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Rinteln Stadt Nick Büscher: Die Nabu in Rinteln ist kein Verhinderer
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Nick Büscher: Die Nabu in Rinteln ist kein Verhinderer
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22:33 14.04.2019
Nick Büscher von der Nabu sitzt im Rintelner Bauausschuss.
Rinteln

Büschers Aufgabe besteht darin, die Belange des Natur- und Umweltschutzes in die Beratungen einzubringen. „Ich bin der beauftragte Anwalt der Natur“, sagt er dazu. Eine Population von Wasserfledermäusen im betonierten Unterlauf der Mühlenexter könnte durch Sanierungsarbeiten im Brückentorsaal gefährdet werden. Darauf haben Sie im Bauausschuss hingewiesen. Bedeutet das, es darf keine Bauarbeiten am Fundament des Saales geben?

Nein, das bedeutet es nicht. Tatsache ist allerdings, dass Wasserfledermäuse unter Artenschutz stehen und man auf ihre Population bei allen baulichen Maßnahmen Rücksicht nehmen muss. Das kann Bauarbeiten verzögern und verteuern. Mir geht es darum, auf diesen Umstand schon im Vorfeld hinzuweisen. Es gibt Bürger, die solche Hinweise als „Verhinderungspolitik“ ansehen, als vorgeschobene Argumente, um unliebsame Bauvorhaben zu torpedieren.

Eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall. Meine Hinweise sind nicht hinderlich, sondern lösungsorientiert. Auf die Wasserfledermäuse muss geachtet werden, ob ich das nun vortrage oder nicht. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Es ist klug, das bereits bei Planungen und Entscheidungen zu berücksichtigen, bevor es spätestens bei einer artenschutzrechtlichen Prüfung festgestellt wird, die so oder so kommt.

Das heißt, wenn Sie die naturschutzrechtlichen Belange nicht ansprechen, sind sie dadurch keineswegs aus der Welt geschafft?

Genau! In diesem Fall schon deshalb nicht, weil die „Wochenstube“ der Wasserfledermäuse ja bereits seit zehn Jahren bekannt ist. Zudem bin ich kraft meines Amtes dazu verpflichtet, die Natur zu verteidigen, die sich ja nicht selbst verteidigen kann. Und wenn man die Tiere noch gar nicht entdeckt hätte?

Dann würde man sie im Rahmen der Prüfung entdecken und die Bauarbeiten müssten so lange gestoppt werden, bis eine Lösung gefunden wäre. Können Sie den Ärger von Bürgern verstehen, die meinen, dass man es mit dem Naturschutz übertreibe?

Nicht wirklich. Jeden Freitag gehen Schüler für verbesserten Naturschutz auf die Straße und setzen sich damit auch für ihre Zukunft ein. In unserem eigenen Interesse brauchen wir einen ganzheitlichen Blick. Wir können ja auch schlecht gegen Umweltsünden in anderen Ländern argumentieren, wenn wir unsere eigenen gesetzlichen Vorgaben ignorieren wollten.

Wie sieht es mit der Akzeptanz des Nabu in Rinteln aus?

Wir haben in Rinteln 800 Mitglieder, in Niedersachsen sind es 100000, deutschlandweit über 600000. Das ist eine breite Basis. Und wie gesagt, wir sind keine Verhinderer – auch wenn das manchmal so rüberkommt –, sondern wir tragen dazu bei, dass mit allen Betroffenen gemeinsam nachhaltige Lösungen gefunden werden können.

Interview: Cornelia Kurth