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Rinteln Stadt Neues Dialyse-Zentrum und Wohnraum für Senioren in Rinteln
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Neues Dialyse-Zentrum und Wohnraum für Senioren in Rinteln
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22:39 12.09.2019
Zwischen Klosterstraße, Kahlergasse und Bäckerstraße soll ein Neubau entstehen. Quelle: jak
Rinteln

Die Pläne des Investors wurden daher im Bauausschuss der Öffentlichkeit vorgestellt. Laut den Planungen sollen insgesamt 30 Wohnungen entstehen, im Erdgeschoss außerdem eine Dialyse-Praxis. Der Neubau soll sich von der Fußgängerzone (Klosterstraße) bis zur Bäckerstraße durchziehen. Für Diskussionen im Bauausschuss sorgte vor allem der befürchtete zusätzliche Verkehr in der Fußgängerzone. Die Grünen-Ratsfrau Uta Fahrenkamp äußerte diesbezüglich große Bedenken. Vertreter aller anderer Parteien kommentierten die Pläne allerdings wohlwollend.

Seit über 20 Jahren auf dem Pflegemarkt

Die ausführende Firma Immac ist laut einer anwesenden Vertreterin seit mehr als 20 Jahren auf dem Pflegemarkt tätig und betreibt bundesweit Einrichtungen. In der Region ist sie bereits mit der Nachnutzung des Bethel-Krankenhauses beschäftigt. Dort entsteht ein vollstationäres Pflegeheim mit 131 Pflegeplätzen (wir berichteten). Eine ähnliche Einrichtung soll in Rinteln an der Graf-Adolf-Straße entstehen (siehe kleiner Artikel), die beiden Bauprojekte an der Klosterstraße sowie an der Graf-Adolf-Straße sind daher in Zusammenhang zu sehen. Insgesamt will die Immac nach Informationen dieser Zeitung in Rinteln im deutlich zweistelligen Millionen-Bereich investieren.

Fachliche Fehler

Für Uta Fahrenkamp (Grüne) ist es jedenfalls ein Unding, dass ein derart verkehrsintensives Gewerbe wie eine Dialysepraxis direkt an den Anfang der Fußgängerzone gesetzt werden soll. „Das ist hier fehl am Platz“, betonte sie gleich zu Anfang und verwies auch auf mehrere fachliche Fehler in der schalltechnischen Untersuchung des Investors. Dort seien Geschwindigkeiten sowie der Bodenbelag der Straßen teilweise falsch angegeben, wodurch in Wahrheit eine höhere Lärmbelastung auf die Anwohner zukomme. „Autoverkehr wird damit in die Fußgängerzone geholt.“ Sogar einen Haltepunkt für einen Lastwagen mit über 7,5 Tonnen solle es geben. „Der ganze Bereich wird dadurch qualitativ zurückgebaut“, sagt Fahrenkamp.

Zu viel Verkehr für Anwohner?

Der Investor selbst gehe von 230 Fahrzeugen am Tag und mehr aus. „Können wir das den Anwohnern antun?“, fragte sie in die Runde. Ein Dialysezentrum gehöre ins Industriegebiet, nicht in die Innenstadt. Dieter Horn (SPD) konterte, ein Dialysezentrum habe einen hohen Stellenwert in der Innenstadt. „Mit dieser Einstellung geht uns wieder ein Investor durch die Lappen.“ Der zusätzliche Verkehr sei absolut zumutbar. Zudem soll der größte Teil der Dialysepatienten über den Volksbank-Parkplatz und dann über die Kahlergasse in die Praxis kommen.

Gegen Öffnung der Fußgängerzone

In seltener Einmütigkeit stimmten ihm Kay Steding und Heinz-Jürgen Requardt (beide CDU) sofort zu. „Was wäre denn die Alternative: Der fünfte Ramschladen?“, fragte Requardt in Richtung Fahrenkamp. Sie konterte, eine Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr könne sie nicht gutheißen.

Bürgermeister Thomas Priemer verwies zum Abschluss darauf, dass man die Probleme der Verkehrsführung durchaus ernst nehme. Dennoch stimmte Fah-renkamp gegen den Aufstellungsbeschluss, alle anderen Parteien waren einmütig dafür.

Von Jakob Gokl

Pflegeheim statt Industriebrache

Es ist ein boomendes Gewerbe: Die Hamburger Firma Immac möchte in Rinteln, – zwischen Graf-Adolf-Straße und Dauerstraße – ein vollstationäres Pflegeheim errichten. Entsprechende Pläne stellten Vertreter des Investors im Bauausschuss der Öffentlichkeit vor.
Auf dem Gelände befand sich früher der Zimmereibetrieb Requardt, südlich davon Wohnbebauung. Derzeit ist das Gebiet teilweise als Wohnbebauung und teilweise als Gewerbegebiet ausgewiesen – eine Konstellation, wie man sie heutzutage nicht nutzen würde. Im Bauausschuss ging es zunächst lediglich um die Änderung des Bebauungsplans. Der Investor, die Immac-Wohnbau in Hamburg, war für eine Stellungnahme gestern leider nicht mehr zu erreichen. Unklar bleibt daher, wie hoch die Gesamtinvestition für das Projekt sein wird und wie viele Arbeitsplätze durch die 124 vollstationären Pflegeplätze entstehen werden. Deutlich wurde allerdings, dass der Komplex das Gelände nicht bis zur Straße ausnutzen soll, sondern relativ viele Grünflächen geschaffen werden sollen. „Dadurch soll auch der Außeneindruck gegenüber dem Istzustand verbessert werden“, so Stadtplaner Matthias Reinold als Vertreter des Investors. Das Gebäude soll etwa zwölf Meter hoch werden. „Dadurch wird es nicht höher als andere Gebäude in der weiteren Umgebung.“
Kay Steding (CDU) signalisierte sofort nach der Vorstellung des Projekts die Unterstützung seiner Fraktion. „Das ist schon sehr weit gediehen, wir sehen das positiv.“ Auch sein SPD-Gegenüber Dieter Horn erklärte: „Im Sinne der Demografie finden wir das sehr gut.“ Im Gegensatz zum zweiten Bauprojekt der Immac, an der Klosterstraße, votierten die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig für die Änderung des Bebauungsplans. jak