäusers Änderungsvorschläge betrafen auch die Definition des „öffentlichen Raums“, der durch die Verordnung zur Gefahrenabwehr geschützt werden soll. Ab sofort gilt nun die BMX-Bahn am Heinekamp explizit als so ein öffentlicher Raum, ebenso wie zum Beispiel die Blühstreifen an Ackerrändern, Straßen und Wegen, auch wenn diese nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind.

Wo darf gegrillt werden?

Die Verordnung enthält einen Absatz über offene Feuer im Freien (zum Beispiel die Osterfeuer). Hier wurde ergänzt, dass auch das Grillen außerhalb hoheitlich ausgewiesener Orte verboten ist. Eine weitere Ergänzung betrifft das Fahrradfahren oder Fahren mit motorisierten Fahrzeugen in öffentlichen Anlagen. Das ist nun nur noch in speziell dafür ausgewiesenen Bereichen, etwa am Blumenwall, gestattet (Gefährte für gehbehinderte Menschen zählen nicht dazu).

In der alten Verordnung stand noch nichts davon, dass es verboten sei, öffentliche Anlagen und Straßen mit weggeworfenem Müll zu verunreinigen.

Vermüllungsverbot

Ein entsprechender Passus wurde nun aufgenommen. Neuhäuser hatte das mit dem Hinweis begründet, so ein Vermüllungsgebot sei „Kernstück“ einer Gefahrenabwehrverordnung.

Eine weitere Veränderung betrifft das bisher gebotene Einhalten einer Mittagsruhe in der Zeit von 13 bis 15 Uhr. Dieses Gebot wurde ersatzlos gestrichen. Von nun an ist es nicht mehr nur Handwerkern erlaubt, auch über Mittag ihre motorisierten Geräte zu benutzen oder auf sonst eine Art Lärm zu verursachen, sondern die Mittagszeit wird nicht mehr anders angesehen als der Rest des Tages.

Ruhezeiten gelten nur noch für die Stunden zwischen 20 Uhr abends und 7 Uhr am Morgen. Davon ausgenommen sind gewerbliche Tätigkeiten im öffentlichen Interesse und gewerbliche sowie land- und forstwirtschaftliche Arbeiten. Von Cornelia Kurth

„Mittagsruhe wurde ohnehin nie eingehalten“ Martina Kleinsorge Klaus-Jürgen Cezanne

Teils hitzige Diskussion lieferten sich User zum Thema Mittagsruhe in den sozialen Netzwerken. Die Meinungen rangierten zwischen „Ist unsere Welt nicht laut genug? Muss alles verändert werden? Ich glaube, man muss nicht in der Mittagszeit mähen“ von Martina Kleinsorge bis zu „Bei uns hält sich eh keiner daran, also weg mit der Mittagsruhe“ von Klaus-Jürgen Cezanne. 

Tatsächlich ist der Hauptkritikpunkt an der Mittagsruhe meist, dass sie ohnehin nicht eingehalten werde und daher nur für zusätzlichen Streit sorge. So schrieb etwa Stefan Brüdermann: „Oft habe ich den Eindruck, die Mittagsruhe ist schon abgeschafft. Ich wäre eher dafür, sie wieder einzuführen.“ Und Georg White widersprach, wenn auch mit der gleichen Begründung: „Mittagsruhe braucht man nicht mehr. Vielfach wird es ohnehin nicht eingehalten, und es sorgt immer wieder für Streit. Abschaffen bringt mehr Ruhe.“

Leser Bastian Kautscha wollte wissen: „Wie sieht es mit den Handwerkern aus? Sollen die etwa mittags ihre Arbeit auch niederlegen oder wie?“ Er folgert polemisch: „Genau aus diesem Grund geht in diesem Land auch nix mehr voran! ,Dort läuft eine Gelbbauchunke rum, hier nistet der Rotmilan, aber bitte in meiner Siedlung keinen Lärm; brauche die Ruhe.‘ Alles absurd!“ 

Alexandra Fahlbusch beklagte, in ihrer Nachbarschaft greife man noch bis 23 Uhr zum Laubbläser – was nach Maßgabe der Gefahrabwehrsatzung übrigens auch in Zukunft nicht erlaubt ist. Uwe Kurt Stade meint: „Unglaublich, dass überall in der Arbeitswelt von den Vorteilen einer Siesta geforscht und geredet wird, und unser geliebtes Rinteln vertreibt uns Alten den Mittagschlaf. Irgendetwas stimmt da nicht.“ jak