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Rinteln Stadt Öko- und Bauernmarkt in Rinteln: Die Qual der Wahl
Schaumburg Rinteln Rinteln Stadt Öko- und Bauernmarkt in Rinteln: Die Qual der Wahl
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18:01 08.09.2019
Leo (links) baut gemeinsam mit Sven Schaper einen Nistkasten. Quelle: cok
Rinteln

„Warte, warte, warte!“, ruft eine Frau und prüft am Öko- und Bauernmarktstand vom Baubetriebshof hektisch ihre vielen Lose. Einen Obstbaum hat sie schon gewonnen, und sie hofft auf mehr.

Baubetriebshofleiter Ulrich Hartmann ist das nur recht. Je mehr Lose er und sein Team verkaufen, desto mehr Rintelner Blütensamentüten bringt er damit gleichzeitig unter die Leute. Die sollen ausgesät werden, im eigenen Garten, vor den Haustüren und ruhig auch am Wiesenrand, in der Hoffnung, dass im nächsten Jahr wieder mehr Blumen blühen als in diesem trockenen Sommer.

Mit Nistkasten Insekten Raum geben

Den Marktbesuchern machen solche Aktionen großen Spaß, und wohin auch immer man seine Schritte über Markt- und Kirchplatz wendet, überall findet man nette Unterhaltung, die zugleich auf den Grundgedanken des beliebten Ökomarktes aufmerksam macht: Das Bewusstsein für naturnah angebaute Nahrung zu schärfen und zu zeigen, wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, eine ökologische Landwirtschaft zu fördern, Vögeln und Insekten Raum zu geben und lokale Anbieter zu unterstützen.

Naturschutzbund und Stadtwerke hatten dafür mitten im Marktgetümmel eine kleine Werkstatt zum Nistkastenbau eingerichtet. Im Handumdrehen waren alle vorbereiteten Materialien verbraucht und mit Hilfe von Sven Schaper 33 Nistkästen fertiggestellt, meistens von Kindern, wie Leo aus Rinteln, der gerade Kasten Nummer 26 mit Bohrlöchern versieht und sein Werk dann mit nach Hause nehmen darf.

Kulinarische Qual der Wahl

Kaninchen wurden gestreichelt, die ausgestopften Tiere am Stand der Niedersächsischen Landesforsten bewundert, und auch die Highland-Rinder samt niedlichen Kälbchen von Familie Brand zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Die Tiere leben, ebenso wie die Galloway-Rinder, ganzjährig auf der Weide, und wenn man dann entsprechende Bratwürste verzehrt, ist immerhin klar: Das Fleisch stammt von glücklichen Kühen.

Am Hofladenstand von Christiane Treviranus weiß man kaum, für welches Bio-Kuchenstück man sich entscheiden soll, oder ob man lieber eine Vollkorn-Quiche auswählen soll. Überhaupt hat man kulinarisch gesehen überall die Qual der Wahl: Bio-Kuchen, klassischer Blechkuchen von den Ackerbürgern oder ein Tortenstück aus dem umwerfenden Angebot der Lions-Club-Frauen Bad Eilsen? Wildbratwurst, Forelle aus dem Kalletal oder Kürbissuppe?

Schafswolle spinnen und Zierkürbisse, die Besucher zum lachen bringen

Ununterbrochen strömen die Menschen durch die Innenstadt, das manchmal regnerische Wetter tut dem keinen Abbruch. Kinder dürfen sich auf hochmoderne und ganz altmodische landwirtschaftliche Maschinen setzen.

Am Nabu-Stand wird Wolle gesponnen, die von Schafen stammt, welche auf der Streuobstwiese Hohenrode weiden, wo am 29. September wieder das „Apfelfest“ gefeiert und Apfelsaft gepresst wird. Auch der Kürbisstand von Jens Grastorf ist ständig belagert, wobei bizarre Zierkürbisse die Besucher zum Lachen bringen.

Am Stand vom Baubetriebshof hat die Frau mit den vielen Losen tatsächlich noch ein weiteres Mal gewonnen, diesmal einen praktischen Biertragekasten. Richtig glücklich ist ein kleines Mädchen, dessen Losnummer ebenfalls gezogen wurden. Sie wählt bescheiden einen Lavendel aus. Der wird zukünftig - ganz im Sinne des Ökomarktes - Schmetterlinge, Hummeln und Bienen anlocken. von Cornelia Kurth